Ihr Lieben, was würde euer erstes Bauchgefühl sagen: Seid ihr gerecht zu euren Kindern? Ihr habt da bestimmt eine spontane Emotion zu. Am Ende ist es aber ja so eine Sache mit der Gerechtigkeit. Und auch Auslegungssache.
Wenn die Mitgliedschaft im Fußballverein jährlich 60 Euro kostet, die im Tennisclub aber 600. Ist es dann gerecht, dem Fußballkind das gesparte Geld auszuzahlen? Oder ist Gerechtigkeit für euch eher: Jedes Kind darf ein Hobby ausüben. Und die Kosten fließen nicht ein in die Gerechtigkeitswaagschale…
Ihr hört schon, das Thema ist komplex. Und es gibt einfach verschiedene Ansätze, damit umzugehen. Für manche müssen die finanziellen Angelegenheiten irgendwie ausgeglichen sein, für andere die Chancen, der Support.
Wer in der Familie braucht was?
Aber auch da: Vielleicht liebt das eine Kind es, wenn ihr am Spielfeldrand steht – und das andere kann das gar nicht so leiden, weil es sich dann so beobachtet fühlt. Dann würden wir das ja nicht aus Gerechtigkeitsgründen durchziehen und trotzdem kommen 😉
Gerecht ist also letztlich dann doch, auf jedes Kind individuell einzugehen. Lässt sich das als Universalformel so sagen? Unsere Große zum Beispiel hat das Auto der Uroma geerbt, das sie ab ihrem 90. Geburtstag nicht mehr fahren wollte.
Müssen wir den Zwillingen also zum 18. Auch jeweils ein Auto vor die Tür stellen? Und zwar zwei, weil: ist ja sonst ungerecht? Schön wär´s, aber das geht halt leider nicht. Weitere Omas herbeizaubern, die Autos loswerden, gibt´s halt auch nicht, aber wir können uns ja jetzt nicht verschulden, weil es gerecht für die Kinder wäre.
Manchmal ergeben sich eben Situationen im Leben, die der aktuellen Lage oder Möglichkeit geschuldet sind. Und nein, wir zahlen den Jungs auch keinen Ausgleich dafür, dass wir die Große bei ihrer WG-Miete unterstützen. Dafür können sie sich darauf verlassen, dass auch sie nach unseren Möglichkeiten unterstützt werden, wenn sie mal flügge werden. Und wenn das finanziell nicht drin ist, dann vielleicht durch Putz-, Koch-Oder Aufräumhilfen, damit sie ihren Nebenjobs nachgehen können. Oder whatever.
Wir können nicht alle Geschwister „gleich“ behandeln
Katharina erzählte neulich am Telefon, dass sie ihr Nesthäkchen in manchen Dingen anders behandelt als die Großen – und ist das nicht klar? Als sie nur ein Kind hatte, konnte sie doch ganz anders handeln als mit noch drei weiteren im Haus. Da sind einfach die Kraftreserven anders gefordert, da sucht man sich die Kämpfe weise aus und lässt vielleicht auch mal was durchgehen, weil: müde. Nicht bereit für Diskussionen. Das ist doch nur menschlich!
Oder sagen wir mal, ihr habt zur Geburt eurer Kinder in Aktien oder ETFs für sie investiert. Nun geht der vom einen Kind durch die Decke, der vom anderen dümpelt rum. Was würdet ihr sagen: Ist es gerecht, dass ihr für beide die gute Idee hattet, eine Basis zu legen oder ist es ungerecht, weil dadurch die Kinder mit unterschiedlichen Erlösen rausgehen?
Als ich gestern Morgen die Jungs fragte, ob sie sich von uns gerecht behandelt fühlen, wussten sie gar nicht, was wir damit meinen. Bei uns ist Gerechtigkeit im Alltag kein großes Thema, wir sagen nie Sachen wie: „Äh, für dich zahlen wir Nachhilfe, für deinen Bruder aber nicht, deswegen erhält er jetzt eine Ausgleichszahlung“.
Wir rechnen aber auch unter uns Eltern wenig auf oder führen Exceltabellen über Ausgaben oder Haushaltdienste. Wer da ist, macht was. Wer grad was aufm Konto hat, zahlt den Urlaub oder die Autowerkstatt. Oder der eine übernimmt das Ferienhaus, die andere dann halt das Mietauto. Wir agieren da ziemlich nach Gefühl und weniger wie ein Unternehmen. Hier gilt eher: Das, was da ist, darf für alle eingesetzt werden. Je nach Möglichkeit, je nach Bedürfnis.
Seid ihr gerecht zu den Geschwistern?
Im Groben und Ganzen schauen wir schon, dass es auch generell halbwegs ausgeglichen ist vom Gefühl her, aber wir könnten euch jetzt nicht sagen, welches unserer Kinder bislang am teuersten oder günstigsten war, wisst ihr, was ich meine? (Was ich schon schaue, ist, dass nicht ein Kind zwei Geschenke zu Weihnachten da liegen hat und das andere 16. Dann pack ich lieber noch ein paar Haribo-Tüten in Geschenkpapier, damit es wenigstens halbwegs gerecht aussieht 😉)
Was ich aber sagen kann: Die Liebe! Die Liebe, die ist gerecht auf alle Kinder verteilt. Alle können sich gleichermaßen auf uns und unseren bedingungslosen Support verlassen. Und wer eine Umarmung braucht, kriegt die auch. Wer ein Hobby ausüben möchte, soll das auch können (wobei das mit dem Fußball spielen zum Glück echt ziemlich günstig ist, stellt euch vor, sie wollten Segelfliegen oder Jockey werden). Jetzt interessiert mich aber: Wie handhabt ihr das mit der Gerechtigkeit?


14 comments
Puh, das ist wirklich schwierig. Wir rechnen bei unseren Kindern nicht alles auf, wollen aber die Depots am Ende vergleichen und eins ggf. aufstocken, damit beide am Ende ungefähr das Gleiche haben. Der Erste bekam noch Geld vom Uropa etc., der Zweite hat ihn leider gar nicht mehr kennengelernt.
In meiner eigenen Familie habe ich übertriebene Gerechtigkeit als ungerecht empfunden. Ich bekomme zur Hochzeit Geld von meinen Eltern geschenkt und mein Bruder bekommt das Gleiche (ohne Hochzeit). Damit verliere ich zwar nichts, aber der Sinn des Geschenks ist auch nicht mehr gegeben. Als meine Schwester ihr Haus renovieren ließ und Geld brauchte, haben auch alle Geschwister die gleiche Summe von meinen Eltern bekommen.
Das Bespiel mit dem Haus und dem Auto (oben) finde ich zu krass. Da sollte schon eine Ausgleichszahlung gemacht werden.
Ich finde das ein schwieriges Thema. Grundsätzlich bin ich ein gerechtigkeitsliebender Mensch, aber wenn das ins genaue berechnen und aufrechnen kippt, finde ich es nicht mehr gut.
Wir haben 5 Kinder. Wenn meine Kinder unterschiedlich teuren hobbies nachgehen oder vlt ein Kind Nachhilfe braucht o. Ä. Würde ich das nicht ausgleichen. Hundertprozentige Gerechtigkeit wird es sowieso nie geben und ich finde es wichtiger, da das einzelne Kind mit seinen Bedürfnissen zu sehen.
Unsere Kinder haben von den Verwandten zu Weihnachten und den Geburtstagen in den vergangenen Jahren immer Geld bekommen, das wir für die zurücklegen bis sie 18 sind. Nun ist es so, dass unser großer einiges mehr haben wird als unser kleinster, einfach weil noch mehr Verwandte gelebt haben und man auch teilweise mehr schenkt bei einem Urenkel als bei 9 (wie jetzt der Fall). Das wollen wir ausgleichen, dass alle den gleichen Betrag mit 18 bekommen. Unser kleiner kann ja nichts dafür, dass er 10 Jahre später geboren ist. Ich fände es unfair, wenn einer viel mehr bekommt als der andere. Auch wenn es ums vererben irgendwann mal geht, ist es mir wichtig, dass alle den gleichen Anteil bekommen. Bei Geschenken schauen, wir, dass es sich ungefähr die Waage hält. Da würde ich jetzt nie genau aufrechnen. Ein Teenager wünscht/braucht vlt mehr als ein Kleinkind braucht, vor allem wenn man schon viel von den Geschwistern hat und nicht mehr viel braucht. Da einen Geldbetrag „vollzumachen“ , nur damit es gleich ist, finde ich übertrieben.
Eins der schwierigsten Themen in Elternschaft, denkt man auch irgendwie erst mit größeren Kindern drüber nach,dass es tatsächlich nicht immer so gerecht geht wie man dachte. Charaktere und Lebensumstände sind so so so unterschiedlich. Wir unterstützen aber alle gleich intensiv bei ihren Träumen, Hobbies etc. Manchmal vielleicht auch nicht unbedingt materiell . Dieser Gedanke aus dem Artikel hier hilft grade sehr. Denn als Eltern hadert man sehr oft damit, eins der Kinder ungerecht zu behandeln.
Ich finde das Thema auch gar nicht so einfach. Ich bin grundsätzlich ein gerechtigkeitsliebender Mensch, finde es aber nicht mehr schön, wenn es in ein ständiges berechnen und aufrechnen kippt. Hundertprozentige Gerechtigkeit wird es sowieso nie geben.
Von ausgleicjszahlungen bei hobbies usw halte ich auch nicht viel.
Wir haben 5 Kinder und unsere Kinder haben von den Großeltern und urgroseltern zu den Geburtstagen und Weihnachten Geld bekommen, das wir für die zurückgelegt haben. Da ist e nun so, dass unser großer einiges mehr haben wird als uns er kleinster, einfach weil. Noch mehr familenmitglieder gelebt haben und auch, weil man bei einem Urenkel halt großzügiger ist als bei 9, wie jetzt (mit den Kindern meiner Geschwister) . Das ist etwas, wo wir einen Ausgleich schaffen werden, wenn die Kinder mit 18 das Geld bekommen. Hie Rist es mir wichtig, dass alle das gleiche bekommen. Der kleine kann ja nichts dafür, dass er 29 Jahre später zur Welt gekommen ist. Auch wenn später mal ums vererben geht, ist es mir wichtig, das gleich zu machen.
Ich mache mal ein ganz krasses Beispiel, weil es sich so im vergangenen Jahr in unserer Familie ereignet hat: meine Mutti hatte ein Haus und ich brauchte mit meiner Familie dringend größeren, bezahlbaren Wohnraum (2 Kita-Kinder, 2 Eltern im Homeoffice, also genau das Problem des Artikels von gestern). Mein Bruder lebt lieber in einer Großstadt, möchte keine Kinder und definitiv nicht in die Kleinstadt zurück, aber brauchte als „armer“ Wissenschaftler auf einer Teilzeitsttelle dringend ein neues Auto. Meine Mutti hat mir das Haus und meinem Bruder ein Auto geschenkt.
Der Wert dieser Geschenke ist fundamental unterschiedlich, aber jedes Kind hat bekommen, was es dringend brauchte. Alle sind zufrieden und freuen sich füreinander. Mein Bruder, dass er nun endlich mobiler ist und uns so auch öfter besuchen kann. Er freut sich auch, dass das Haus nicht verkauft wurde und in der Familie bleibt. Ich freue mich natürlich über den tollen Wohraum und die Lebensqualität für meine Kinder mit Garten etc. Ich denke, gerecht ist, was alle glücklich macht, auch wenn der Wert unterschiedlich ist.
Ich bin bei so einem Beispiel zwiegespalten. Ich meine, was ist, wenn Dein Bruder das in 10 oder 20 Jahren gar nicht mehr toll findet, dass er im Grunde fast leer ausgegangen ist? Wird er dann mehr erben, wenn die Mutter stirbt? Dass die Person, die bevorzugt wurde, damit kein Problem hat, ist ja recht offensichtlich.
Auf alle Fälle ist das ein sehr schwieriges und emotional aufgeladenes Thema. Denn oft geht es gar nicht so sehr um den materiellen Wert, sondern um das , wofür er steht: Zuwendung, Unterstützung, Liebe. Und da sind eben die meisten Menschen auch als Erwachsene noch bedürftig oder haben noch Defizite aus der Kindheit.
Bei meiner Tochter ist es zum Beispiel so, dass ich das Gefühl habe, dass sie finanziell am meisten von uns bekommen hat (Führerschein, teure Skifahrten mit der Schule, Klamotten, elektronische Geräte usw), sich aber am meisten benachteiligt fühlt. Da frage ich mich manchmal, wieso das so ist, meine 2 Jungs wirken zufriedener und haben nicht so viele materielle Wünsche. Liegt es daran, dass sie das Sandwichkind ist? Schwierig zu beantworten.
Krasses Beispiel. Aber hier finde ich das in der Tat sehr ungerecht. Klar hat jeder gerade was er braucht, aber langfristig gedacht tut sich da eine erhebliche Lücke auf, die vielleicht nicht von der Mutter, aber dean von dir als Hauserbin ausgeglichen werden sollte.
Mir fällt auf, dass es in den Kommentaren bzw. Antworten zu meinem Beispiel viel um den materiellen Wert des Hauses geht. So war das in meiner Familie noch nie, es geht um den emotionalen Wert. Das Haus wird seit vier Generationen immer an die Generation verschenkt, die im Familienhaus die nächste Generation (jetzt die 5.) groß ziehen möchte und vor Ort lebt. Mein Bruder als Onkel freut sich total, dass seine Nichte und sein Neffe im selben Haus groß werden wie er und ich, auf unsere Grundschule gehen werden, mit den Groß- und Ur-Großeltern aufwachsen usw. Wenn es so weit ist, möchte vielleicht einer der beiden die Tradition fortführen oder auch nicht. Falls ja, bekommt er oder sie das Haus geschenkt wie alle vor ihm/ihr auch. Hätten wir in jeder Generation immer die Geschwister ausgezahlt, wäre das Haus längst nicht mehr im Familienbesitz. Denn der vorübergehende Besitzer ist auch immer für die Instandhaltung zuständig und steckt sein Geld rein bis er es weiter gibt. In unserem Fall waren die Sanierungskosten absolut nicht unerheblich. So gesehen verzichtet mein Bruder auf Rechte und auf Pflichten, die ich angenommen habe. Und auch ich werde es nicht verkaufen, sondern so handhaben wie es mein Uropa begonnen und uns mitgegeben hat.
@Anne: Eigentlich eine schöne Tradition, vielleicht sollten wir das auch für unser Haus / unsere Familie einführen.
ja okay, aber trotzdem ist es ja so, dass Du und Dein Partner sehr viel Geld sparen, vergleichen z.B. mit einer Familie, die eine Immobilie abzahlen müssen oder Miete zahlen. Und das mit Deinem Bruder irgendwie auszugleichen wäre schon fair, oder nicht? Auch wenn er im Moment mit dem Auto zufrieden war, ist es eben nicht gesagt, dass er das in 10 oder 20 Jahren auch noch so sieht. Auch seine Lebensumstände können sich ändern, auch bei ihm können Kinder ins Spiel kommen, müssen ja keine leiblichen sein, wer weiß das schon. Dann kann es eben irgendwann doch problematisch werden, auch wenn es jetzt gerade alles super ist.
Eins der schwierigsten Themen in Elternschaft, denkt man auch irgendwie erst mit größeren Kindern drüber nach,dass es tatsächlich nicht immer so gerecht geht wie man dachte. Charaktere und Lebensumstände sind so so so unterschiedlich. Wir unterstützen aber alle gleich intensiv bei ihren Träumen, Hobbies etc. Manchmal vielleicht auch nicht unbedingt materiell . Dieser Gedanke aus dem Artikel hier hilft grade sehr. Denn als Eltern hadert man sehr oft damit, eins der Kinder ungerecht zu behandeln.
Ich bin das Thema total schwierig und meine Meinung hat sich seitdem schon bestimmt 100x geändert. Gegenüber meinem Geschwistern habe ich solche Ungerechtigkeitsgefühle nicht, sie könn nichts dazu, aber Generationsübergreifend ist es bei mir tatsächlich ein Thema.
Vermutlich wird sich meine Meinung dazu die nächsten 20 Jahre auch noch 10x ändern. Jetzt in Kinderalter finde ich schon das wir gerecht sind (handhaben es wie ihr), aber ich glaube spätestens ab 16/17 wenn die Kinder in ihr eigenes Leben starten, wird es dann schon schwieriger. Die Fragen die du aufgeworfen hast (Auto, Depot) sind sehr gute Beispiele, aber geht dann ja auch noch später mit Unterstützung beim Studium, Eigenheim, Enkelbetreuung und so weiter noch viel krasser weiter. Spannendes Thema auf jeden Fall, ich lese gerne mit.
10 Jahre später zur Welt gekommen, meine ich🙈
Gar nicht so leicht zu beantworten. Zu den mehrfach angesprochenen Ausgleichszahlungen fällt mir ein, wie eine Kollegin von mir zu Beginn ihres Studiums den Betrag ausbezahlt bekam, den ihre große Schwester beim (wohl recht langwierigen) Studium verbraucht hatte. Die Eltern hielten das für besonders gerecht. Aber was, wenn die Rahmenbedingungen des Studiums für das jüngere Kind inzwischen völlig andere gewesen wären? Von noch Zuhause wohnen bleiben bis zum bezahlten Studium bei der Bundeswehr, dann wäre dieser Betrag nicht ansatzweise nötig gewesen- auch nicht unbedingt gerecht.
Ich denke, finanzielle Gerechtigkeit lässt sich zwar einfach messen, ist aber wenig bedürfnisorientiert. Zumindest nicht für den Empfänger der Ausgleichszahlung, der diese ausschließlich erhält, weil sein Bruder oder seine Schwester zum Beispiel ein Auto oder ein Klavier geerbt hat.