Ernährungsbildung: Wie wir den Kids einen guten Essens-Kompass mitgeben

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Ihr Lieben, ein gute Ernährungsbildung kommt im vollgepackten Alltag von Familien und vor dem Hintergrund einer riesigen Angebots-Fülle an Fertignahrung oft zu kurz. Julia Eismann möchte das für sich und ihre Kinder so nicht stehen lassen und sieht es als Teil der Care-Arbeit an, Kindern den Spaß an gesunder Ernährung, an Kochen und Backen mit wertvoller Nahrung zu vermitteln. Wie ihr das gelingt:

„Mama, können wir jetzt irgendwo Pause machen, wo wir einen schönen Salat essen können?“ Solche Sätze höre ich unterwegs von meinen Kindern. Auch immer lustig: Wenn wir nach Cash kramen, damit der Jüngste zum Honigautomaten radeln kann. Das ist ein selbstgezimmerter Holzkasten mit einzelnen Fächern, aus denen man sich gegen 7 Euro in Münzen ein Fach öffnen lassen kann, um ein Glas Honig zu entnehmen.

Die Kinder wissen, welches Gemüse wie heißt. Bestellen am Käsestand den Gruyere, nee, bitte bio. Und den alten Parmesan, weil der würziger ist als der junge. Sie kennen sowohl den örtlichen Direktverkaufsstand am Bauernhof als auch den Wochenmarkt und wir lieben alle unsere Gemüsekiste. In der Coronazeit haben wir nicht nur gekocht, sondern auch viel gebacken. In dieser Phase konnten alle Kinder Pfannkuchen durch Hochwerfen wenden – wie Papa Wutz, nur dass es bei uns gutgegangen ist.

Ernährungsbildung: Wir kochen mit den Kindern

Ernährung
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Wir kochen. Also ich koche mit den Kindern. Wir schnippeln, probieren, mögen auch mal was nicht und probieren beim nächsten Mal was anderes. Sie lieben es auch zu backen, Teig zu naschen, anderen ihre selbstgebackenen Plätzchen zu schenken.

Wir haben Snacks dabei. Immer und überall. Geschnippeltes und die Auswahl der neuen Snacks aus der Auswahl der neuen Brands, die Dinge neu und besser machen. Und Butterbrote, ganz klassisch. Hier heißen sie Stullen. Sehr beliebt: Lord Sandwich, benannt nach der Legende, dass der Lord sein Essen zwischen zwei Brotscheiben an den Kartentisch servieren ließ. Hier steht das für „Klappstulle mit Frischkäse und Gurkenscheiben“. Nur dass wir kein weißes Sandwichbrot verwenden, sondern gern was mit Körnern und Vollkornmehl.

Wir nennen das „richtiges Essen“. Wie die Kinder das gelernt haben? Ich habe mir die Zeit genommen und es mit ihnen gemacht. Immer wieder, täglich neu wie ein Uhrwerk, morgens Frühstück, mittags eine warme Mahlzeit, abends meistens Abendbrot oder noch mal was Warmes oder ein schöner Salat. Inzwischen sind die Zeitpläne zerstückelt, dennoch geht es hier nie ohne eine gekochte Mahlzeit am Tag.

Das ist Teil der Care-Arbeit. Es gibt ein Wort dafür: Ernährungsbildung. Viele Menschen haben davon zu wenig. Trifft das auf Bequemlichkeit, landen wir bei zu viel Fast Food und hochverarbeitete Lebensmittel mit den sichtbaren Folgen Übergewicht, Herz-Kreislauf-Themen und dergleichen mehr. Auch im Familienbudget merkt man, ob Ernährung geplant und an Basics orientiert ist oder spontan und auf Tempo ausgerichtet.

Obst, Gemüse, Fleisch oder Alternativen, Süßes und Herzhaftes, alles wird probiert und besprochen. Woher kommt es, was ist notwendig, bis es auf dem Teller landen kann? Und natürlich ist das auch Care-Arbeit. Ernährungsbildung ist das, was in Familien passieren sollte. Oder sagen wir lieber: Was lange in Familien passiert ist und noch keinen neuen Ort hat.

Denn in Familien wird weniger gekocht. Wir beobachten schon in der Generation der heutigen Eltern, dass Kochen und gemeinsam daheim essen nicht mehr Bestandteil des Alltags ist. Kantinen und Business Lunches ersetzen eine mittägliche Mahlzeiten-Zubereitung. Das ist nichts, was man zurückdrehen wird, weil unsere derzeitige Art zu arbeiten das so mitbringt. Das zu ignorieren wäre naiv.

Dennoch bleibt die Frage, wie die Kinder von heute es dann lernen, sich bewusst und gesund zu ernähren? Wie sie verstehen, dass die besten Food-Entscheidungen gar nicht die teuren sind, sondern sehr oft die für die Basics?

Lebensmittel wirklich erleben

Picknick
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Lebensmittel in der Küche zu erleben, dabei zu sein und mitzuwirken, wenn aus ein paar trockenen Linsen ein Eintopf, aus braunen, erdigen Kartoffeln cremiger Kartoffelbrei und je nach Vorliebe aus rohem Fleisch gebratenes Essen mit Röstaromen entsteht, wie aus einem süßen cremigen Teig ein fluffiger Kuchen wird, wie Hefeteig größer wird und dann Schnecken mit Zimtzucker und Frosting entstehen, die man warm und in bester Gesellschaft verspeist – all das lässt ein ganz besonderes Zuhausegefühl entstehen. Und es ist nicht das Gleiche, wenn man die Dinge fertig kauft. Auch nicht, wenn man sie beinahe fertig kauft und im eigenen Gerät auf Temperatur bringt.

Wie alle Care-Arbeit ist auch Ernährungsbildung ein Invest in die Zukunft der Kinder. Wer lernt, wie Lebensmittel „funktionieren“, bekommt die Grundlagen, sich selbst gut zu versorgen. Man lernt Geschmacksrichtungen, Konsistenzen, Zubereitungsarten. Man lernt auch, was in welchen Mengen in einen Speiseplan gehört.

Und man lernt Wertschätzung für die Produkte und natürlich ist es insbesondere im Landleben immer mal möglich, in die Erzeugung hineinzuschauen. Sei es, dass beim Hühnerhof, wo es die Eier gibt, auch Hühnerfutter parat steht, damit die Kinder Kontakt zu den Tieren aufnehmen können oder der Landwirt auch mal fragt, ob man denn mal mit zu den Kühen kommen möchte.

Auch das „Wie isst man das?“ ist kein großer Diskussionspunkt mehr. Tischmanieren und Besteck-Essen werden in die Kita verlagert. Die Mahlzeiten daheim sind klassisch eher keine Besteckmahlzeiten: Frühstück (wo es vor dem vollgestopften Tag schon stattfindet) sowie Abendbrot sind eher kalt und auf die Hand oder zum Beispiel als Müsli mit einem Löffel. Ob es Erzieher:innen auch noch aufzuladen ist, den Umgang mit Besteck überhaupt zu vermitteln? Auch an der Stelle wird Unglaubliches geleistet, wo es möglich ist.

Denn das ist für viele Kinder heute Realität. Wir erleben eine Verlagerung der Mahlzeiten. Kinder essen in Kitas, später in Schulen. Eltern essen ebenfalls auswärts, vielleicht in Kantinen, auf jeden Fall abseits dessen, was die Kinder als Mahlzeitzubereitung wahrnehmen können.

Das werden wir nicht zurückdrehen. Unser Alltag ist voll, laut und wir sind froh, wenn die Kinder vernünftig ernährt sind. Was sie auf die Teller bekommen, ist sicher eher verbesserungsbedürftig als wie sie es tatsächlich essen. Was bleibt: Die Herausforderung, Wissen um gute Ernährung zu vermitteln, ist in diesem System dem Zufall überlassen.

Begeisterung für Kochen und Backen vermitteln

Menschen, die sich selbst begeistern, geben diese Begeisterung weiter. Die Landwirtschaft hat Programme, mit denen für Sichtbarkeit gesorgt wird. Die Menschen, die etwa über Foodthemen bloggen und posten, leisten einen Teil. Und am Ende ist es dann doch Glückssache, wer in der Lage sein wird, aus braunen, erdigen Kartoffeln und rohen Eiern eine Mahlzeit zuzubereiten.

Ich habe keine fertige Antwort darauf. Aber ich glaube, dass es damit anfängt, die Frage überhaupt zu stellen — und miteinander zu reden, wie wir das hinbekommen wollen.

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17 comments

  1. Hallo zusammen,

    normalerweise kommentiere ich online nicht, aber dieser Artikel bewegt mich nun doch dazu.

    Vieles von dem, was hier beschrieben wird, praktiziere ich selbst mit meinen Kindern: Wir bauen Gemüse im eigenen Garten an, machen es haltbar, kaufen im Hofladen und backen unser Brot selbst. Trotzdem bilde ich mir nicht ein, es besser zu machen als andere. Viele Familien können sich diesen Lebensstil aus finanziellen, zeitlichen oder räumlichen Gründen schlicht nicht leisten. Ich bin überzeugt, dass die meisten Eltern ihr Bestes geben. Jeder Mensch hat andere Voraussetzungen und setzt andere Prioritäten. Artikel wie dieser erzeugen jedoch unnötigen Druck und stellen Familien, die es anders handhaben – ob freiwillig oder unfreiwillig –, in ein schlechtes Licht.

    Zudem gehört zur Wahrheit auch: Kinder spielen nicht immer mit. Obwohl ich täglich frisch koche und backe, rühren meine Kinder keinen Salat an, lieben Lieferpizza und essen stur nur eine einzige Sorte Käse. Liebevoll selbst gebackenes Brot wird in der Schule regelmäßig gegen eine Wurstsemmel eingetauscht.

    Die Verfasserin hat also schlichtweg doppeltes Glück: Erstens, dass ihre Lebensumstände diese Art der Ernährung erlauben, und zweitens, dass ihre Kinder dabei so begeistert mitmachen.

    Ich freue mich für die Verfasserin, dass sie dieses Glück hat. Diese Darstellung von einer perfekten Welt jedoch finde ich wenig zielführend, da sie Druck und schlechtes Gewissen erzeugen und meiner Meinung nach für andere Menschen kaum Potenzial bieten ihre eigen (Ess-)Gewohnheiten zu reflektieren und zu ändern.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich hatte den Artikel zur Zerstreuung gelesen , am Vortag war ich nach einem 10 Stunden Arbeitstag noch zu meiner Mutter gefahren die derzeit Pflege braucht. Am Heimweg hat es einfach nur noch für McDonalds gereicht, die Teenager Tochter kam auch spät und hat sich drüber gefreut. Das dann zu lesen und als ersten Kommentar den Tipp zum Thermomix…ich beschreibe lieber nicht was ich mir gedacht habe. Aber dennoch nagt es an einem , so viel Alice Schwarzer kann man gar nicht gelesen haben. Dein Kommentar und viele andere waren daher jetzt eine Wohltat!

    2. Mi: Danke! Sehr gut auf den Punkt gebracht. Meine Kinder schnibbeln auch regelmäßig voller Hingabe Gemüse und helfen beim Kochen und picken sich dann doch nur die Nudeln raus.

  2. Schade, dass ein so tolles und wichtiges Thema sowas von überheblich präsentiert wird. Da fehlen mir sogar weitere Worte…

  3. Das liest sich wie Insta in Schriftform. Freut mich ja, dass hier Kinder Salat einfordern, alle Käsesorten kennen und voll Freude in der Küche mithelfen. Man sollte sich dennoch kein schlechtes Gewissen machen lassen, wenn man gesunde Ernährung etwas weniger flext und trotzdem im eigenen möglichen Rahmen so gut man kann hinkriegt.
    Ist ohnehin ein Bildungs- und Einkommens-Thema, das große Unterstützung durch die Politik benötigt. Honig für 7€ ist leider zB ein Luxusprodukt, das nicht jedem zur Verfügung stehen kann.

    1. Mich würde interessieren, ob die Supermutti einer beruflichen Tätigkeit nachgeht. Wahrscheinlich nicht.
      Das Ganze klingt sehr überheblich.
      Ich koche sehr gern frisch und gesund.
      Aber das ist nicht immer möglich.
      Auch Alleinerziehende können wahrscheinlich nicht wie die Verfasserin ihre Care Arbeit so perfekt ausleben.
      Vielleicht wird hier auch alles als perfekt dargestellt und ist in Wirklichkeit nicht so. Man darf nicht alles glauben.

  4. Liebe Julia,
    toll, dass ihr das als Familie so gestaltet und einen für euch praktizierbaren Weg gefunden habt. Ihr habt für euch ein Modell gefunden, mit dem ihr glücklich seid.
    Vielleicht liest du dir deinen Artikel noch einmal mit den Augen einer Familie durch, die nicht im Hofladen kaufen kann, die auf auf zwei Einkommen angewiesen ist. Bei denen ein Elternteil im Schichtdienst und eines in starren 9 to 5 Bedingungen arbeitet. Mit den Augen einer migrantischen Familie, die um ihren Platz in unserer Gesellschaft kämpft. Ganz vielleicht spürst du dann die Überheblichkeit, das Abwertende.
    Und wenn du mich fragen würdest, unsere Gesellschaft krank wahrscheinlich an anderen Dingen als das nicht alle einen Kartoffelbrei mit erdigen Kartoffeln herstellen können.
    Ich mache sicherlich vieles anders als du, ich kann dich aber gelten lassen. Ihr macht das toll und alle anderen, die sich Mühe geben, auch. Ob mit Pizza oder selbstgemachten Nudeln.
    Lasst uns nett zueinander sein!
    Liebe Grüße
    Jo-Jo

  5. Es ist gut, wenn unterschiedliche Kinder Begeisterung für unterschiedliche Themen entwickeln. (Von allein oder durch Weitergabe.)
    Gesellschaftlich sind viele wichtig und für niemand alle zu erreichen.

  6. Puh, man kann das Thema Essen auch wirklich zur Religion machen. Als Nächstes kommt dann die Beschwerde über mental Load….

    Also wir haben nicht täglich miteinander geschnippelt, nicht die Herkunft der einzelnen Lebensmittel besprochen und kaufen auch nicht im Hofladen ein.

    Trotzdem essen beide Kinder gesund und verstehen, was ausgewogene Ernährung ist. Dazu gehört bei uns auch mal Pommes im Freibad.

    Vorleben und gut ist.

  7. … trifft das auf Bequemlichkeit, landen wir bei zu viel Fast Food…“ da habe ich wegen Überheblichkeit aufgehört zu lesen. Schade. Sonst interessantes Thema.

    1. @Ina: auch, wenn im Ursprungsartikel viel Wahres drinsteht, hätte schon eine Inhaltsstoffwarnung dazugehört: „kann Spuren von Überheblichkeit enthalten….“ :😂

  8. Für uns war der Thermomix für das Kochen mit Kindern eine wirkliche Verbesserung und Erleichterung: die Zutaten in den Rezepten sind alle Basics und werden frisch verarbeitet, die Rezepte sind super vielfältig, so dass wir automatisch immer was Neues probieren und selbst Kleinkinder ab 2 Jahren können mitmachen und auf den Knopf drücken, Sachen in den Topf werfen etc. Seit wir den Thermomix haben, backen wir auch viel mehr (Brötchen, Kuchen, Muffins, Stockbrot, etc.) Außerdem gelingt einfach alles, was bei uns sonst auch nicht unbedingt der Fall war. Ich bin auch nach 2,5 Jahren total begeistert und kann das Familien mit Kindern echt nur empfehlen.

    1. Hallo,

      mir kam gelinde gesagt in den Kopf, „was sollen Eltern denn jetzt schon wieder alles leisten“. Dabei machen wir all das was im Artikel stand beinahe auch. Nur nicht immer ohne Ausnahme. Nicht weil es zum Erziehungsauftrag dazu gehört, sondern weil mir nachhaltiges Essen dazu gehört und wir versuchen die Kinder in allem was uns wichtig ist, auch fit zu machen. So gut es eben geht! Mit Alltagsstress und Appetit auf Süßkram zwischendurch. Aber bitte nicht noch ein künstliches Mantra mit erhobenen Zeigefinger.

      1. This! Ich koche zum Beispiel überhaupt nicht gern, kann daher auch nicht überzeugend Spaß daran vermitteln. Für mich ist die Nahrungszubereitung ein notwendiges Übel, um leckeres Essen zu bekommen.

        Mir geht dieser Zeigefinger mit „nur begeisterte Hobbyköche, die ihren Kindern zeigen, wie toll es ist, stundenlang irgendwas zu schnippeln um dann von Fettspritzern verbrannt zu werden und im heißen Dampf zu stehen bis das Kartoffelpüree mit Röstzwiebeln fertig ist sind gute Eltern“ extrem auf die Nerven.

        Bei uns gibt es gutes, frisches Essen- selbst gekocht, bestellt, aufgewärmt, je nachdem, wie meine Toleranz für Küchenarbeit an dem Tag ist. Mini hat sich im Gegensatz zu seiner Mama dennoch zu einem Menschen entwickelt, der lieber ein Stück Tête de Moine isst als einen Keks (bei Schokolade sind wir beide hemmungslos). Scheint wohl doch auch viel eine Typfrage zu sein.

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