Ihr Lieben, wir lernen durch eure Geschichten auch immer so viel Neues, tatsächlich hatten wir das Thema Hashimoto so noch nie bei uns im Blog. Daniela hat seit vielen vielen Jahren Hashimoto und dadurch viele Symptome, die ihr das Leben oft schwer gemacht haben. 2025 hat sie einen neuen Weg gefunden, mit der Krankheit umzugehen. Hier erzählt sie uns davon:
Liebe Daniela, du hast Hashimoto – kannst du mal erklären, was das genau ist?
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, also eine Erkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. In diesem Fall betrifft es die Schilddrüse. Das Schilddrüsengewebe wird durch eine Entzündung, ausgelöst durch einen fehlgeleiteten Immunprozess, nach und nach zerstört. Hashimoto ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion, die eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Symptome hervorrufen kann.
Wann hattest du die ersten Symptome und wie lange hat es gedauert, bis du eine Diagnose hattest?
Die Diagnose erhielt ich bereits mit 15 Jahren – das ist ungewöhnlich früh. Die Meisten erhalten sie erst später im Leben. Offensichtliche Beschwerden hatte ich damals nicht, zumindest keine, die meine Eltern oder ich richtig deuten konnten. Rückblickend gab es allerdings Anzeichen, wie etwa meine sehr frühe erste Periode mit neun Jahren.
Dass Hashimoto bei mir entdeckt wurde, lag an einer familiären Vorbelastung. Der Arzt riet dazu, auch die Töchter zu untersuchen und so wurde die Erkrankung bei mir festgestellt – allerdings ohne Aufklärung. Man sagte mir lediglich, ich solle morgens nüchtern eine Tablette nehmen. Das war’s. Als Teenager war es entsprechend schwierig, die Bedeutung dieser Therapie zu verstehen und konsequent umzusetzen.
Wie hat Hashimoto dein Leben in den letzten Jahren beeinflusst?
Hashimoto hat mich in verschiedenen Lebensphasen ganz unterschiedlich begleitet. Mit Ende der Teenagerjahre kämpfte ich mit starken Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und sehr schmerzhaften Perioden. Doch damals brachte niemand diese Beschwerden mit der Schilddrüse in Verbindung. Lange dachte ich, ich sei einfach „so“.
Erst mit Mitte 20 – mit dem Wunsch, eine Familie zu gründen – begann ich, mich intensiver mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Der veränderte Hormonhaushalt erschwerte es schwanger zu werden. Schnell wurde klar, wie viele Symptome ich über die Jahre als „normal“ akzeptiert hatte: Müdigkeit, depressive Phasen, Antriebslosigkeit, Verstopfung, Konzentrationsprobleme. Ein Radiologe, der mich ernst nahm und ganzheitlich behandelte, brachte erstmals eine deutliche Verbesserung. In dieser Zeit durfte ich drei gesunde Kinder bekommen – ein großes Glück, das bei Hashimoto nicht selbstverständlich ist.
Doch nach Schwangerschaften und Stillzeiten geriet mein Hormonhaushalt erneut aus der Balance. Die Symptome verschlimmerten sich, mein Gewicht überschritt die 100-Kilo-Grenze und meine Stimmungsschwankungen belasteten vor allem unser Familienleben. Die Medikamentendosis wurde immer weiter erhöht, ohne Wirkung.
Was hast du dann gemacht?
Ende 2023 setzte ich die gängigen Medikamente schließlich ab – aus Frustration. Zunächst ging es mir besser, doch nach einigen Monaten folgte ein massiver Einbruch, körperlich wie seelisch. Ich habe tagelang geweint, hatte Schlafprobleme, Antriebslosigkeit und negative Gedanken waren meine ständigen Begleiter. Auch körperlich hatte ich immer größere Schwierigkeiten: Wassereinlagerungen, weitere Gewichtszunahme, Gelenkschmerzen.
Der Wendepunkt kam Ende 2024. In einer Frauenzeitschrift las ich von einem Heilpraktiker, der sich auf Schilddrüsenerkrankungen spezialisiert hat – und meine Probleme nahezu exakt beschrieb. Ich fuhr 150 Kilometer in seine Praxis und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, wirklich verstanden zu werden. Seitdem nehme ich sogenannte bioidentische Schilddrüsenhormone, die mein Körper direkt verwerten kann. Vermutlich war die fehlende Umwandlungsfähigkeit der eingenommen Hormone der Kern meines Problems.
Für mich persönlich das Ende einer langen Leidensgeschichte. Ich schlafe wieder gut, habe Gewicht verloren, die Stimmungsschwankungen haben deutlich abgenommen. Ich blicke wieder positiv auf das Leben.
Wie sind die Menschen in deinem Umfeld mit deiner Krankheit umgegangen. Viele kennen sich damit ja nicht aus…
Viele Menschen – vor allem Frauen – kennen Hashimoto vom Namen her. Die verbreitete Annahme lautet jedoch: „Man nimmt einfach Tabletten und dann ist alles gut.“ Für viele Betroffene ist es aber deutlich komplexer.
In Wahrheit ist Hashimoto oft ein stiller Kampf – unsichtbar für Außenstehende, aber im Inneren mächtig. Viele sehen die Krankheit nicht als „echte“ Erkrankung. Und ich kann es nachvollziehen – selbst ich habe viele Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass meine Beschwerden nicht Einbildung oder Charakterschwäche sind.
Nun hast du im letzten Jahr etliche Kilos verloren. Wie hast du das geschafft?
Ja, ich habe 20 Kilo abgenommen – von Adipositas Grad II hin zu „nur noch“ übergewichtig. Ich denke, der größte Faktor war die Umstellung der Schilddrüsenmedikation. Ich habe dadurch neue Energie bekommen. Mein Hungergefühl hat sich verändert, ich kann die Bedürfnisse meines Körpers besser deuten.
Zusätzlich habe ich meine Ernährung schrittweise proteinreicher gestaltet und meine Kalorien im Blick behalten. Ohne Verbote. Ich liebe weiterhin Pizza, Süßes oder gelegentliches Fastfood.
Außerdem bewege ich mich deutlich mehr. Weniger Gelenkschmerzen und mehr Energie machen das leicht. Treppe statt Aufzug, mal eine Haltestelle laufen, YouTube-Workouts für zwischendurch – lauter kleine Bausteine, die zusammen viel bewirken.
Und auch beruflich hat sich einiges verändert – erzähl mal.
Nach meinem BWL-Studium, welches ich als 2. Ausbildung neben den Kindern absolviert habe, hat Corona damals meine Karrierepläne ziemlich durcheinander geworfen. So bin ich nach dem 3. Kind im sozialen Bereich gelandet. Dies war eine Erfahrung, die mich geprägt hat. Es war für mich keine einfache Arbeitssituation und so kam neben meinen gesundheitlichen Problemen eine berufliche Belastung hinzu.
Umso glücklicher bin ich, dass ich im öffentlichen Dienst meines Bundesland anfangen durfte. Dort bin ich nun seit über einem Jahr beschäftigt und fühle mich sehr wohl. Es ist eine äußerst interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit, die mir viel Freude bereitet.
Seit September habe ich zusätzlich die Ausbildungsleitung für unsere neue Auszubildende übernommen. Das Amt hat lange nicht ausgebildet und wir wachsen als Team gemeinsam in diese neue Rolle hinein. Dass ich daran aktiv mitwirken kann, macht mich stolz.
Parallel absolviere ich eine berufsbegleitende Fortbildung, die mich fachlich weiter voranbringen soll. Die Kombination aus neuer Aufgabe, Verantwortung und persönlicher Weiterentwicklung tut mir unglaublich gut.
Was hast du 2025 gelernt?
Ein Satz begleitet mich durch dieses Jahr: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“
2025 hat sich vieles zum Positiven gewendet – nicht zufällig, sondern weil ich aktiv Schritte gegangen bin: berufliche Veränderungen, der Mut, alternative Behandlungswege auszuprobieren, das Durchhaltevermögen für eine langfristige Abnahme aufzubringen und die bewusste Auseinandersetzung mit der Aufteilung von Care-Arbeit in unserer Partnerschaft, die mir die Freiräume für meine Fortbildung ermöglicht.
2025 habe ich gelernt, mein Leben wieder bewusst selbst zu gestalten und mich nicht nur über meine Rolle in der Familie zu definieren. Ich habe angefangen, mich mit all meinen Stärken, meinen Grenzen und auch meiner Krankheit anzunehmen. Das hat mich wachsen lassen. Ich bin stolz auf meinen Weg und dankbar für meine Familie, die mich in dieser intensiven Zeit unterstützt und manchmal liebevoll ausgehalten hat.
Der eigene Weg verläuft selten gerade. Oft gibt es Umwege und Hindernisse. Aber momentan habe ich das Gefühl, auf einem gut begehbaren Abschnitt angekommen zu sein – und mit genügend Energie ausgestattet, auch kommende Steigungen zu meistern. Diese Kraft wünsche ich allen, die ähnliches durchmachen.




4 comments
Hallo, könnte ich bitte den Namen des Heilpraktikers erfahren, der sich auf Schilddrüsenerkrankungen spezialisiert hat? Gerne per Mail.
Eine schöne Geschichte! Toll wie Du das hinbekommen hast! Vor allem finde ich bewundernswert, dass Du nicht einfach der Krankheit die Schuld gibst, sondern die Verantwortung für Dein Glück selbst in die Hand genommen und dafür gesorgt hast, dass es Dir besser geht. Hut ab für das Durchhaltevermögen!
Liebe Daniela,
würdest Du mir die Adresse des Heilpraktikers sagen? Meine Schilddrüse funktioniert nach einer Hashimoto nicht richtig, ich habe die gleichen Symptome, die Du geschildert hast und kaum ein Arzt kennt sich damit aus…
Würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Viele Grüße
Vielen Dank für den Beitrag,
ich kann bestätigen, dass es sehr schwierig ist bei Hashimoto einen Arzt zu finden, der mit einem spricht und nicht nur schaut, dass die Laborwerte gerade so in der Norm sind. Mit dieser pauschalen Behandlung kann man zwar einen Zusammenbruch vermeiden, aber damit es einem richtig gut geht, müssen die Werte (nicht nur der TSH) individuell angepasst werden. Leider scheint es in diesem Bereich kaum Forschung zu geben, so dass die Leitlinien, nach denen sich die Ärzte richten, für die Hashimotobehandlung wenig hilfreich sind. Da die Medikamente verschreibungspflichtig sind, ist es schwer, ohne die Unterstützung eines Arztes eine gute Einstellung mit den Hormonen zu erreichen. Ich möchte also allen Betroffenen raten, sich die Laborwerte immer sehr genau anzuschauen und auch aushändigen zu lassen, damit man sieht, was für einen selber gut ist. Das ist leider sehr individuell.