Ihr Lieben, wenn es um Großeltern geht, kocht unser Postfach immer über, das Thema scheint sehr emotional besetzt zu sei, wie gut also, dass es jetzt das Buch Endgegner Großeltern gibt, in dem Kristina Weber und Johannes Molz , bekannt aus dem ARD-Instagramkanal »Eltern ohne Filter« , zeigen, wie wir alte Muster durchschauen, Rollen neu verhandeln und echte Augenhöhe erleben können.
Worum es geht? Kinder da, Drama da, denn plötzlich mischen die eigenen Eltern kräftig in der Erziehung mit. Zwischen ungefragten Tipps (»Vielleicht müsst ihr einfach mal konsequenter sein!«) und alten Kränkungen wird der Traum vom entspannten Familienleben zum Bossfight am Kaffeetisch. Statt Entlastung gibt es Kritik, statt Harmonie neue Konflikte. Doch warum knallt es so oft – und wie kommen wir da wieder raus? Das haben wir die beiden gefragt.
Warum kann es so schwierig mit den eigenen Eltern werden, wenn wir selbst Kinder bekommen?
Weil die meisten sich im Lauf des Erwachsenwerdens von den Eltern abgrenzen und irgendwann ausziehen. Dabei bleiben oft die Reibungen und Probleme mit den eigenen Eltern im alten Kinderzimmer liegen und stauben vor sich hin, man kann sich ja jetzt viel besser aus dem Weg gehen. Mit der Geburt der Kinder nähern sich viele junge Eltern wieder ans Elternhaus an, alleine schon, weil sie dringend auf Unterstützung angewiesen sind. Und dann kommt eben alles, was nicht aufgearbeitet ist, wieder hoch und liegt im Weg wie kleine Legostücke und wehe man steigt drauf…
Egal, wie alt wir sind, wenn wir zu unseren Eltern fahren, rutschen wir wieder in kindliche Muster zurück. Wie kommt es dazu?
Weil wir deren Kinder sind. Aber gerade, wenn wir selber Kinder bekommen, müssen wir das ein Stück weit hinter uns lassen und ihnen auf Augenhöhe als Erwachsene begegnen. Und dafür gibt es keine Anleitung und wenn diese Rollen-Neuordnung nicht auf beiden Seiten gesund abgeschlossen ist, kommt es zu Konflikten. Das kann eben von beiden Seiten ausgehen, von den frischgebackenen Großeltern, die uns Eltern noch wie Kinder behandeln, aber auch von frischgebackenen Eltern, die den neuen Großeltern mit einer unausgesprochenen Erwartungshaltung begegnen.
Manche fühlen sich in ihrem Alltag auch beäugt von den Eltern. Weil sie es vielleicht anders gemacht haben. Oder besser Staub gewischt haben, weil damals noch ein Gehalt zum Überleben reichte. Wie können wir da drüber stehen, wenn Augen gerollt werden?
Indem wir versuchen, zu verstehen, dass nicht alles, was solche Großeltern sagen, auch wirklich eine Wertung von uns Eltern ist. Oft drückt sich in mancher Bemerkung Sorge aus, oder ein eigener Schmerz, oder eine Trauer darüber, dass damals vieles schwieriger war. Und wenn man das mit reinrechnet, und vielleicht schafft, es dann weniger als persönlichen Angriff zu verstehen, kann man besser in ein Gespräch darüber gehen, worum es dem Gegenüber eigentlich wirklich geht. “Wie sieht es denn hier aus!” kann Kritik sein, aber auch schlecht formulierte Sorge über ein überlastetes Kind.
Kann es sein, dass Oma sich auch getriggert fühlt, wenn die Tochter oder Schwiegertochter es ganz anders macht, weil dann ja ihre Art der Erziehung von früher in gewisser Weise in Frage gestellt wird, weil es vielleicht auch ein schlechtes Gewissen auslöst?
Das ist oft der Fall. Schließlich hat die Generation der heutigen Großeltern es zwar so gut gemacht, wie sie konnten – davon gehen wir immer erst mal aus – aber damals gab es nicht allein zum Stillen 40 verschiedene Bücher jedes Jahr. Wenn dann die junge Generation ganz viel gelesen hat, kann das dazu führen, dass wir Eltern meinen, dass wir es ja eh viel besser wissen als damals.
Andererseits haben manche Großeltern ja auch recht, wenn sie sehen, dass die Aufmerksamkeit, die dem Kind geschenkt wird, doch über die Maße groß ist. (nicht zu verwechseln mit viel Liebe, Liebe gibt es nie genug)
Es ist für viele Eltern eine schwierige Balance, alle Bedürfnisse der Kinder zu befriedigen, ohne selbst unter die Räder zu kommen. Wenn dann Großeltern, deren Bedürfnisse in deren Kindheit bei weitem nicht so geachtet wurden, uns dabei zusehen, wie wir zwei Stunden Einschlafbegleitung machen und mit entsprechenden Augenringen durch den Alltag laufen, kann eine vorsichtige Kritik daran auch durchaus mal gut gemeint und vielleicht auch angebracht sein.
Typische Szene: Wir besuchen Oma und Opa, alle Kinder sind lieb – und sobald wir das Haus betreten, drehen sie frei, flippen komplett aus. Da entsteht plötzlich auch Scham, weil man ja eigentlich zeigen will, wie sehr man es im Griff hat…
Natürlich wollen wir den Großeltern zeigen, dass wir als Eltern souverän sind und dass wir unsere Kinder vielleicht freier erziehen aber sie durchaus „im Griff haben“. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass es unsere Aufgabe ist, die Kinder zu erziehen und zu beschützen. Wir waren selbst als Kinder von ihnen abhängig und wollten ihre Bestätigung, manche streben ja das ganze Leben nach dem Applaus der Eltern. Gerade da will man nicht hilflos überfordert wirken.
Anders herum: Uns erreichen etliche Nachrichten von Eltern, die maßlos enttäuscht sind von den Großeltern. Sie hätten gern mehr Unterstützung, Oma und Opa haben aber auch ein eigenes Leben… wo kommt da die Erwartungshaltung her? Ist das auch ein strukturelles Problem, weil es ohne Hilfen eigentlich nicht geht mit der Vereinbarkeit und Babysitter aber zu teuer sind?
Das ist unter anderem ein strukturelles Problem: Über eine Million Rentner arbeiten noch, viele davon, weil die Rente nicht reicht. Aber die Erwartungshaltung, die uns da vor die Füße fällt, kommt oft auch daher, dass die wenigsten jungen Eltern mit den Großeltern wirklich darüber sprechen, was diese eigentlich leisten können und wollen. Es können nämlich nicht alle so, wie sie wollen würden. Es gibt Großeltern, die wohnen 3 Stunden entfernt und einer davon ist bettlägerig, das Geld ist knapp und es gibt noch acht weitere Enkel.
Wenn das erste Enkelkind der Familie aber noch alle 4 Großeltern hat, wenn die dann auch noch in der Nähe wohnen, fit sind, aber auch schon in der Rente und sich die Zeit auch nehmen wollen, dann haben die ganz andere Grundvoraussetzungen. Da dürfen die Eltern mal einen realistischen Blick darauf werfen, was die Großeltern eigentlich leisten können. Und das noch dazu: Eigentlich schulden uns die Großeltern nämlich keine Betreuung mehr. Die haben uns schon großgezogen, und wir haben sie ja auch nicht gefragt, ob sie Großeltern sein wollen, das war unsere Entscheidung.
Ihr sagt, dass der Konflikt der Generationen auch gut ist. Inwiefern?
Der Konflikt birgt für alle Beteiligten – Großeltern, Eltern und Enkel – die Chance, sich neu zu begegnen, alte Kränkungen und Muster hinter sich zu lassen und sich aufeinander zuzubewegen. Davon können alle profitieren:
Die Großeltern, die kraft Erfahrung und mehr Zeit mit den Enkeln manches nochmal anders machen können als mit den eigenen Kindern; die Eltern, die jede Unterstützung brauchen können und auch einen anderen Blick auf die eigenen Herkunft und Prägung bekommen können und so vielleicht den letzten Rest Erwachsenwerden schaffen; die Enkel bekommen Bindungspersonen geschenkt, können vom Erfahrungsschatz lernen und sich in der fürsorglichen Nähe der Großeltern sonnen.
Außerdem lernen die Kinder so, dass man Konflikte ansprechen kann. Im Idealfall. Aber selbst wenn man nur ein bisschen was gelöst bekommt, ist das auch schon ein Riesengewinn. Das sind ja schließlich die wichtigsten Bindungen, die wir haben.


7 comments
Ich denke immer jegliche Zeit mit den Großeltern ist ein Geschenk. Ich hatte meine leider schon viel zu früh verloren, mir blieb nur eine Oma, die 7 weitere Enkel hatte und bei der es zu Hause leider nicht so herzlich und warm war, wie bei meinen Eltern. Doch haben es meine Eltern immer so organisiert, dass ich gemeinsam mit einem Cousin oder einer Cousine bei ihr war. Daran habe ich schöne Erinnerungen. Meine Eltern haben uns dann toll unterstützt, als die Kinder klein waren, obwohl wir 2 Stunden weit weg wohnten. Ohne sie hätte es die ersten Jahre mit 2 Kleinkindern und Berufstätigkeit von mir nicht geklappt. Leider starb erst meine Mutter, als meine kleine Tochter 8 war und dann 4 Jahre später mein Vater. Ich bin für jeden Tag dankbar, den meine Kinder mit ihnen verbracht haben. Meine Schwiegermutter bringt sich auch ganz toll ein und die Kinder genießen diese Zeit auch jetzt als Teenies noch, die sie zusammen haben. Sie macht einiges anders, als ich es gewohnt bin, doch ich versuche es als Bereicherung zu sehen. Mein Schwiegervater wiederum hat cholerische Ausbrüche und weitere dysfunktionale Muster, da bin ich oft dazwischen gegangen, mit der Weile können die Kinder selber damit gut umgehen, er gehört eben so, wie er ist, mit dazu. Wird allerdings oft ignoriert. Was auch einfach besser ist, wenn man sich sein Gezeter nicht annimmt!
Ich sehe es wie Anne… bei den Großeltern sollten auch deren Regeln gelten. Ich käme nie auf den Gedanken meinen Eltern oder Schwiegereltern meine Regeln aufzudiktieren. Ich gönne ihnen außerdem ihren Ruhestand und ihre Aktivitäten. Und erwarte nicht automatisch, dass sie uns regelmäßig unterstützen oder die Kinder in den Ferien betreuen. Wenn es passt, umso besser, aber es sollte keine grundsätzliche Erwartungshaltung sein meiner Meinung nach.
Ich merke schon beim Lesen, wie vieles in mir hochkocht. Ich wünschte die Großeltern wären eine wirklich wichtige Bindungspersonen, in dem sie zuhören und auf die Kinder eingehen, ihnen Zeit schenken. So wie zumindest eine Oma bei mir… Und vielleicht tut es genau deswegen so weh, weil ich weiß, wie schön es mit meiner Oma war und das meine Kinder nicht haben dürfen.
Ich habe nur den festen Vorsatz es anders zu machen… Und das Wissen geb ich meinen Kindern mit auf ihren Weg.Damit sie mich notfalls auch dran erinnern…
Moin zusammen,
Ich bin jetzt so dazwischen, Kids ü20, noch keine Enkel, auch nicht in Sicht. Eigene Eltern und Schwiegereltern waren aus unterschiedlichen Gründen so mäßig brauchbar. Falls ich später das Glück haben sollte, Enkel zu bekommen, würde ich mich gerne einbringen. Natürlich mit Respekt und Rollenklarheit. Die Eltern entscheiden. Aber das ist alles keine Einbahnstraße. Mir kommt es bei manchen jungen Eltern so vor, als dürften die Großeltern überhaupt nichts sagen und meinen. Dabei haben die offensichtlich auch Kinder großgekriegt. Könnte doch mal ganz interessant sein, was die meinen, oder?
Ich glaube, letztlich müssen andere Menschen, seien es Großeltern oder andere nahestehende Menschen, dem Kind authentisch begegnen dürfen. Natürlich gewaltfrei und unter Beachtung der Regeln der Eltern (wenn das Kind bestimmte Sachen nicht essen soll oder keine Filme gucken oder so). Aber im gesetzten Rahmen ist es auch für Kinder gut, wenn sie erleben dürfen, dass andere Menschen anders sind und Sachen anders machen als die Eltern.
Das finde ich sehr gut gesagt, Sophie.
Meine Kinder sind 7&10, sind einen Tag pro Woche bei ihren Großeltern und lieben sie und diesen Tag. Ja, sie essen viel zu viele Süßigkeiten, der Opa hilft zu viel bei den Hausaufgaben, sie gucken manchmal bescheuerte Zeichentrickserien, sie gehen auch bei 3 Grad ohne Jacke raus und die Oma erzählt Geschichten von früher, die absolut nicht pädagogisch sinnvoll sind…
Aber so what? Ich bin die restlichen 6 Tage da und bin pädagogisch wertvoll🤪 …
Ich empfinde Großeltern, die da sind und an die meine Kinder später warme Erinnerungen haben können, als so wertvoll! Da ist mir der Rest doch wurscht!
Es sind nicht die wichtigsten Bindungen, die wir haben. Es gibt Konflikte, die sich nicht lösen lassen. Wenn eine Seite nicht reden will, dann löst man sich irgendwann. Und das ist möchte schlimm. Aber dann ist die Bindung weg und nicht mehr die wichtigste.
Wichtig ist halt, dass man seine eigene Beziehung zu seinen (Schwieger-)Eltern von der der Kinder trennt.
Mein Mann hat große Probleme mit seinen Eltern, die ich auch nachvollziehen kann. Wir sehen aber auch, wie sie mit unseren Kindern umgehen, die ihre Oma und ihren Opa lieben. Also, dürfen die Kinder natürlich diese wichtige Bindung haben- auch wenn mein Mann das manchmal nur schwer aushalten kann.
Ein bisschen wie bei getrennten Eltern. Man reißt sich dann halt zusammen- wegen der Kinder.