Ihr Lieben, diese Geschichte ist lang und hart, aber sie ist wichtig. Weil sie zeigt, wie schnell Jugendliche durch Drogen abrutschen können, wie Drogen sich auf die psychische Gesundheit auswirken können und wie schwer es für die Angehörigen ist, das alles auszuhalten und das Kind nicht aufzugeben. Agnes hat 10 Jahre lang um ihre Tochter gekämpft, hat dadurch selbst psychische Probleme bekommen. Zum Glück geht es Agnes Tochter heute wieder gut, doch die Zeit hat bei allen Spuren hinterlassen…
Liebe Agnes, Deine Tochter hat lange Cannabis konsumiert. In welchem Alter hat sie damit angefangen und wie/über wen ist sie an die Drogen gekommen?
Meine Tochter hat mit 14 Jahren (9.Klasse) angefangen, gelegentlich Cannabis zu konsumieren. Sie war das erste Mal verliebt, ihr Freund kiffte auch. Die Drogen bekam sie über Klassenkameraden, Freunde und vom Dealer des Gymnasiums. Sie hat meist in der Freundesgruppe konsumiert.
Wann habt ihr Eltern das erste Mal mitbekommen, dass sie kifft?
Wahrscheinlich so etwa ein halbes Jahr, nachdem sie begonnen hatte. Ich muss dazu sagen, dass ich wirklich bis dahin gar keine Ahnung von Drogen hatte. Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen und hatte als Jugendliche gar keine Berührungspunkte mit Drogen.
Mir fiel aber eben irgendwann auf, dass meine Tochter ständig müde war, Süßigkeiten in sich hineinstopfte und öfter krank war. Ich begann, mir Sorgen zu machen. Eines Tages bekamen wir die Nachricht, dass sie unentschuldigt in der Schule gefehlt hatte, zu Hause war sie aber auch nicht gewesen. Alle Anrufe und Nachrichten auf ihrem Handy blieben unbeantwortet und sie kam erst um 20 Uhr nach Hause.
Auf unsere Fragen, wo sie gewesen sei und was sie gemacht hatte, reagierte sie völlig teilnahmslos. Da wurde mir zum ersten Mal klar, dass da Drogen im Spiel sein müssen.
Wie viel hat deine Tochter konsumiert und welche Auswirkungen hatte das auf ihr Verhalten?
Am Anfang konsumierte sie nur gelegentlich mit Freunden und versprach uns, dass sie das einfach nur mal ausprobieren wollte. Wir konnten sie nicht zu Hause einsperren, weil wir beide berufstätig sind und wir wollten sie ja auch nicht einsperren oder den Kontakt mit Freunden untersagen. Wir haben also sehr an ihre Vernunft appelliert und ihr erklärt, wie gefährlich das Zeug ist.
Ein paar Monate später merkte ich aber, dass sie auch harte Drogen ausprobiert, weil sie von einer Schulparty völlig überdreht nach Hause kam. Ich hatte mich zwischenzeitlich sehr gut über alles informiert und hatte einen viel sensibleren Blick auf alles. Ich war also alarmiert und ab diesem Zeitpunkt haben wir in regelmäßigen Abständen Drogentests zu Hause gemacht.
Immer und immer wieder haben wir sie über die physischen und psychischen Risiken unterhalten und sie erklärte immer unter Tränen, dass sie das alles nicht will und die Finger von den Drogen lassen würde.
Wie hat der Konsum euer Familienleben verändert?
Wir haben sie dann viel stärker ins Familienleben eingebunden, weil wir hofften, das würde ihr Wurzeln geben. Gleichzeitig konnten wir ihr das Teenager Leben aber auch nicht völlig verbieten, weil das zum Erwachsenwerden dazu gehört, auch um eine eigene Resilienz zu entwickeln. Und auch, weil wir hofften, dass sie die Drogen von selbst aufgeben würde.
Aber diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt…
Nein, leider nicht. In der zehnten Klasse wollte sie dann vom Gymnasium runter, weil ihre Noten nicht mehr so gut waren und wollte eine Lehre in der Gastronomie beginnen. Die Ausbildung war nur in einer Großstadt möglich, in der ihr älterer Bruder bereits mit einem Studium Fuß gefasst hatte. Wir stimmten einem Umzug in diese Stadt zu, aber unter der Bedingung in eine WG, dass sie mit ihrem Bruder in eine WG zieht. Wir dachten, dass es vielleicht auch ein guter Schritt sei, sie aus ihrem bisherigen Umfeld herauszuholen und dass dieser Neubeginn ihr eine neue positive Motivation für ihr Leben geben würde.
Aber weit gefehlt, wie sich später raus stellte. Wir waren plötzlich viel weniger mit ihr im Kontakt. Sie sagte, sie habe viel zu tun mit dem Ankommen und Einleben in der Großstadt und und der Ausbildung zu tun und ihr Bruder sei ja schließlich da. Wir wollten nicht ständig die kontrollierenden Eltern sein und haben für uns festgelegt, dass wir nach einigen Wochen des Loslassen wieder enger an sie anknüpfen wollten.
Nach fünf Monaten in der Großstadt wurde sie in einer Freitag Nacht mit einer Überdosis Ketamin ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnosen: Drogen- und Alkoholmissbrauch, psychische Verhaltensstörungen und schädlicher Gebrauch durch Cannabinoide, Halluzinogene und durch andere Stimulanzien Anpassungsstörungen.
Puh, das war sicher ein Schock.
Es wurde uns vor allem endgültig klar, dass wir als Familie mit dieser Sache nicht mehr klar kommen und wir unbedingt Hilfe von außen benötigten. Das Krankenhaus hat uns dann eine kinderpsychiatrische Institutsambulanz und eine ambulante psychotherapeutische Behandlung für unsere Tochter in der Großstadt vorgeschlagen, was wir dankbar angenommen haben. Von diesem Zeitpunkt (da war sie 16 Jahre alt) ging unsere Tochter wöchentlich zur Psychotherapie und zum Drogentest, es gab gemeinsame Elterngespräche in der Institutsambulanz und später ging sie dann auch noch zur Suchtberatung.
Mit Beginn des zweiten Ausbildungs-Halbjahres sagte unsere Tochter uns dann, dass ihr die Ausbildung in der Gastronomie nicht mehr zusagte. Sie wollte lieber einen Abschluss auf einem beruflichen Gymnasium in der Großstadt machen (an unseren Heimatort war das nicht möglich), um später ein Studium in der Lebensmittelbrache machen zu können. Wir stimmten zu, weil wir wussten, dass sie weiterhin von der Institutsambulanz und der Psychotherapie begleitet wurde.
Wie ging es dann weiter?
Am Anfang sah es so aus, als würde sie es packen, doch dann ging es wieder bergab: Schwarzfahren im öffentlichen Nahverkehr, gefälschte Urintests und zunehmende Fehl-und Krankheitszeiten im Gymnasium und schließlich der Verweis vom Gymnasium wegen Drogenbesitzes während der Studienfahrt. Anfang 2016, unsere Tochter war 17, stellten wir sie in Abstimmung mit der Institutsambulanz vor die Wahl: Entweder sie kann weiterhin auf ein Gymnasium, aber nur, wenn sie wieder zu Hause lebt und zuvor vier Wochen in einer Suchtklinik bleibt oder sie beginnt eine Ausbildung bei uns im Ort.
Wir ermutigten sie, dass sie nun beweisen könnte, dass sie nicht abhängig sei und ihr Leben in die Hand nehmen wolle. Unsere Tochter kam also zunächst in eine geschlossene stationäre Einrichtung, die einem Gefängnis anmutete und uns alle ziemlich schockierte (und hofften gleichzeitig, es könnte eine gute abschreckende Wirkung auf unsere Tochter haben). Wir besuchten sie zweimal wöchentlich und telefonierten mindestens jeden zweiten Tag, um sie zu unterstützen.
Sie hatte in dieser Zeit keinerlei Entzugserscheinungen, nur eine Diagnose über den schädlichen Gebrauch multipler Substanzen, mäßige soziale Beeinträchtigung und wiederkehrende depressive Störungen als leichte Episode. Nach der Entlassung kam unsere Tochter wieder nach Hause und machte einen mehrwöchigen Ferienjob an unserem Wohnort, das schien ihr gut zu tun und unser Familienleben verbesserte sich merklich.
So fuhr sie dann mit Beginn des 2. Gymnasium-Halbjahres täglich zu ihrem Gymnasium in die Großstadt und hatte den Anschluss ans Gymnasium, trotz der zweimonatigen Fehlzeit, überraschender Weise sehr gut wieder gefunden. Die regelmäßigen wöchentlichen Besuche bei der Institutsambulanz und der Psychotherapie gingen ebenso weiter, bis unsere Tochter in dem selben Jahr 18 wurde. Ab dann nahm sie nur noch die Termine der Psychotherapie und bei der Suchtberatung wahr und ich mir behielt mir vor, weiterhin Stichprobenkontrollen von Drogentests durchzuführen.
Doch mit der Volljährigkeit veränderte sich wieder etwas, richtig?
Ja, mit dieser „neugewonnenen Freiheit“ der Volljährigkeit zog es unsere Tochter wieder zunehmend übers Wochenende zur Drogenszene auf Partys und ins Nachtleben diverser Großstädte und schaffte es teilweise nicht, allein wieder zurück zu kommen. Und da wir sie nicht mehr von der Polizei abholen lassen konnten, fuhren wir oft selber, um sie abzuholen.
Wir hatten sehr sehr große Angst und Sorgen, dass wir sie nun gänzlich an die Drogen verlieren würden. Aber wir blieben trotz allem immer im Gespräch mit ihr und wussten meistens, wo sie war, hatten eine Telefon-Nr. für den Ernstfall und wiesen sie darauf hin, dass wir mit ihrem Lebenswandel überhaupt nicht einverstanden sind . Sie hatte auch wieder vor, in eigener Regie in die Großstadt zu ziehen und die Miete und ihre Lebenshaltungskosten aus einem Minijob neben dem Gymnasium zu finanzieren und unternahm bereits konkrete Schritte, was uns sehr aussichtslos erschien…
Leider hatte der Drogenkonsum dann echt heftige Auswirkungen.
Ja, an einem Wochenende im März 2017 bekam sie erstmalig eine Psychose und wir wussten überhaupt nicht, wie uns geschah, da wir bisher von so was überhaupt keine Ahnung hatten und es am Anfang auch falsch einschätzten.
Unseren Rat, einen Psychiater aufzusuchen, schlug sie in den Wind. In meiner Hilflosigkeit wandte ich mich an die Psychotherapeutin unserer Tochter, die mich dann etwas aufklärte und ich bat sie in ihren Sitzungen auf eventuelle Auffälligkeiten zu achten. Zwei Monate später erhielt ich dann den Anruf der Therapeutin über eine drogeninduzierte Psychose während ihrer Sitzung. Sie sagte, sie würde notfallmäßig unsere Tochter, aber nur unter meiner Begleitung, in ein entsprechendes Fachkrankenhaus einweisen.
Es war ein fürchterliches Drama, eine psychotische Person ins Fachkrankenhaus zu begleiten. Einerseits war ich sehr glücklich, meine Tochter in sicherem Gewahrsam zu wissen, aber andererseits kam neben den Drogen nun noch eine psychische Erkrankung hinzu, die ihre gesamte Zukunft in Frage stellte. Ich wusste mir erstmal neues Wissen und Infos aneignen und auch mit meiner Tochter über die neue Krankheitssituation sprechen.
Konnte man deiner Tochter in der Klink helfen?
Bereits nach einem 10tägigen Aufenthalt wollte meine Tochter sich selbst entlassen und sagte, wenn wir sie nicht abholen, würde sie sie jemanden anders finden, der sie abholt. Ihr ging es in diesem Fachkrankenhaus echt dreckig und das Medikament Olanzapin schlug auch nicht an wie gewünscht. Das Personal schien zudem eigenartig gleichgültig/verachtend und überlastet zu sein. Wahrscheinlich hätte ich mich an der Stelle meiner Tochter auch selbst entlassen wollen.
Unter der Bedingung, dass sie sich an unserem Wohnort einen Psychiater sucht und den Wohnortwechsel in die Großstadt aufgibt, holten wir sie schließlich ab. Zu Hause fiel sie nach der psychotischen Phase in eine tiefe Depression und auch die neuen Psychopharmaka mussten erst mal in der richtigen Dosis eingestellt werden. Es war ein Herantasten an eine völlig neue Situation, die wir alle, unsere Tochter eingeschlossen, erst mal begreifen lernen mussten.
Im Juni begaben wir uns dann auf die Suche nach einer geeigneten Klinik und fanden zum Glück nach vier Besichtigungen eine Klinik, die unser aller Vorstellungen sehr entgegen kam. Ende Juli wurde sie für zwei Monate stationär aufgenommen, auch mit dem Ziel der Belastungssteigerung zur Vorbereitung auf das Gymnasium. Sie bekam andere Psychopharmaka und wir besuchten sie wöchentlich. Die letzten 2 Wochen fuhr sie jeden Tag von zu Hause aus in die Tagesklinik der Einrichtung und wir waren alle sehr glücklich darüber, dass sich ihre Situation schrittweise verbesserte und sie sogar ihre Schulfähigkeit wieder erlangte.
Es sah also so aus, als wären die ganz schweren Zeiten vorbei.
Unsere Tochter ging nach tatsächlich anschließend wieder aufs Gymnasium, machte regelmäßig Sport und machte ein Abi mit Notenschnitt 1,5. Sie bekam auch eine Ausbildung als pharmazeutische Assistentin – ja, im Nachhinein kann ich sagen, dass es dann bis Juli 2019 relativ ruhig lief.
Allerdings wussten wir nicht, dass sie zwischenzeitlich wieder mit kiffen angefangen hatte. Sie setzte dann schrittweise ihre Medikamente ab und ihre Persönlichkeit veränderte sich wieder Richtung Psychose. Unsere Tochter sagte auch den Ausbildungsplatz ab, wollte lieber Geld verdienen, um nicht mehr abhängig von uns zu sein. Sie zog in eine WG in unserem Ort und wollte gar keine Psychopharmaka mehr nehmen.
Seid ihr Eltern dann überhaupt noch an sie rangekommen?
Sie wollte nur noch sporadisch zu uns Kontakt, aber die psychotischen Phasen wechselten sich immer mit kurzen Zeiträumen von Klarheit ab und so konnte ich sie dazu bewegen, mit mir zum Arbeitsamt zu gehen, damit sie wenigsten Sozialhilfe und Mietzahlungen erhielt.
Die psychotischen Phasen wirkten sich natürlich auch auf ihre Arbeit negativ aus, so dass sie im März 2020 gekündigt wurde. In dieser Zeit beging sie auch etliche Straftaten (Drogenbesitz, Handel von Drogen, Diebstähle in Drogerien). Ich versuchte immer wieder in klaren Momenten mit ihr über ihre Situation zu sprechen und ihr auch klar zu machen, wie sie sich während der Pandemie verhalten sollte.
Aber alles half nichts und wir waren so sehr verzweifelt, hilflos und zermürbt nach 7 oder 8 Jahren mit diesem unendlichen toxischen Trauma. Ich war überall – bei der ehemaligen Suchtberatung der Großstadt, bei der Suchtberatung an unserem Wohnort, beim Psychiater, bei ihrem Hausarzt, bei der Sozialbetreuung am Wohnort, aber überall sagte man uns, sie müsse selbst auch wollen, sonst mache es keinen Sinn und unsere Anstrengungen seien nutzlos.
Immer, wenn ich junge Leute im Alter meiner Tochter sah, kamen mir die Tränen. Ich hätte alles dafür gegeben, dass es ihr auch einfach gut gehen könnte. In die Großstadt, in der ja unser Sohn wohnte, konnte ich nicht mehr fahren. Zu viele Orte mit zu schlimmen Erinnerungen.
Ich versuchte so gut es möglich war, mit unserer Tochter Verbindung zu halten und nahm ihren psychotischen Lebensweg mit tiefer Traurigkeit an, aber den Drogenkonsum verabscheute ich zutiefst. Innerlich hatte ich eigentlich aufgegeben, aber ich nahm einen letzten Anlauf, in dem ich einen Antrag auf Betreuung stellte. Das fiel mir sehr, sehr schwer und vorerst konnte ich ihn auch noch nicht absenden. Aber als unsere Tochter im Sommer 2020 ins Ausland gehen wollte – zuerst in die Schweiz dann nach Südfrankreich und dann außerhalb Europas – da nahm ich meine ganze Kraft zusammen, sendete den Betreuungsantrag ab und gab eine polizeiliche Suchmeldung für unsere psychisch kranke Tochter auf.
Ich wollte so verhindern, das sie ins außereuropäische Ausland kommt, denn dann hätten wir und die Polizei ihr nicht mehr helfen können. Nach dreitägigem Aufenthalt in der Schweiz wurde unsere Tochter von der Polizei aufgegriffen worden, wir sollten sie von da abholen. Da ich allerdings wusste, wie schwierig es ist, mit psychotischen Menschen umzugehen und ich mir die Abholung nicht allein zutraute, sagte ich zur Polizei, sie sollten sie erst mal in eine psychiatrische Notfallaufnahme bringen, um ihren Zustand abzuklären. Nach einigem Hin und Her kam unsere Tochter dann irgendwann bei uns zu Hause an.
Dir selbst ging es mittlerweile ebenfalls richtig schlecht….
Anfang 2021 ging bei mir gar nichts mehr, ich hatte null Energie mehr und bekam Angst-und Panikattacken. Ich konnte überhaupt nichts mehr machen, weder Auto fahren, noch schlafen, noch fernsehen, noch telefonieren. Es war auch nicht mehr möglich, dass unsere Tochter uns besuchte, wenn ich alleine zu Hause war, weil ich sofort eine Panikattacke bekam. Ein Psychiater stellte dann die Diagnose :posttraumatische Belastungsstörung, Depression und Angst-und Panikattacken – alles wohl kein Wunder nach neun Jahren psychischer Dauerbelastung.
Wie ging es dann mit deiner Tochter weiter?
Wir hatten noch einige Tiefen, immer wieder Gespräche. Eines Tages war sie komplett orientierungslos und mein Mann brachte sie in ein psychiatrisches Fachkrankenhaus. Dort blieb sie zwei Monate, um ihre Psychose behandeln zu lassen, wir organisierten ihr noch eine nachhaltige, stationäre Sucht-Rehabilitation in einem Klinikum für weitere 6 Monate, aus der sie bereits nach 3 Monaten vorzeitig entlassen. Wieder zu Hause ging sie jede Woche zur Suchberatung und wurde durch das Psychiatrische Medizinische Versorgungszentrum weiterversorgt.
Im Jahr 2022 sagten wir ihr, dass wir sie ein letztes Mal beim Studium unterstützen würden, weil sie jetzt bereits 24 Jahre alt war und wir einfach am Ende unserer Kräfte angelangt waren. Sie wohnte während des Bachelor Studiums bei uns und ist bis heute in psychiatrischer Behandlung und nimmt weiterhin Psychopharmaka. Auch ich bin immer noch in Behandlung, weil die ganzen Jahre Spuren hinterlassen haben.
Wie geht es heute deiner Tochter?
Heute mit 27 Jahren studiert meine Tochter im letzten Jahr ihres Bachelors, arbeitet nebenbei und in ihrem Bachelorpraktikum an unserem gemeinsamen Wohnort, hat einen Freund, eine gute Beziehung zu ihrem Bruder und zu uns, macht regelmäßig Sport. Es könnte gerade kaum besser laufen, was uns unfassbar glücklich macht.
Im Rückblick auf diese toxischen Jahre schämt sich unsere Tochter sehr für diese verschwendete Zeit und hat sich sehr oft dafür entschuldigt und wird immer sehr traurig , wenn die Sprache darauf kommt. Und ich sage ihr immer, dass es wichtig ist, jetzt nach vorn zu schauen, weil sie ihre Ziele noch erreichen kann und und wir sehr stolz auf sie sind.
Was kannst du anderen Eltern in ähnlichen Situationen raten?
Das ist schwer zu sagen, weil alle Fälle unterschiedlich sind. Ich würde vielleicht dazu raten, immer im Kontakt zu bleiben oder den Kontakt wieder aufzunehmen. Wir hatten zwar niemals Verständnis für den Drogenkonsum unserer Tochter, aber wir haben nie aufgehört sie zu lieben, auch wenn es uns oft sehr schwer gefallen ist. Wir hätten sie niemals aufgegeben.
Was hälst du – mit deinen Erfahrungen – von der Legalisierung von Cannabis?
Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, weil ich denke, das Cannabis für vulnerable, junge Menschen nach wie vor eine Einstiegsdroge ist. Je jünger sie konsumieren, desto gefährlicher ist es, insbesondere für ihre psychische Entwicklung in der Pubertät.



3 comments
Löwenmama! Ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute und vorallem das eure psyche stabil bleibt/wieder besser wird. Wie kann man sich eine psychose vorstellen? Was war da los in diesem Zustand?
Danke für das Teilen Eures Weges, alles Gute Euch weiterhin.
Liebe Agnes, was für eine Odyssee, die mich sehr berührt hat. Ich habe sehr mitgefühlt bei den Schilderungen und kann mir deine Gefühle in etwa vorstellen. Auch die psychischen Folgen die du bei dir selbst beschreibst, kann ich gut nachvollziehen. Wie schön, dass es irgendwann noch klick gemacht hat und sie wieder da rauskam! Besser 10 „verlorene“ Jahre als 20, 30, 40… Alles Gute für euch weiterhin und dass sich auch dein Nervensystem immer weiter wieder beruhigen kann