Ihr Lieben, ich habe ja Kinder im Alter zwischen 3 und 15 Jahren – die Alters-Bandbreite ist also echt groß. Während der Jüngste noch Hilfe beim Anziehen braucht, nicht alleine einschläft und die Neunjährige durchaus auch noch viel elterliche Unterstützung („Du hast heute Sport“ oder „Jacke nicht vergessen“) braucht, werden der 12-Jährige und die 15-Jährige echt langsam richtig selbstständig.
Beispiel Klassenfahrt der großen Tochter: Noch letztes Jahr saßen wir mit der ausgedruckten Packliste im Zimmer, überlegten, was sie mitnehmen soll, zählten Sockenpaare und quetschten doch noch die Regenjacke in den Koffer. Dieses Jahr, als ich ihr meine Hilfe anbieten wollte, war der Koffer bereits gepackt. Die Packliste hatte sie sich über die Lernplattform runtergeladen, das Wetter gecheckt und auch schon Snacks für die Busfahrt gekauft. Mir blieb nichts weiter zu sagen als: „Ok, super!“
Beispiel Fußball-Training: Jahrelang war es reine Glückssache, ob mein Sohn alles zum Training mitnimmt und auch wieder mit zurücknimmt. Wie oft habe ich hier noch Schienbeinschoner, Getränke oder Leibchen gefunden, die eigentlich mitgemusst hätten. Einmal hat mein Sohn seine Fußballschuhe nach dem Training auf dem Platz vergessen – und ja: Ist ohne Schuhe nach Hause gekommen, was ihm erst zu Hause aufgefallen ist. Jahrelang war das ein echter Konfliktpunkt, weil ich nicht fassen konnte, wie schwer es für ihn war, an all seine Sachen zu denken.
Diese Zeiten sind vorbei. Der Fußballrucksack wird stets am Abend vorher gepackt, die ganze letzte Saison ging nicht EIN Teil verloren. Auf meine Frage, ob er die Regenjacke dabei habe, gibt´s nur ein leicht genervtes: „Jaaaahaaaaa, hab ich!“ und auf „Hast du die Rasenschuhe dabei?“ ein „Neeeein, wir spielen heute auf Kunstrasen!“ (Ja, dafür gibt es zwei Paar unterschiedliche Schuhe!)
Die beiden Großen verabreden sich komplett selbstständig, suchen sich Bus-und Bahnverbindungen alleine raus. Sie sind beide zu 99 Prozent pünktlich zu Hause, denken an die Hausaufgaben, halten ihre Zimmer sauber. All die tausend Ermahnungen, die Millionen Bitten, die wir Eltern über die Jahre von uns gegeneben haben und von denen wir dachten: Es bringt einfach nichts! – sie sind doch irgendwo auf fruchtbaren Boden gefallen und wir dürfen langsam die Früchte ernten.
Die Kinder werden selbstständig
Klar kann man jetzt sagen: Also mit 12 und 15 ist das doch normal – und ja, das ist es wahrscheinlich auch. Aber wenn man in diesem Kleine-Kinder-Kosmos und der 24 Stunden-Fürsorge drinhängt, dann kann man sich nicht vorstellen, dass man sich irgendwann nicht mehr um ALLES kümmern muss. Und wenn es dann soweit ist, ist das tatsächlich erstmal ungewohnt. Loslassen muss man nämlich erstmal üben. Kann das Kind wirklich alleine zum Hobby radeln, da sind doch zwei große Kreuzungen… Schicke ich das Kind wirklich mit auf die Jugendreise, obwohl ich weiß, dass da bestimmt viele Jugendliche Alkohol trinken? Lasse ich das Kind abends noch alleine Bus oder S-Bahn fahren?
So wie wir uns damals in der Babyzeit in Themen wie Beikost, Kitaeingewöhnung und Co. einlesen mussten, so müssen wir auch jetzt Schritt für Schritt herausfinden, wie schnell wir in welchem Umfang loslassen können. Dass wir es müssen, ist klar. Denn nur so können unsere Kinder weiter wachsen. Dass es nicht immer leicht für uns Eltern ist, auch klar.
Falls ihr – wie ich ja auch – auch noch kleinere Kinder habt, will ich euch Mut machen. Das, was ihr in den Kleinkindjahren macht, ist nicht sinnlos, es bleibt was hängen. Und zu merken, wie die Kids dann ihre Welt erobern, macht richtig Spaß!




2 comments
Liebe Katharina,
das stimmt , es fühlt sich echt manchmal an wie endlich ernten zu dürfen !!! Und scheinbar hast du das Glück , dass sogar die Themen Hausaufgaben und ordentliches Zimmer beachtet werden. Aber vielleicht schreib ich lieber “ noch beachtet“ werden. Dein grosser kleiner ist mit 12 Jahren doch noch recht klein da kommt die Pupertät ja erst. Wenn da ein 17jähriger Kerl einen Kopf grösser als Du steht der alles andere als Schule im Kopf hat…sehen die Dinge womöglich anders aus… sorry ich bin vielleicht grad auf dem Trip kleine Kinder kleine Sorgen grosse Kinder…
Man kann und darf sie nicht mehr vor allem beschützen und es ist für beide Seiten schwer und kann so weh tun manchmal .
lg zum einem sonnigen We
Du Liebe, da hast du absolut recht. Hausaufgaben sind auch hier ein Thema. Und ja, mit 12 stehen wir noch am Anfang!!!! Ich wünsch dir alles Liebe