Ihr Lieben, ich schreibe diesen Text als Jungs-Mama aus zwei aktuellen Gründen:
- morgen hat mein großer Sohn Geburtstag, er wird 12 Jahre alt.
- Im Internet ging es diese Woche mal wieder um „Gender Disappointment„, also um die Enttäuschung, wenn das Baby nicht das Geschlecht hat, das man sich wünscht und um die Tatsache, dass es scheint, als würde man heute lieber Mädchen als Jungs haben.
Ich habe das Glück, zwei Mädchen und zwei Jungs zu haben – und ich finde beides ganz ganz wundervoll. Und da ich den direkten Vergleich habe, muss ich auch sagen, dass es auch mein Eindruck ist, dass Jungs heute weniger gesehen werden als Mädchen.
Auch mein Sohn ist ein wildes Kerlchen, der viel Bewegung braucht, laut sein kann, hibbelig, unkonzentriert. Dessen Arbeitsblätter nie sauber abgeheftet sind, der ständig Geodreiecke und Lineale verliert und den Sinn von Schönschrift nicht versteht. Er hat schier nie endende Energie – und ich erzähle gerne die Geschichte, dass wir, als er noch kleiner war, morgens schon 5 Kilometer mit ihm spazieren waren, während die Töchter unserer Freunde bis mittags im Schlafanzug vor sich hinspielten. Unser Sohn brauchte immer viel Bewegung und Futter fürs Hirn, bis heute ist das eine Herausforderung für uns – aber vor allem auch eine Bereicherung.
Ich bin gerne Jungs-Mama
Denn alles, was ihn interessiert, was ihn begeistert, macht er mit 100 Prozent Einsatz und mit echter Leidenschaft. Er ist da, präsent, keine Schnarchnase und extrem schnell im Kopf. Er ist lustig und wild und manchmal ganz sanft („Mama, kannst du mir den Rücken kraulen?). Wir lernen so viel durch ihn (und auch über uns selbst). Er übernimmt Verantwortung und setzt sich für die Kleinen ein, ist so mutig – wie toll ist das?
Ja, von außen betrachtet, sind unsere Töchter vielleicht weniger „anstrengend“. Aber die Frage ist: Ist es die Aufgabe von Kindern, möglichst wenig anstrengend zu sein? Oder sind es auch oft die äußeren Umstände, die ein Kind anstrengend wirken lassen (z.B. zu wenig Bewegung, zu wenig Forderung, zu stressiger Alltag?)
Wenn wir morgen seinen Geburtstag feiern, dann sind da eine Menge 11-und 12-Jähriger auf einem Haufen, es wird laut und sportlich werden. „Digger und Alter“ werden sehr viel vorkommen, die Hosen werden tief hängen. Aber ich sehe in jedem dieser Jungs auch eine neue Generation Männer, die viel rücksichtsvoller sind, viel weicher, bei denen sich schon so viel gesellschaftlicher Wandel im Kopf festgesetzt hat. Die mit ganz anderen Rollenbildern aufwachsen, viel bewusster mit Themen wie Feminismus, Rassismus und Sexismus umgehen. Wie gut ist das – was für tolle Männer und Väter werden diese Jungs!
Mich ärgert, wenn Jungs heute so runtergemacht werden. Mit Söhnen haben wir die Möglichkeit, die Männer von morgen zu erziehen. Mit Söhnen haben wir die Möglichkeit, nochmal ganz andere Blickwinkel kennenzulernen, in andere Welten aufzutauchen – und vor allem nochmal ganz viel über bedingungslose Liebe zu lernen.




23 comments
So ein schöner Text, vielen Dank. Auch meine beiden Jungs passen 1 zu 1 in dein beschriebenes Bild. Aber nichts ändert an der unglaublichen Liebe für diese beiden Chaoten. Und es ist einfach so schön zu sehen wie sie groß (jetzt 10 und 15) werden und tatsächlich auch selbständig überlebensfähig sind 🙂
Mir tut es wirklich oft weh das von außen so wenig Verständniss kommt und Gezicke unter Mädchen in der Schule nie geahndet wird, aber wenn Jungs sich mal gegenseitig beschimpfen wird es viel härter bestraft.
Meiner Meinung nach sollte jemand, der „beides“ hat, bei Gender disappointment nicht mitreden. Die Wertschätzung beider Geschlechter ist damit so viel einfacher.
@Sophie: den Wert eines Menschen, eines Kindes (Stichwort Wertschätzung) an seinem Geschlecht zu bemessen, ist meiner Meinung nach ganz unterste Schublade.
Die Kinder tun mir leid, bei denen die Eltern (Mütter?) schon im Vorfeld nicht in der Lage sind sie gleichwertig anzusehen.
Gleichwertig ist ein großes Wort. Ich kannte mal einen Vater, der hatte acht Töchter. Alles großartige und geliebte Kinder. Nach der achten hat er aufgehört auf einen Jungen zu hoffen und es blieb bei den 8. Jemand wertzuschätzen und zu trauern, dass anderes im Leben fehlt, geht gleichzeitig. Ist auch nicht schlimm, solange man es nicht am Kind auslässt, dass es falsch zu den eigenen Wünschen ist.
ist doch unwichtig ob Mädchen oder Junge,es geht um bedingungslose Liebe! seit doch froh, dass ihr überhaupt Kinder haben könnt und dass eure Kinder gesund sind. Aber man muss ja in der heutigen Zeit, aus allem ein riesen Thema machen….
Hallo, ich kann den Artikel gut nachvollziehen, habe 2 Kinder, einen Jungen und 1 Mädchen. Ich bin immer wieder überrascht wie sehr sich bestimmte Erfahrungen beim Aufwachsen beider Geschlechter gleichen. Ich kann nur bestätigen, dass ein Tag nur drinne mit unserem Sohn Höchststrafe für uns alle war bzw. sogar noch ist (er ist 15). Und wie sehr es Familien, die bis dahin ausschließlich Mädchen als Kinder hatten, nicht nachvollziehen konnten, wie wir bei Wind und Wetter unterwegs waren… als diese Familien Jungen bekamen gab es einige Aha- Erlebnisse! Und ich konnte nie verstehen, wie bei den Mädchen- Familien empfindliche Dinge in Kleinkind- Höhe standen bis unsere Tochter kam und Glasfiguren etc. ganz vorsichtig nahm auch schon in sehr jungem Alter. Bei uns ging es sogar soweit, dass wir von der Verwandschaft „Tipps“ für geregelte Tagesabläufe bekamen, weil das unseren wilden Sohn angeblich helfen würde, seine Energie zu regulieren… ehrlich gesagt freue ich mich heute noch, dass eben diese Eltern nach einem sehr ruhigen Mädchen dann einen Jungen bekamen, der im Temperament unserem in nichts nachsteht… Allerdings ist unser Sohn tatsächlich in der Schule deutlich angepasster als unsere Tochter, die deutlich mehr bei (vermeintlichen) Ungerechtigkeiten rebelliert. Am Ende zählt ja aber, Geschlecht hin oder her, dass man seinen Kindern gerecht werden kann und auf ihre Bedürfnisse eingehen kann. Deswegen habe ich mir ehrlich gesagt nie so große Gedanken um geschlechtsspezifische Erziehung gemacht.
Ich finde es schade, dass der Artikel durch ein Thema aufgegriffen wird (Gender Disappoinment), aber anschließend irgendwie total viele Dinge vermischt werden. Beim Gender Dis. geht es ja eigentlich nicht unbedingt darum welche Charaktereigenschaften vorliegen, sondern einfach, dass man sich als Mama oder Papa eines bestimmten Geschlechts gesehen hat und das aus den unterscheidet Gründen. Ich denke auch, dass man Gender Dis. viel weniger nachvollziehen kann, wenn man Mama beider Geschlechter ist… Ich finde den Begriff Jungs-Mama nicht wirklich treffend, wenn man zwei Jungs und zwei Mädels hat… Ich habe zwei Kinder des gleichen Geschlechts und vom Charakter könnten sie nicht unterschiedlicher sein…
Danke Fritzi, das mit dem Gender Disappointment ist mir auch aufgestoßen. Ich war auch davon betroffen, habe lange an mir gearbeitet, mich tausendmal unverstanden gefühlt, wollte aber um der Kinder Willen nicht, dass das Thema mich so beherrscht. Letztendlich habe ich doch noch ein Kind bekommen, aber es war mir wichtig, dass ich wirklich ein Kind und nicht wirklich ein Geschlecht will. Habe dann unverhofft doch noch das ursprüngliche Wunschgeschlecht bekommen und kann jetzt sagen, dass es wirklich schöner ist beides zu haben und es mir bei einem weiteren Kind gleich wäre. Meine Großen sind auch sehr unterschiedlich trotz gleichen Geschlechts und ich habe beruflich viel auch mit queeren Jugendlichen gearbeitet, gerade auch im Transbereich von daher weiß ich, was diese extrem duale Erziehung mit Kindern machen kann. Ich selbst bin sehr danach erzogen worden, dass das Geschlecht egal sei, es wurde aber anders gelebt. Habe mich jahrelang als Jugendliche nach Geschlechterunterschieden gesehnt witzigerweise, da mich diese Neutralität gefühlt wahnsinnig gemacht hat. Von daher glaube ich, dass es da keinen richtigen oder falschen Weg gibt, sondern man am Besten in der Mitte bleibt: Geschlechterunterschiede und Identität ja, aber offen und nicht starr festgelegt und immer liebevoll auf das Kind bezogen, dass es sich gut damit fühlt, auch ohne Geschlechts- Standartmerkmale. Auch kläre ich von Anfang an über Transidentitäten und Homosexualität etc. auf.
Persönlich finde ich auch total schwierig, wenn Leute, die beiden Geschlechter haben sich als Jungs- oder Mädchenmama feiern und über Geschlechterdisappointment urteilen, auch wenn ich Katharinas Artikel grundsätzlich sehr schätze. Ich denke da kann aber auch jeder nur aus seinem persönlichen Blickwinkel berichten. Psychologisch gesehen ist es jedenfalls nicht komplett möglich zwischen Anlage (angeborenes Geschlecht, Hormone, etc.) und Umwelt (Erziehung, indirekter Einfluss von Kultur und Gesellschaft) zu unterscheiden.
@A: Und was haben die so toll angepassten Mädchen von ihren guten Noten in der Schule? Sie stecken später beruflich zurück um sich schön um die Familie zu kümmern, verdienen weniger Geld, kriegen weniger Rente… Alles richtig gemacht!
Das Anpassung immer richtig ist, habe ich nicht gesagt. Im Gegenteil, bekommen Frauen, die rein Anpassung als Lebensbewältigungsstrategie kennen, im Laufe des Lebens auch ihre Probleme. Zudem will ich dir klar widersprechen: Frauen verdienen das gleiche, sie bekommen es nur nicht. Und die Rentenmissachtung von Erziehungsleistung ist eine Frechheit.
Aber die Erzählung der ach so armen Mädchen und der völlig bevorzugten Jungen stimmt halt auch nicht (mehr). 2/3 der jungen Menschen ohne Abschluss sind Jungen. Der Gender Education Gap zeigt bis zu den Uniabschlüssen bessere Leistungen von Frauen. Erst bei den Promotionen wechselt es auf Männerüberhang.
Was dann daraus im Leben passiert, ist ohne Frage ein diskussionswürdiges Thema.
Alle Unterschiede zu leugnen finde ich nicht gut. Und dass geschlechter Unterschiede nur anerzogen sind finde ich Quatsch und widerspricht den biologischen empirischen befunden. Wahre Gleichberechtigung bedeutet für mich nicht, dass alle gleich sein müssen, sondern dass Männer Männer sein dürfen und Frauen frauen und das jeder auf seine Art.
Ich finde, dass ganz viel verloren geht, wenn man alle Unterschiede leugnet. Zu Beispiel kommt unser schulsystem eher Mädchen entgegen und auch insgesamt nehme ich auch wahr, dass Mädchen gesellschaftlich mehr gesehen werden. Solange man alle unterschiede wegidelogisiert, nimmt man die Chance weg, dass sich daran etwas ändern wird.
Ich bin zwiegespalten. Ich verstehe Saskia total gut und sehe vieles ähnlich. Andererseits gibt es eben diese „typischen“ Jungs. Aber eben auch andere und Mädels die genauso lebhaft oder technikinteresdiert sind. Man muss diese stereotypien echt nicht immer wieder journalistisch bedienen.
Ich kenne eine „Jungsmama“ die das wie Jeanne d’Arc ihr Schwert regelmäßig zelebriert und offenbar als besonderes Qualitätsmerkmal empfindet. Wers braucht.
Was mich hier und gesamtgesellschaftlich immer mehr stört ist das zunehmende Labeling.
Wozu zwischen Söhnen und Töchtern, Jungs und Mädchen, unterscheiden. Rosa, hellblau, etc. Was ist aus dem schrecklich schrillen orange der 70er geworden, das für alle da war? Fast alle Kinderkonsumartikel sind gebrandet und ich finde es furchtbar. Mehr Schubladen bedeuten nicht mehr Individualität, sondern mehr Unterscheidung, mehr Einsortierung. Manchmal auch mehr Urteil.
Warum können wir nicht einfach Menschen sein, Eltern, Kinder?
Kein Label, keine Überhöhung, keine Degradierung, keine Zuordnung und keine Schubladen. Es könnte so einfach sein. One size, fits all.
Leider finde ich den Text auch sehr Klischeebehaftet. Ich habe auch einen Jungen und zwei Mädchen. Bei uns ist es genau umgekehrt. Unser Junge ist schon immer sehr ausgeglichen, mag oft ruhigere Spiele, ist sehr bodenständig, verständnisvoll und Kompromissbereit. Er kann wunderbar Pausen machen und hat sich schon mit 3 Jahren aufs Sofa gelegt und stundenlang sein Hörspiel gehört. Abends schläft er innerhalb von 5 Minuten ein. Unsere Tochter hingegen ist sehr aktiv, braucht Bewegung, kann keine 5 Minuten ruhig sitzen, klettert uns überall herum, testet Grenzen und hat einen sehr starken eigenen Willen. Abends liegt sie noch lange im Bett, bis sie abschalten und einschlafen kann. Ich gebe dir völlig recht, dass beides toll ist. Jungs und Mädchen, ruhige und aktive Kinder. Aber ich würde das nicht in Zusammenhang bringen.
Ich fand den Artikel sehr schön und ich freue mich, wenn einfach mal das Jungs-Mama Sein gefeiert wird
Echt jetzt, „Jungs-Mama-sein feiern“?
Unbenommen der Freude am eigenen Kind, aber ehrlich, das treibt schon merkwürdige Blüten des Selbstverständnisses.
Ich als zweifache Jungsmama finde den Beitrag total schön und habe sogar ein Tränchen im Auge. Danke dafür!
Auch wenn es nicht so sein sollte, wenn ich ehrlich bin, verletzten mich die momentan vielen Beiträge zu Gender Disappointment und enttäusche Gesichter bei Gender Reveal Partys sehr. Das gibt mir das Gefühl, in der „Lotterie des Lebens“ verloren zu haben – auch wenn ich weiß, dass es nicht so ist.
Dennoch finde ich die Kritik, dass Attribut-Zuschreibungen wie in diesem Beitrag nicht gut und zeitgemäß sind, richtig und zeitgemäß. Wir sollten das einfach lassen. Auf der anderen Seite: Gönnt es uns viel „bemitleideteten“ Jungs-Mamas doch mal auch unsere Söhne zu feiern.
Insgesamt sollten wir uns alle darin bemühen – wie im Beitrag dargestellt -, die Fehler nicht in den Persönlichkeiten der Kinder, sondern in den Strukturen der Umwelt zu suchen. Die Kindheit unserer Kinder findet viel mehr als früher in Institutionen statt (Ganztagsbetreuung, Kurse etc.) und da passen „angepasstere“ Persönlichkeitemn besser rein. Muss das so sein?
toooooll!!
Wir haben 5 Kinder, davon 4 Söhne. Ich finde es sehr schön, eine jungsmama zu sein. Unsere 4 Jungs sind so unterschiedlich , jeder ist auf seine Art so toll. Sie sind loyal, fürsorglich, der eine ist gewissenhafter und ordentlicher, der andere verspielter, der kleinste ein charmeur. Sie sind alle so unterschiedlich und es macht ganz viel Freude, den Charakter der Kinder (natürlich auch meiner Tochter) zu entdecken und sie ins Leben zu begleiten. Ich musste aber auch schon blöde Kommentare einstecken und wurde auch schon für meine Jungs bemitleidet. So schrecklich sowas!!! Insgesamt bin ich sehr glücklich so wie es ist. Ich denke, es ist auch eine Frage der Einstellung. Will ich mich irgendwie über meine Kinder identifizieren oder was in sie hineinprojeziieren oder sehe ich sie als ein wunderbares Geschenk und nehme sie so, wie sie sind? Dass man sich mal ein anderes Geschlecht wünscht grad in der Schwangerschaft. Wenn man da sind noch nicht kennt, das kann ich schon nachvollziehen. Wenn das dauerhaft so bleibt finde ich das sehr traurig.
Ich denke, bei vielen Menschen spielen da auch viele Klischees mit rein. Vieles ist aber wirklich auch Charakterssche. Und doch gibt es auch geschkechterunterschiede. Da bin ich total überzeugt davon und das stelle ich immer immer wieder fest. Das ist ja ja auch aus biologischer Sicht logisch, allein die hormonelle Ausstattung ist ja einfach eine andere. So unterschiedlich unsere lungs sind, die kämpfen und drängeln und toben alle mal gern. Meine Tochter kann auch mal wild sein, aber irgendwie ganz anders. Sie kämpft auch nicht. Dafür hab ich mit dne Jungs noch nie zickereien erlebt. Jungs und Mädchen sind anders, aber nicht besser und nicht schlechter, sondern anders. Ich finde, Männer und Frauen ergänzen sich einfach super in ihrer Männlichkeit und Weiblichkeit.
Aber wenn die Jungs alle so unterschiedlich sind, warum ist es dann überhaupt so wichtig, dass sie Jungs sind? Jungs werden für „Mädchen- Eigenschaften“ gefeiert (Fürsorglich, gewissenhaft), genauso wie für „Jungs-Eigenschaften“. Sind es am Ende nicht einfach menschliche Eigenschaften, die in etwas unterschiedlichen Dosen verteilt wurden? Ist nicht vielleicht die Reihenfolge der Geschwister und die Dynamik in der Familie genauso wichtig oder wichtiger als das Geschlecht?
Und, Katharina, Du ziehst die Töchter von Freunden als Beispiel für „brave Mädchen“, die im Schlafanzug stundenlang ruhig herumspielen, heran im Gegensatz zu dem „wilden Kerl“ (Dein Sohn) -dabei hast Du doch selbst zwei Töchter. Da hatte ich den Gedanken – die eigenen Töchter will man dann vielleicht doch nicht als ruhiges, braves Mädchen-Klischee darstellen, ist halt doch ein bisschen eng in so einer Schublade. Zuschreibungen machen nichts besser, sie machen unsere Welt nur eintöniger, finde ich. Mein Sohn war übrigens so einer, der stundenlang Bücher angesehen und gemalt hat…
Es ist ja noch schlimmer: warum braucht der Sohn „Futter für’s Hirn“ während die Töchter weniger „anstrengend“ sind?
Nein, so erzieht man keine „Männer von Morgen“ – aber Töchter von Gestern.
Hallo Saskia, ich kann verstehen, was dich an dem Artikel stört, aber es ist halt ein persönlicher Artikel und da geht es um ganz konkrete Kinder mit ganz konkreten Eigenschaften. Meine Tochter hat Probleme mit der Schönschrift und Unordnung im Schlampermäppchen, mein Sohn ist sehr stark sozial angepasst und unsere Jüngste hat unendlich viel Energie. Aber tendenziell erlebe ich mehr wilde Jungs als wilde Mädchen und Eltern sollten doch einfach schreiben dürfen, wie sie ihre Kinder erleben. Völlig unabhängig von den Zuschreibungen sind Kinder halt einfach wie sie sind und ich finde ganz wichtig, dass jeder sein Erleben äußern darf.
Entschuldigung, liebes Stadt-Land-Mama Team, aber mit diesem Artikel verlasse ich nach über 15 Jahren Euren Blog. Leider erscheinen mir immer mehr Artikel wie altbackende Beiträge aus der „Bild der Frau“ bzw. aus vorherigen Jahrzehnten stammend.
Wenn Du, liebe Katharina schreibst, dass Dein Sohn, in diesem Artikel stellvertretend für die Söhne der „Jungs-Mamas“, ein „wildes Kerlchen“ sei, ohne Sinn für Schönschrift und eine vollständige Federtasche – dann ist das eine direkte Zuordnung genau dieser Attribute (lieb und ordentlich) als typisch weiblich. Entsprechend habe die Tochter ja auch schön „ruhig“ zu Hause gespielt, während der Sohn die Welt bereits im Buggy eroberte.
In diesem Zusammenhang wundert mich die weiter anhaltende strukturelle Benachteiligung von Frauen nicht mehr. Ebensowenig, dass „Mamas“ den Papa zum Pilates zwingen oder dass in langen (überflüssigen) Texten Mamas feiern, mal für zwei (verdammte!) Nächte alleine im Urlaub gewesen zu sein – und alle nennen sie „mutig“.
Ich wünsche Euch alles Gute.
Deine Kritik an den Stereotypen verstehe ich gut, formen sie doch Kinder mit und die jeweilige Identität wird ein Kompromiss aus dem, was man ist und zu sein wünscht, und dem, was einem das Umfeld zugesteht.
Und doch teile ich die Behauptung der pauschalen strukturellen Benachteiligung der Frauen nicht mehr. Weil in der Schule Kinder bevorteilt sind, die sich gut an die Erwartungen anpassen können. Und dass sind statistisch gesehen mehr Mädchen.