German Doctors: Maja ist Mama und war als Ärztin im Ausland

German Doctors

Ihr Lieben, wenn ich höre, was Menschen wie die Einsatzärztin Maja Blessing von den German Doctors in ihren Einsätzen so leisten, werde ich immer ganz demütig. Die Hilfe, die den Menschen dadurch zuteil wird, rettet wirklich Leben. Wir haben Maja, die mittlerweile selbst eine Familie gegründet hat, zu ihrem Einsatz auf den Philippinen befragen dürfen. Wenn ihr spenden mögt, könnt ihr das gern hier tun. DANKE!

Liebe Maja, du bist mittlerweile selbst Mama und warst vorher als Ärztin im Ausland im Einsatz. Wann war das, wo warst du und wie lang?

Ich war 2022 sechs Wochen lang auf den Philippinen. Wir sind mit einer „Rolling Clinic“ in die abgelegenen Dörfer, die zu den ärmsten des Landes zählen, gefahren, um dort die Bevölkerung medizinisch zu versorgen. Die Dorfbewohner*innen sind oft infrastrukturell isoliert und der Weg zum nächsten Krankenhaus oft weit und beschwerlich, sodass die meisten in ihrem Leben noch nie eine*n Ärzt*in gesehen haben. Die Folgen sind gravierend.

Hinzu kommt, dass die Philippinen immer wieder durch klimabedingte Katastrophen herausgefordert werden, wie auch zuletzt im November. Gerade deshalb leisten die German Doctors dort regelmäßig Nothilfe, um die Bevölkerung in den schwierigsten Phasen zu unterstützen. Die Erfahrungen dort haben in mir den Wunsch verstärkt, noch einmal in den Einsatz zu gehen, sobald es familiär und beruflich gut möglich ist.

Um welche Erkrankungen hast du dich vor Ort vor allem gekümmert?

German Doctors

Ich habe vor allem Infektionskrankheiten, Atemwegs- und Durchfallerkrankungen, Unterernährung, Wunden und Verletzungen sowie Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen behandelt. Aber auch chronische nicht therapierte Erkrankungen, wie Bluthochdruck und Diabetes und deren schwerwiegenden Folgen oder fortgeschrittene Tumorerkrankungen sind dort die Realität vieler.

Nach den immer wiederkehrenden Taifunen und Überschwemmungen sehen wir auch zunehmend klimabedingte Gesundheitsprobleme, etwa traumatische Verletzungen und Hautinfektionen. Viele dieser Erkrankungen sind heilbar, die Menschen vor Ort können aber die notwendigen Medikamente nicht bezahlen.

Welche berührende Situation aus deinem Einsatz ist dir noch heute im Gedächtnis?

Besonders bewegt mich die Erinnerung an eine Frau, die die problematische Lage vor Ort widerspiegelt. Die Frau war die letzte Person, die sich an dem Tag bei uns vorstellte. Sie war schwanger und hatte einen sehr hohen Blutdruck. Schnell war klar, dass sie eine akute Schwangerschaftsvergiftung hatte. Vor Ort konnte ich noch die Herztöne des Kindes hören. Wir haben sie dann gemeinsam mit den Dorfbewohner*innen zwei Stunden durch den Dschungel auf einer Trage zu unserem Auto getragen und sind vier Stunden ins nächste Krankenhaus gefahren.

Vor Ort konnte leider nur der Tod des ungeborenen Kindes festgestellt werden. Die Frau erhielt einen Kaiserschnitt und überlebte. Leider musste sie die Operation und die Medikamente selbst zahlen. Das heißt, die Familie musste die Kokosnussplantage verkaufen, was den finanziellen Ruin bedeutete. Bei meiner Ankunft wurde ich von einer lokalen Kollegin mit den Worten begrüßt: „Wenn du auf den Philippinen arm bist, stirbst du“. An dem Beispiel der Frau hat man gesehen, dass Gesundheit leider kein Recht, sondern ein Privileg ist.

Wie war das für dein Umfeld, als du in die Welt losgezogen bist, um zu helfen?

German Doctors

Ich habe viel Rückhalt und Unterstützung erfahren. Vielen in meinem Umfeld haben meine Erfahrungen und Erzählungen geholfen die Realität der lokalen Bevölkerung besser zu verstehen und bei vielen ist der Wunsch ebenfalls zu helfen, gewachsen.

Wie war das für dich? Der Abschied, das Wegsein, das Wiederkommen?

Der Abschied war eine Mischung aus Aufregung und Respekt vor dem Einsatz. Vor Ort waren wir jeden Tag unterwegs, teilweise ohne Möglichkeit der Kontaktaufnahme, was es manchmal schwer gemacht hat. Die lokalen Kolleg*innen waren aber herzlich und liebevoll. Wir haben in den sechs Wochen wie eine Familie zusammengelebt.

Die Wiederkehr war für mich der schwerste Prozess. Es kam eine Phase der Reflexion über die Dankbarkeit für die Stabilität in Deutschland, Wut über die globale Ungerechtigkeit, aber auch das Gefühl, dass die Arbeit dort nicht abgeschlossen ist. Daher begleitet mich bis heute der Wunsch, wieder in den Einsatz zu gehen, um langfristig etwas zur gesundheitlichen Versorgung beizutragen. Das bedarf natürlich jetzt mit einer Familie und Kind etwas mehr Planung, Unterstützung und Bewusstsein.

Wie kamst du zu den German Doctors?

German Doctors

Ich wurde durch eine Freundin, die ebenfalls als Einsatzärztin gearbeitet hat, auf die German Doctors aufmerksam. Besonders gefallen hat mir die konsequente Ausrichtung auf nachhaltige Gesundheitsversorgung vor Ort, gepaart mit schneller Nothilfe in Krisensituationen, besonders angesichts der klimatischen Herausforderungen auf den Philippinen.

Was macht die Organisation für dich aus?

Die German Doctors stehen für Menschlichkeit, Chancengleichheit und Nachhaltigkeit. Die Arbeit erfolgt immer mit den lokalen Teams, nicht an ihnen vorbei. Und zugleich ist die Organisation flexibel und entschlossen genug, bei klimabedingten Katastrophen regelmäßig Nothilfe zu leisten. Diese Mischung aus Nachhaltigkeit und Reaktionsfähigkeit macht sie für mich besonders.

Wie reagiert dein Umfeld darauf, dass du dich auch über den Tellerrand hinaus für Menschen und Gesundheit einsetzt?

Die meisten reagieren mit Interesse und sind inspiriert. Sie interessieren sich für die lokalen Hintergründe, gerade weil die Klimakrise medizinische Hilfe noch dringlicher macht. Viele sind inspiriert, selbst Hilfe zu leisten, sei es durch Spenden oder vor Ort.

Ihr arbeitet dort im Ehrenamt, was treibt dich an?

German Doctors

Mich treibt die Überzeugung an, dass Gesundheit ein universelles Menschenrecht ist und wir eine globale Verantwortung tragen, dass dies auch jedem Menschen zuteilwird, vor allem in Regionen, die durch Armut und Klimawandel besonders verletzlich sind. Der Gedanke, mit meiner medizinischen Erfahrung ganz konkret helfen zu können, motiviert mich weiterhin.

Wenn du eins gelernt hast durch dein Engagement, was ist es?

Dass Würde und Hoffnung universell sind, wir in einer globalisierten Welt Verantwortung füreinander tragen und dass auch inmitten großer Not, Menschen beeindruckende Lebensfreude bewahren können. Vor allem habe ich gelernt, wie viel wir durch gemeinsames Handeln erreichen können. Durch meinen Einsatz hat sich mein Wertesystem verändert und ich freue mich diesen Blick auf die Welt mit meinem Sohn teilen zu können.

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1 comment

  1. Das berührt einen doch sehr 🥲. Wie toll, dass es Menschen gibt, die den Mut und die Kraft haben bei so beeindruckenden Einsätzen dabei zu sein. Ich wünschte man könnte auch, wenn man wenig Geld hat, solchen Familien wie beschrieben helfen.

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