Ihr Lieben, wie oft wünscht man sich, wenn man kleine Kinder hat, dass sie größer werden. Wie oft habe ich mir das auch bei unserem Nachzügler gewünscht… Endlich laufen, endlich keine Windel mehr, endlich sagen können, was weh tut, endlich durchschlafen… So wahnsinnig süß die ersten Monate und Jahre sind, so anstrengend sind sie auch. 24/7 Fürsorge, zu wenig Schlaf, immer ein Kind auf dem Arm. Wie oft hören wir dann: „Wenn sie größer sind, wird’s leichter.“ Und das stimmt in vielen Punkten ja auch (und in anderen so gar nicht, oder?).
Für mich persönlich war das erste Babyjahr immer das härteste, so viele Emotionen, so viele überfordernde Momente, so viel Liebe, so wenig Schlaf, so eine körperliche Umstellung. Der erste Meilenstein war für mich immer, wenn man die Kinder hinstellen konnte, ohne dass sie umfielen. Das habe ich als totale Erleichterung im Alltag empfunden. Also das Kind neben das Auto stellen, um die Einkaufstaschen in den Kofferraum zu räumen. Das Kind nicht nonstop auf dem Arm oder auf dem Boden liegend zu haben, fand ich super.
Und natürlich sind die ersten Worte und auch das Trockenwerden unglaubliche Meilensteine, die uns das Leben leichter gemacht haben. Genau wie das Durchschlafen – hier kann ich beim Jüngsten allerdings noch nicht jubeln, denn Nr. 4 schläft immer noch nicht durch – ganz anders als die großen Geschwister, die das im Alter von drei Jahren schon längst getan haben (und nicht durchschlafen mit 44 hittet echt anders als mit 30!)
Was ich allerdings beim Nachzügler viel besser schaffe als bei den Großen: Ich kann viel besser im Moment sein und all diese großen und kleinen Herausforderungen viel besser annehmen. Weil ich eben weiß, dass es besser wird und weil ich weiß, dass es mein letztes Kind ist. Wahrscheinlich spüre ich diesmal statt „Werd endlich groß“ viel mehr „Werd nicht so schnell groß!“
Der Nachzügler ist kein Baby mehr
In den letzten Wochen habe ich den Jüngsten mehrmals angeschaut und gesagt: Krass, was der schon alles kann. Und wie groß er ist. Kann die Zeit mal langsamer gehen?
Plötzlich wirkt er im Schlaf so riesig, alles Babyhafte ist verschwunden. Er saust mit dem Laufrad wie der Wind und will möglichst bald Fahrradfahren lernen. Er erzählt Geschichten von Lava, Dinos und Vulkanen, wie er mit Raketen in den Weltraum fliegt oder mit der Polizei Diebe jagt. Er singt auf einmal Liedzeilen von Songs mit, die seine Geschwister hören. Er fragt einen guten Freund, ob er mal zum Übernachten kommen darf. Er sitzt da ganz lässig am Esstisch und futtert Pizza wie ein Großer.
Und ich? Spüre einen Stich in der Herzgegend. Bleib doch noch ein bisschen klein. Lieb mich doch noch weiter so bedingungslos, nimm weiter meine Hand in deine kleine. Ich möchte nicht nochmal schwanger sein, möchte nicht nochmal einen Säugling haben (wobei – so EINEN Tag nochmal mit einem Neugeborenen…). Aber ich genieße es richtig doll, noch ein kleines Kind zu haben, ein Kitakind mit all den Festen, Ausflügen, Basteleien (und auch Viren, ich weiß…).
Dreijährige sind einfach wirklich verdammt niedlich. Und lustig. Und egal, wie groß und alt er wohl werden wird, er wird wohl immer ein bisschen mein Baby sein. Als ich ihm neulich frischgebadet den Schlafanzug anzog und die Beine der Hose schon wieder zu kurz waren, sagte ich: „Wann bist du eigentlich so groß geworden? Du bist doch mein Baby.“ Er sagte darauf hin: „Ich bin doch kein Baby, ich bin doch schon groß. Nicht richtig groß, aber auch nicht richtig klein!“ Und genau das war es. Kein Baby mehr, nicht mehr klein, aber (zum Glück) auch noch nicht groß.
So toll ich meine Teenies finde und so hart die erste Zeit mit dem Nachzügler auch manchmal war – dass ich nochmal von einem frischgebadeten Dreijährigen höre: „Mama, du bist sooooo süß!“ ist wohl das größte Geschenk, was man kriegen kann…



2 comments
Ich fand den Artikel sehr liebevoll und emotional sehr gut nachvollziehbar.
Das einzige, was ich schwierig finde ist der Wunsch, die bedingungslose Liebe zur Mama aufrecht erhalten zu wollen bzw. den Wunsch diese auf aktuellem Status zu halten. Ich weiß, wie es gemeint ist, aber Kinder sind nicht dazu da niedlich zu sein und das Bedürfnis der Eltern nach bedingungsloser Liebe zu erfüllen.
Oh, ich verstehe das Gefühl so gut. Unser Nachzügler wird jetzt 3 und ich frage mich auch, wo die letzten Jahre hin sind? Und ich bin so froh und dankbar darüber diese süße Kleinkindzeit nochmal zu erleben und bewusster wahrzunehmen. Kitakeime sind mein Endgegner. Das hasse ich – ständig ist bei uns jemand krank. Den Schlafmangel fand ich mit 30, beim ersten Kind schlimmer. Ich war ein Zombie und habe es als krasse Fremdbestimmung empfunden. Das ist mit 43 Jahren nicht mehr so und ich stelle weniger Erwartungen an mich als früher, was dabei auch hilfreich ist. Aber ja, anstrengend ist natürlich trotzdem, wenn einem die Nacht zum Tag gemacht wird 😝.