Ihr Lieben, ich schreibe diesen Text spät abends, ich bin ziemlich müde. Der Kleine wollte partout nicht ins Bett, hat riesiges Theater gemacht. Momentan lege ich mich immer noch dazu, bis er eingeschlafen ist – etwas, was ich bei den drei Größeren nie gemacht habe, sie sind alle prima alleine eingeschlafen.
Dass ich also abends Einschlafbegleitung mache, ist für mich Neuland und – ich sag´s ehrlich – ich find´s aus vielen Gründen nicht so toll. Ich würde es gerne zeitnah umstellen, aber habe noch keine rechte Ahnung, wie wir das anstellen sollen.
Jedenfalls war heute irgendwie der Wurm drin und der Kleine wollte nicht einschlafen. Ich war geschafft vom Tag, die anderen Kinder wollten eigentlich auch noch was von mir, ich wollte einfach, dass er schnell einschläft. Als ich gemerkt habe, dass das heute so nicht klappt, hat sich Stress in mir breit gemacht. Immer wieder habe ich zwischen „Psssst, jetzt wird geschlafen“ und „Jetzt ist echt mal Schluss“ gewechselt. Meine Stimme wurde lauter, ich wurde ungeduldig.
Ich bin müde, er aber nicht
Als ich gemerkt habe, dass ich gleich in die Luft gehe, bin ich aufgestanden und ins Bad. Da hab ich einmal laut ins Handtuch geschrien, dann dreimal tief durchgeatmet. Ich bin in die Küche, habe ein Glas Wasser getrunken (alles begleitet von wildem Geheule des Jüngsten natürlich, der es eine Frechheit fand, dass ich einfach das Zimmer verlassen habe).
Mein Nervensystem hat sich langsam beruhigt, meine Atmung wurde tiefer und dann habe ich mir die Fragen gestellt, die ich mich oft in stressigen Situationen frage:
- Ist diese Situation in drei Stunden noch schlimm? Antwort: Eher nicht, könnte aber sein
- Ist diese Situation in drei Tagen noch schlimm? Antwort: Nein.
- Ist diese Situation in drei Wochen oder gar in drei Monaten noch schlimm? Antwort: Nein.
Mein Credo: Wenn ich mindestens zwei dieser Fragen mit NEIN beantworten kann, ist die Situation also weder lebensbedrohlich noch sonst irgendwie so schlimm, dass ich jetzt weiter stressige Gedanken haben muss. Mit diesem Mantra im Kopf habe ich es geschafft, mich wieder neben den Kleinen zu legen, ihm ruhig, aber bestimmt zu sagen, dass es jetzt Zeit zum Schlafen ist. Die Situation und der Kleine beruhigten sich, ich beruhigte mich ebenfalls weiterhin , während ich da im Dunkeln lag und seinem Atem lauschte.
Wir alle sind nur Menschen und wir alle sind auch mal am Ende unserer Geduld. Was ich aber immer wieder merke: Ausflippen, meckern, motzen bringt eigentlich nie was. Ich muss körperlich dann aus der Situation raus, um mich wieder zu beruhigen. Und dann helfen mir die drei oben genannten Sätze.
Wie ist das bei euch? Wie geht ihr mit solchen Situationen um und wie schafft ihr es, euer Nervensystem zu beruhigen? Ich freue mich, wenn ihr mir von euch erzählt.




11 comments
Danke für diese Sätze, ich versuche die gleich morgen mal. Wir haben momentan eine besonders anstrengende Situation, da der Große (noch 4) schon immer eine laaange Einschlafbegleitung brauchte, eh spät einschläft (fast nie vor 21/21:30 Uhr) und es auch nicht akzeptiert, ggf. alleine wach zu bleiben (Tür offen, Licht an.. etc). Sein kleiner Bruder (5 Mo) ist auch noch da. Wenn mein Mann abends weg ist – so wie heute- und der Kleine dazu zahnt: Katastrophe. Und heute ist meine Stimmung definitiv gekippt. Also, vielleicht helfen mir diese Worte demnächst mal besser runterzukommen.
Mein Mann und ich haben uns nun 10 Jahre abgewechselt, wobei er prozentual definitiv mehr geleistet und die teilweise ewig dauernde Einschlafbegleitung noch viel geduldiger akzeptiert hat als ich. Vielleicht wurde er dadurch auch häufiger gewünscht. Kinder merken so etwas ja unterbewusst. Der jeweils andere hat sich dann ums Aufräumen der Küche etc. gekümmert, wobei er auch meistens kocht. Ich bin sehr dankbar, dass mein Mann Vieles so wunderbar leichtfüßig kann, was mir offensichtlich schwerer fällt. Ich bin z.B. immer eingeschlafen und war im Anschluss dann meistens leider bis in die Puppen wach… 😉
Elektronische Geräte begleitend finde ich nicht optimal, aber das muss natürlich jede Familie selbst entscheiden.
Hi,
Was für ein schöner Artikel.
Mein eines Kind braucht und brauchte auch immer körperliche Nähe beim einschlafen. Das war für mich in der Baby und Kleinkind Zeit sehr schwierig auszuhalten, daran kann ich mich gut erinnern. Dieses Gezappel, dieses nicht zur Ruhe kommen vom Kind… Und man liegt daneben und geht im Kopf die Liste durch mit Dingen, die man eigentlich noch erledigen wollte (TOP Nr. 1: dem anderen Kind auch Aufmerksamkeit schenken am Abend). Dieser ständige Gedanke: „Nun schlaf doch endlich ein, damit ich hier weg komme“.
Ich hatte Glück, dass mein Kind es akzeptiert hat, wenn ich nebenbei mit E-Reader gelesen habe. Das hat mich entspannt, das hat dann das Kind entspannt… und es schlief ein. Aber Hörbuch hören ist auch ne coole Idee.
Jetzt bekuschel ich mein mittlerweile 10 jähriges Kind immer noch vor / beim Einschlafen. Machmal nur fünf Minuten, manchmal 20. Und ich genieße es. Weil es vielleicht bald vorbei und weil es „unsere“ Zeit ist.
Ich drücke dir die Daumen, dass du die Einschlafbegleitung für dich irgendwie positiv gestalten kannst.
Viele Grüße
Stiefelkind
Mein bester Tipp: Kopfhörer ins Ohr und Hörbücher oder Podcasts hören. So ist die Einschlafbegleitung schöne Zeit für mich.
Hallo, ich finde diese 3er Sätze eine gute Idee! Was ich mir oft gesagt habe bzw. noch sage: Ich habe immer Familie gewollt und das gehört eben dazu! Später sind das die Anekdoten, an die wir uns erinnern! Und manchmal frage ich mich auch, ob es jetzt so schlimm ist, wenn es jetzt nicht läuft, wie von mir erwartet (z. B. dass die Kinder schlafen)? Und wenn ich es mit nein beantworte lasse ich locker und die Kinder waren eben länger wach. Aber eben so, dass ich damit leben konnte (z. B. durften sie sich ein Buch ansehen oder noch ein Hörspiel anhören), aber ich bin raus. Wenn sie dann sogar noch in ihrem Zimmer gespielt haben, habe ich versucht so zu tun, als ob ich es nicht merke. Spätestens wenn ich ins Bett bin sind sie zu mir gekrabbelt und haben geschlafen… am nächsten Morgen waren sie dann möglicherweise müder als sonst, aber dann haben sie mittags oder am Abend besser geschlafen. Wir Erwachsenen sind ja auch nicht immer zur selben Zeit müde.
Liebe Katharina, ich kann dich soo gut verstehen! Ich hab zwei Kinder einschlafbegleitet und fand es enorm nervig!
Aber: Mir hat geholfen, die Situation als „meine“ Ruhezeit zu nutzen. Ich lag im Dunkeln da und hab geatmet und quasi Yoga ohne Bewegung gemacht. Und mir vorher schon klargemacht, dass das jetzt lange dauern kann- und mich dann eher gefreut, wenn es nicht so lange war.
Heute frage ich mich oft, warum ich mir in vielen Baby-Situationen nicht „einfach“ sagen konnte, dass es jetzt halt so ist, dass es auch wieder anders wird und warum ich die Situation so schlecht annehmen konnte. Alles hat seine Zeit!“ Und im Rückblick erscheint die nervige „Ich liege hier rum und warte bis Kind pennt“- Zeit gar nicht mehr schlimm:)
In Bezug auf das Thema Einschlafen kann ich das gerade total nachempfinden. Man selbst steigert sich nur rein, aber davon schläft das Kind definitiv nicht schneller ein. Trotzdem passiert es nach einem anstrengenden Tag halt einfach. Wenn ich merke, dass es bei meinem Kind absolut nicht klappt mit dem Einschlafen (was eher die Ausnahme ist), dann nehme ich ihn nochmal mit ins Wohnzimmer, wir setzen uns gemütlich aufs Sofa und lesen noch eine Geschichte. Danach starten wir im Bett quasi nochmal von Vorne, aber meistens schläft er dann super schnell ein. Vielleicht weil nicht nur ich mich räumlich einmal aus der Situation genommen habe, sondern mein Kind gleich mit 🙂
Unsere Kinder wollten auch bis ca. 3-4 Jahre eine Einschlafbegleitung. Und stressig wurde das nur, wenn nur ein Erwachsener Zuhause war (also mal wieder Hut ab für alle Alleinerziehenden)… denn wenn wir zu zweit waren, dann habe ich (oder mein Mann) die Zeit der Einschlafbegleitung genutzt um im Handy zu scrollen, zu lesen oder Hörbuch zu hören. Meiner Jüngsten war es egal, was ich mache, so lange ich einfach ruhig in ihrem Zimmer war… ich lag also in ihrem Bett, drehte mich aber weg und hatte eine halbe Stunde „Ruhe“ – … dabei lag die Hand meiner Kleinen auf mir, das war eigentlich immer ganz schön….:-)
Früher hat mich die Einschlafbegleitung auch sehr genervt. Inzwischen freue ich mich richtig auf diese Stunde am Tag. Wie schon in anderen Kommentaren erwähnt, nutze ich die Einschlsfzeit seit einiger Zeit, um Hörbücher zu hören. Ich verwende nur einen Kopfhörer und wenn die Kinder noch etwas dringendes erzählen wollen, machen wir das natürlich. Ansonsten kuschel ich ein Kind im rechten und eins im linken Arm, höre entspannt ein Buch und warte, dass alle schlafen. Der Papa darf in der Zeit die Küche vom Abendessen und das Wohnzimmer vom Spielen aufräumen und nutzt die Zeit auch für einen Podcast. So sind wir alle zufrieden.
Ansonsten denke ich in stressigen Situationen, wenn meine Nerven schlapp machen, tatsächlich sehr oft an eure Interviews mit Eltern von schwer kranken Kindern und versuche mich daran zu erinnern, dass ich so dankbar sein kann für den ganz normalen Familienstress und zwei gesunde Kinder. Mir hilft auch die Erfahrung, dass alles nur eine Phase ist und die Kinder schnell selbstständig und groß werden. Wenn es so weit ist, vermisse ich die Kita-Zeit bestimmt und die stressigen Phasen gehören halt dazu… Aber mir gelingt es auch nicht immer so ausgeglichen auf alles zu reagieren wie ich es mir eigentlich wünschen würde. Ich werde auch mal etwas lauter oder sage irgendeine blöde „wenn-dann-Sache“, worüber ich mich später schrecklich ärgere, weil ich so einen Umgang miteinander eigentlich nicht möchte.
Bei der seit fast zehn Jahren andauernden Einschlafbegleitung hat hier geholfen: ein Reader plus die Akzeptanz, dass ich danach nichts mehr muss. Ich weiß, es gäbe immer noch was danach zu tun aber so gehts allen sehr gut damit nur nicht dem Haushalt.
Das mit den drei Sätzen ist eine gute Anregung. Die nehme ich mir mit und probiere sie in den nächsten Tagen auf jeden Fall mal aus, wenn ich merke, dass meine Stimmung kippt. Dankeschön