Ihr Lieben, wenn Wut, Angst oder Traurigkeit das Familienleben auf den Kopf stellen, können uns die Gefühlsplaneten von Kiran Deuretzbacher helfen. In ihrem Buch „Starke Gefühle, starker Halt„, hilft die Ergotherapeutin und Familienchoachin uns, das Nervensystem bei starken Gefühlen gut zu regulieren!
Ob beim morgendlichen Anziehen, auf dem Heimweg von der Kita oder wenn das Tablet ausgeschaltet werden soll: Gefühlsausbrüche gehören zum Familienalltag. Wie Eltern in solchen Momenten ruhig bleiben und ihrem Kind Sicherheit geben können? Das erklärt sie uns. Mit viel Erfahrung aus ihrer Arbeit mit Familien und einem warmen Blick auf das echte Leben erklärt sie, wie Gefühle entstehen, warum sie manchmal so heftig sind – und was Eltern wirklich hilft, um Kinder liebevoll durch Wut, Angst oder Traurigkeit zu begleiten.
Denn der Alltag unserer Kinder steckt ja voller Gefühle! Und nicht immer sind unsere Kinder ihnen gewachsen. Und auch wir Eltern sind oft ratlos: Woher kommt die heftige Reaktion? Wie schaffen wir es da gemeinsam durch? Und wie kümmern wir uns gut um unsere eigenen Emotionen?
Damit wir starken Gefühlen im Familienalltag nicht hilflos ausgesetzt sind, sondern sie verstehen, über sie sprechen und sicher mit ihnen umgehen können – dafür hat Kiran dieses warmherzige und liebevoll illustrierte Buch geschrieben. Um Emotionen zu verstehen: Was möchte das Gefühl uns sagen? Körper und Fühlen näherzukommen: Wie hängen Körperempfindung und emotionale Reaktion zusammen? Co-Regulation zu nutzen: Wie geben wir Kindern Halt, wenn sie emotional überfordert sind? Dafür arbeitet sie mit der Idee der Gefühlsplaneten, in die sie uns hier mal mitnimmt.
Wieder Streit bei den Hausaufgaben
„Ich will das nicht!“, brüllt mein Sohn, der Stift fliegt, die Hefte gleich hinterher. Sekunden später Tränen.
Ich spüre, wie mein eigener Puls steigt – mein Nervensystem ist sofort im roten Bereich.
Ich will ruhig bleiben. Wirklich.
Aber da ist dieser innere Alarm.
Kennst du das?
Diese Momente, in denen du eigentlich Verbindung willst – und stattdessen alle in verschiedene Richtungen auseinanderfliegen?
Gefühle sind kein Problem – sie sind Wegweiser
Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder lernen, sich selbst zu regulieren.
Aber das ist nichts, was Kinder einfach so „können“.
Selbstregulation entsteht aus vielen Momenten gesunder Co-Regulation – also durch das sichere Gefühl, gehalten zu werden, während in einem drin das Chaos tobt.
Und damit wir das möglich machen können, müssen wir selbst wissen, wie Regulation überhaupt geht.
Denn Gefühle sind keine Feinde.
Sie sind Kompassnadeln unseres Inneren.
- Wut zeigt: Hier wurde eine Grenze überschritten.
- Angst schützt uns – ohne sie würden wir riskanter, kürzer, unachtsamer leben.
- Trauer erinnert uns an die Liebe.
- Scham und Schuld halten uns in Beziehung.
Wenn wir aufhören, gegen Gefühle anzukämpfen, können wir anfangen, sie zu verstehen.
Dann werden sie nicht mehr gefährlich – sondern führen uns.
Die Gefühlsplaneten – ein Kompass durchs innere Weltall
Um das für Familien greifbar zu machen, habe ich in meinem Buch „Starke Gefühle, starker Halt – Selbstregulation für dein Kind und dich“ ein Modell entwickelt:
das Planetensystem der Gefühle.
Jeder Planet steht für einen bestimmten Spannungszustand unseres Nervensystems:
Roter Planet – Hier ist viel Energie. Wir kämpfen, verteidigen unsere Werte, denken weniger differenziert.
Grüner Planet – Unser Wohlfühlplanet. Wir sind kreativ, verspielt, verbunden und einfühlsam.
Blauer Planet – Der Ruhemodus. Hier entspannen wir, tanken auf, schlafen ein.
Gelber Planet – Der Übergangsplanet. Zwischen Aktivierung und Entspannung.
Es gibt keine „guten“ oder „schlechten“ Planeten – nur den richtigen für den jeweiligen Moment.
Entscheidend ist, dass wir lernen, unsere Rakete bewusst zu steuern und sicher zu landen.
Wenn Wut und Frust im Alltag übernehmen
Zurück zur Hausaufgabenszene.
Mein Sohn ist auf dem roten Planeten – voller Energie, Frust und Überforderung.
Früher hätte ich versucht, ihn mit Worten zu „beruhigen“.
Heute weiß ich: Das geht nicht.
Er braucht Halt im Körper – nicht im Kopf.
Ich sage: „Du bist richtig wütend, das ist okay.“
Dann lehne ich mich an die Wand – eine meiner Lieblingsübungen:
Starke Wand
So geht’s:
Lehn dich mit dem Rücken oder den Händen gegen eine Wand. Spür, wie sie dich trägt und hält. Gib dein Gewicht an sie ab. Atme bewusst ein und aus.
So geht’s auch:
Drück mit viel Kraft gegen die Wand – richtig doll.
Spür den Widerstand, die Spannung in deinem Körper. Dann lass langsam Stück für Stück los und spür, wie der Druck weicht.
Oder leg dich flach auf den Boden und spür, wie er dich trägt.
So wirkt’s:
Druck und Gegendruck aktivieren unsere Tiefenwahrnehmung.
Das gibt dem Körper Sicherheit und Stabilität.
Bei starkem Stress hilft aktive Anspannung, inneren Druck abzuleiten – und das Loslassen danach bringt echte Entspannung.
Wenn Ängste vorm Einschlafen auftauchen
Abends im Bett.
„Mama, ich kann nicht schlafen… ich hab Angst.“
Wir holen einen Becher Wasser, stecken einen Strohhalm hinein – und fangen an zu blubbern.
Strohhalm-Atmung
So geht’s:
Blubber mit einem Strohhalm im Mund ins Wasser. Beobachte, wie die Luftblasen aufsteigen.
So geht’s auch:
Probier verschiedene Flüssigkeiten (Wasser, Milch, Smoothie) oder unterschiedlich dicke Strohhalme.
Blubber zu Melodien oder puste Watte über den Tisch – Kinder lieben das.
So wirkt’s:
Beim Ausatmen über den Strohhalm verlängert sich automatisch die Ausatmung.
Das signalisiert dem Nervensystem: Alles sicher.
Es beruhigt die Herzfrequenz, fördert Konzentration – und verbindet auf spielerische Weise Atmung, Körper und Gefühl.
Diese kleinen Übungen sind keine „Tricks“.
Sie sind Signale an das Nervensystem die Sicherheit und Verbindung signalisieren und so Halt schenken, wenn die Gefühle gerade laut werden.
Regulation beginnt bei uns
Gerade für Eltern ist eins absolut wichtig:
Selbstregulation vor Co-Regulation.
Denn nur, wenn wir selbst Halt in uns finden, können wir Halt geben.
Mein Buch „Starke Gefühle, starker Halt“ begleitet Familien und Menschen die mit Kindern arbeiten mit 33 alltagstauglichen, körpernahen Übungen und liebevoll illustrierten Modellen, um Selbst- und Co-Regulation wirklich zu verstehen – und zu leben.
Denn starke Gefühle gehören zum Leben.
Und der Halt, den wir darin finden, entsteht im Miteinander.

