Teen Time zum Thema Schönheitsideale: Welches Vorbild wollen wir sein?

Schönheitsideale

Ihr Lieben, ich werde dieses Jahr 45 Jahre alt und tatsächlich merke ich die Zeichen der Zeit grad doch recht deutlich. Mehr graue Haare, mehr Falten, mein Körper und meine Haut verändern sich. Nächte mit wenig Schlaf (ja, der Dreijährige ist einfach ein schlechter Schläfer und das macht mich irre) stecke ich nicht mehr so gut weg wie noch vor zehn Jahren.

Wenn ich Instagram öffne, hagelt es Selbstoptimimierungs-Content und Ideen, wie man Schönheitsidealen entsprechen kann. 10.000 Schritte und porteinreiche Ernährung sind da noch harmlos. Gefühlt jeder in meiner Timeline steckt ein Vermögen in CO2 Laser, Hydrofacials, Botox, Vibrationsplatten und Microneedeling. „Jeden Tag 1 Prozent besser werden“, heißt es da, es gibt tausend Longevity– Routinen…

Neulich jammerte ich Lisa am Telefon voll, wie schlecht ich aussehe, dass ich blass und fahl bin, faltig und ich mir grad gar nicht gefalle. „Vielleicht brauch ich doch auch CO2 Laser und Co.“, beendete ich meine Mecker-Arie. Worauf Lisa nur sagte: „So ein Blödsinn! Du brauchst mal wieder Sonne im Gesicht, ne durchgeschlafene Nacht und weniger Stress.“

Wenn ich zum Beispiel an meine Oma denke, dann weiß ich ganz bestimmt, dass sie nie beim Microneedeling war. Sie war regelmäßig beim Friseur (wichtig!), vielleicht alle halbe Jahre mal bei der Kosmetikerin. Sie hat gesund gegessen und war jeden Tag draußen laufen. Außerdem hat sie bis ins hohe Alter Gymnastik gemacht und ich fand, sie ist wunderschön gealtert.

Die Schönheitsideale von heute…

Heute fehlen mir oft diese Vorbilder. 50-Jährige, die wie 30-Jährige aussehen, kaum mehr Falten, keine Poren, kein Altern mehr. Und ich gebe offen zu: Mich beschäftigt das und ich bin auch nicht immun dagegen.

Nun habe ich aber eine 15-jährige Tochter und wie wir alle wissen ist in diesem Alter die Optik wirklich sehr wichtig. Und ich frage mich schon immer wieder: Welches Vorbild möchte ich meiner Tochter sein und eigentlich allen meinen Kindern?

Meine Oma und meine Mutter waren und sind zwei sehr schöne Frauen, die immer gut für sich gesorgt haben. Sie waren/sind gepflegt, Ernährung war/ist wichtig, Bewegung auch. Sie haben in Gesellschaft auch gerne mal ein Glas getrunken, konnten Essen genießen, haben Lebensmittel nie abgewogen. Sie haben auch mal über graue Haare gemeckert, aber sie hätten sich nie einer Schönheitsoperation unterzogen. Und ganz generell war die Optik bei uns zu Hause gar kein so bestimmendes Thema.

Vielleicht ist das auch das Geheimnis: Die Optik eben nicht zu hoch zu hängen. Den Kindern immer wieder klar zu machen, dass das Aussehen nur ein Teil von dem ist, was sie sind. Dass sie sich nicht darüber definieren sollten, dass Äußerlichkeiten nicht ihren Wert ausmachen.

Neulich haben wir beim Abendessen rumgealbert, wer denn der oder die Stärkste bei uns in der Familie sei. Da hab ich meinen Bizeps gezeigt, der dank des Tragens vieler Kinder recht trainiert ist. „Ich hab soooo eine starke Mama“, rief da mein Dreijähriger begeistert. Es ist wohl das Beste, wenn wir unseren Kindern mitgeben, dass stark, gesund, weich, dankbar viel schönere Attribute für unseren Körper sind als dünn und glatt.

Wie macht ihr das zu Hause? Wie sprecht ihr mit euren größeren Kindern über das Thema Selbstoptimierung und über den Schönheitsdruck? Ich freue mich sehr über eure Erzählungen!

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4 comments

  1. Ich wollte mal meine Falte zwischen den Augen glätten lassen. Die Ärztin meinte, das ginge nur mit Botox. Sie hat es ausprobiert und rät davon ab: die Gesichtsmimik transportiert dann deutlich weniger Botschaften…
    Ich habe Teenies – die sollen mein Gesicht lesen können!

    Aber im Ernst: ich möchte meinen Kindern nicht vorleben, dass Unperfektheit repariert gehört. Allerdings sind wir sehr für sportliche Betätigung. Damit der Körper sich gesund entwickelt.

    Gesundheit ist ein großes Stück Lebensqualität.

  2. Genau das. Ich hasse meine Stirnfalten, weil schon immer sehr starke Mimik. Aber mein Mann meinte auch, was für ein Vorbild wollen wir unseren Kindern sein. Niemals möchte ich, dass meine Kinder es notwendig finden, ihr Gesicht zu verändern. Sie sollen stark und gesund sein. Das sollten wir vorleben.
    Und wenn ich meine Freundinnen sehen, die mit mir so schön altern, freue ich mich!
    Letztens erst Carmen Geiss gesehen, die zu ihrer Tochtee nach der Schönheits-OP sagt, jetzt siehst du besser aus. What? Was für eine Oberflächlichkeit kann man seinem Kind mitgeben und was für Komplexe?

  3. Hi, ich halte es mit deinem Sohn und spreche lieber drüber wie toll unsere Körper funktionieren: starke Beine, die uns überall hintragen, Füße, die Halt geben, eine Nase, die super riecht, der weiche Mama-Bauch, der drei Kinder durch die Gegend geschaukelt hat – dann ist es am Ende vielleicht ein bisschen egaler ob sie lang, kurz, hell oder dunkel sind…

  4. Ich habe kürzlich bei einer Frau, der ich auf insta folge, eine Umfrage zum Thema Botox gesehen. Sie hatte nämlich, ähnlich wie Du, den Eindruck, dass mittlerweile „alle“ sich botoxen. Bei der Umfrage unter ihren Followern zeigte sich aber, dass nur eine kleine Minderheit von weniger als 10 Prozent das schon mal gemacht hat oder tun würde, über 90% eben nicht. Das muss man sich immer wieder bewusst machen: die sozialen Medien sind nicht die Realität, die sind zum großen Teil Business. Das Toxische ist aber, dass sie eine Realität vorgaukeln, die unter Druck setzt und die auch zur Wahrheit werden kann (aber nicht müsste, man kann sich auch eine ganz andere Wahrheit schaffen, das liegt um großen Teil an einem selbst und womit man sich umgibt).
    Gerade gestern Abend habe ich mit meinen jugendlichen Kindern darüber gesprochen, wie schrecklich ich es eigentlich finde, dass man in den Medien (Politikerinnen, Fernsehsprecherinnen, Moderatorinnen) einfach nur geschminkte Frauen sieht. Da fängt es ja schon an, finde ich, der Unterschied zwischen Männern und Frauen. Männer sind gut, so wie sie sind, Frauen müssen sich „aufhübschen“, weil so wie sie sind, sind sie offensichtlich nicht ausreichend. Ich kann dieses Angemalte, diese grellbunten Lippen, diese immer schwarz umrandeten Augen, teilweise echt nicht mehr ertragen. Das lebe ich meinen Kindern definitiv vor, diese Abneigung: meine Tochter schminkt sich auch nicht. Sie ist toll wegen dem, was sie macht und ist, sie muss sich nicht aufstylen…

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