Ihr Lieben, geht´s euch auch manchmal so, dass ihr auf Erlebnisse von früher zurück schaut und euch denkt: „Hab ich das echt gemacht?“ Mir geht das oft so und manchmal muss ich rückblickend sagen, dass ich mehr Glück als Verstand hatte. In gewisse Situationen würde ich mich heute nie mehr begeben, weil ich einfach weiß, was alles passieren kann.
Aber auf einige Dinge aus der Vergangenheit schaue ich auch und finde mich rückblickend ganz schön mutig im positiven Sinne. Acht Wochen nach dem Abi alleine nach Paris zur Sprachschule, ohne Handy, ohne irgendeinen Kontakt. Einfach hin, alles vor Ort organisiert und dann die beste Zeit dort gehabt (inklusive einer mega fetten Verliebtheit!).
Oder als junge Reporterin einfach in den Flieger nach Calcutta, inklusive indischer Inlandsflüge, ganz alleine. Was für ein Kulturschock, aber ich wollte unbedingt diese Geschichte erzählen und aufschreiben.
Ich war früher mutiger als heute, das muss ich ganz klar sagen. Ich habe viele Praktika gemacht, bin da immer einfach hinmarschiert, hab mein Bestes gegeben, mich voll reingeworfen, schnell neue Leute kennengelernt. Mal hier gewohnt, mal da, ich hab mir wenig Gedanken gemacht, was schief gehen könnte.
Und auch, als ich meine sichere Festanstellung vor 13 Jahren aufgegeben habe, um mich selbstständig zu machen, war ich mutig. Ich habe nochmal komplett neu angefangen, alles auf eine Karte gesetzt – und zwar ohne große finanzielle Rücklagen.
Und klar ist Kinderkriegen auch mutig, schließlich ändert sich dadurch das ganze Leben – aber ich habe besonders in der letzten Zeit an mir festgestellt, dass es mir immer schwerer fällt, aus meiner Komfortzone rauszugehen. Mein Alltag läuft, mal besser, mal schlechter, aber es gibt keine großen Überraschungen momentan. Immer öfter bemerke ich, dass ich Dinge oder Situationen meide, in denen ich mutig sein müsste. Ich finde dann schnell 1000 Gründe, warum es eigentlich eh nicht geht oder rede mir ein, dass ich es gar nicht will. Und ich merke, dass mir Dinge, die mir früher wahnsinnig leichtgefallen sind, schwerer fallen – einfach, weil ich aus der Übung bin.
Raus aus der Komfortzone
Nun habe ich ja die Pilates-Ausbilung angefangen (was mich auch echt viel Überwindung gekostet hat, weil das Imposter-Syndrom so präsent war). Direkt nach dem ersten Teil der Ausbildung wurde ich dann gefragt, ob ich nicht hin und wieder mal eine Stunde vertreten möchte, also richtig unterrichten will. Erst war ich Feuer und Flamme, dann kamen die Zweifel und das Bauchgrummeln, weil diese Situation definitiv außerhalb meiner Komfortzone liegt.
Ich hab echt überlegt, alles abzusagen, doch dann beschlossen, mich selbst herauszufordern. Dabei habe ich Strategien angewandt, die ich immer nutze, wenn ich in Situationen komme, die für mich keine Selbstläufer sind.
- Vorbereitung
Umso besser ich weiß, was ich tue, desto sicherer fühle ich mich. Das gilt für Vorträge, Reden oder eben Unterrichtseinheiten. Ich schreibe mir genau auf, was ich tun oder sagen will und übe es. Umso sicherer ich bin, desto weniger schmeißen mich kleine Überraschungen um.
2. Pünktlich sein
Beziehungsweise überpünktlich. Nichts stresst mich so sehr wie Zeitnot. Zu allen Terminen, die mir wichtig sind, plane ich große Zeitpuffer ein. In Berlin weiß man nie, ob die Straße plötzlich gesperrt ist, eine neue Baustelle da ist oder der nächste Parkplatz 2 Kilometer entfernt. Lieber sitze ich noch ein wenig alleine im Auto oder gehe ein paar Schritte, als zum Termin zu rennen.
3. Überraschungen abfedern
Oft gehe ich durch, was schiefgehen könnte und wie ich das dann schnell löse. Beim Pilateskurs hatte ich zum Beispiel Sorge, dass ich es nicht hinkriege, mein Handy mit der Musikanlage zu verbinden. Also habe ich kurzerhand meine eigene kleine Musikbox in die Handtasche gesteckt als Notlösung.
4. Worst Case Szenario
Ich frage mich: Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Und wenn das nichts Lebensbedrohliches ist, dann ist es auch nicht wirklich schlimm. Ich sage mir dann immer: „Ich operiere nicht am offenen Herzen und bin auch nicht für einen Raketenstart verantwortlich.“ Wenn wir unser Handeln und Sein immer mal wieder in dir richtige Perspektive rücken, ist das sehr entlastend.
So, wollt ihr nun wissen, wie meine erste Pilatesstunde war? Ich war sehr aufgeregt, aber alles hat prima geklappt. Auch, weil ich den Teilnehmer*innen gesagt habe, dass es meine ersten Stunde ist und dass ich um Nachsicht bitte, wenn etwas nicht 100 prozentig klappt. Ich glaube, diese Offenheit fanden viele gut und nach der Stunde kamen einige Frauen ganz lieb zu mir und haben mir Feedback gegeben.
Ich habe mir auf jeden Fall fest vorgenommen, mich immer wieder herauszufordern und auch mal wieder mutigere Entscheidungen zu treffen. Vielleicht wollt ihr mir erzählen: Was würdet ihr gerne machen, wofür euch bisher noch etwas Mut fehlt?




2 comments
Hallo allerseits!
Also ich habe auch ein Nachzüglerkind von gerade 2 und zwei fast drei Teenies und bin momentan „nur“ Zuhause. Und so sehr ich dieses Leben liebe und mich jederzeit wieder dafür entscheiden würde, der Spagat zwischen Groß und Klein, bedürfnisorientiert begleiten trotz eigener Erschöpfung das ist manchmal knüppelhart. Das gleiche leistet du Katharina ja auch zusätzlich zum Job. Eine „KOMFORT-Zone“ stelle ich mir ehrlich gesagt gemütlicher vor.
Was ich damit sagen will: Vielleicht ist für uns Menschen nicht in jeder Phase alles dran. Natürlich ist es wichtig sich auch hin und wieder Mal zu fordern, wir zelten jetzt über Pfingsten zum Beispiel, gleichzeitig ist der kräfteraubende Spagat zwischen vier Kindern bzw. Teenies des unterschiedlichsten Alters + man ist selbst nicht mehr die Jüngste nicht immer die allerbeste Abenteuerzeit. Ich wünsche dir viel Kraft Verständnis für dich selbst und auch für dein Impostersyndrom. Vieles wird einfacher, wenn man nicht mehr dauernd gefordert ist.☺️
Warum dieser Artikel wunderbar passt: Ich habe mich für die Psychotherapieausbildung entschieden, also viel Geld investieren , nochmal 4-5 Jahre Seminare am Wochenende, Praktika, Therapie unter Ausbildungsbedingungen… und das trotz zwei kleiner Kinder und einem eigentlich guten und sicheren Job als Psychologin. Lange habe ich gehadert und mich gefragt, ob ich diesen Mut aufbringen kann. Es tut gut zu lesen, dass auch andere bei ihren Entscheidungen Bauchgrummeln haben!