Teen Time: Wann hören wir eigentlich auf, die Teenies zu knuddeln?

Teenies

Foto: Freepik

Ihr Lieben, ich glaube, es gibt keine Mutter, die nicht zu irgendeinem Zeitpunkt overtouched war, also so oft angefasst, umarmt, geknutscht wurde, dass es ihr zu viel war. Wie oft habe ich nachts gedacht, dass ich mehr körperlichen Freiraum brauche, wenn wieder mal ein Kind unter meine Decke gekrabbelt kam.

Wie oft dachte ich: Warum kleben die immer alle an mir? Warum will ständig jemand auf oder in meinen Arm? Warum hängen die an meinen Beinen, lassen mich nicht los, selbst wenn ich auf dem Klo sitze? Wenn man kleine Kinder hat, ist man ja praktisch nonstop körperlich miteinander – ob man An- und Ausziehen hilft, wickelt, eincremt, Zähne putzt, umarmt, kuschelnd tröstet, trägt, wippt, schuckelt…

Und dann… ohne dass wir es bewusst wahrnehmen, wird es weniger. Die Kinder schließen sich vielleicht plötzlich im Bad ein, wenn sie sich waschen. Sie brauchen keine Hilfe mehr, den Pulli über den Kopf zu ziehen, Zähne putzen sie längst alleine. Nachts kommen sie nicht mehr ins Bett gekrabbelt, Abschiedsknutscher wollen sie auch nicht mehr, sie brauchen keine Hand mehr, um die Straße zu überqueren. Kurz: Wir fassen größere Kinder doch viel weniger an als kleinere.

Teenies grenzen sich ab

Das ist natürlich auf der einen Seite ganz natürlich, weil auch das zur Abgrenzung eines Teenies dazu gehört, aber plötzlich vermisst man als Eltern irgendwie diese Körperlichkeit, oder? In meiner Familie ist und war es schon immer so, dass wir viel gekuschelt haben und uns gedrückt und angefasst haben. Die großen Kinder sind noch lange mit mir Händchen haltend spazieren gegangen oder saßen alle zusammen in der Badewanne. Und ich selbst kuschel mich, wenn meine Mutter da ist, auch noch mit ihr zusammen aufs Sofa.

Bei meiner 15-Jährigen und dem 12-Jährigen merke ich aber jetzt deutlich, dass diese Kuschel-Zeiten rar sind. Und ich habe mich gefragt, ob das so sein muss oder ob man es nicht aktiv beibehalten kann – altersentsprechend natürlich. Als der 12-Jährige neulich einen blöden Tag in der Schule hatte, hab ich ihn abends einfach gefragt, ob ich ihm ein bisschen den Rücken kraulen soll. Er lag dann da ganz relaxed, wir haben gar nicht viel geredet. Ich hatte eher das Gefühl, er konnte durch diese Entspannung den Tag besser abschließen. Und ich hab mir währenddessen immer nur gedacht: Wann ist der so groß geworden? Diese langen Beine, diese riesigen Füße???

Und zu der Großen, die momentan echt viel mit Freundinnen unterwegs ist, hab ich neulich mal gesagt: „Ohhh, ich vermiss dich grad ein bisschen, können wir uns mal laaaaaange drücken?“ Und dann standen wir da in der Küche und haben uns einfach nur gehalten. Als ich kurz darauf miese Laune hatte (PMS-Aggros), kam sie zu mir uns sagte: „Brauchste mal nen Drücker?“ Und wie ich den brauchte!

Ich behalte dieses bewusste Einsetzen von körperlicher Nähe gerade echt total bei. Weil ich oft das Gefühl habe, dass darüber auch die Kinder ins Reden kommen. Und wenn es nur ein paar Streicher über den Kopf sind oder – lieben meine Kinder alle – ein Fußmassage. Als ich dem 12-Jährigen beim Abholen sagte, dass es abends Pizza gibt, hat er sich so gefreut, dass er mich stürmisch vor seinen Kumpels umarmt und mir ein dickes Bussi aufgedrückt hat.

Natürlich gibt es auch Teenies, die sich da eine gewisse Zeit total abgrenzen und das nicht mehr zulassen und dann ist das wahrscheinlich auch okay. Aber wenn wir ab und zu noch eine Kuscheleinheit von unseren Großen bekommen ist das besonders wertvoll, oder?

Wie ist das bei euch? Kommt ihr körperlich noch an die Teenies ran? Oder kennt ihr das von eurer Ursprungs-Familie gar nicht, dass man sich viel drückt und kuschelt? Ein guter Freund von mir zum Beispiel begrüßt seine Eltern immer mit Handschlag was ich total irritierend finde. Als ich ihn mal darauf angesprochen habe, sagte er, dass das in seiner Familie einfach so sei und dass er als Erwachsener seine Eltern nie umarmt oder gebusselt hätte. Erzählt doch mal, wie das bei euch so ist!

e673402166034fc0bea62cbb4e8138c3


5 comments

  1. Zu dem Händedrücken als Begrüßung: meine Großeltern väterlicherseits haben das auch gemacht. Und das fand ich so viel angenehmer als Kind als das feste Drücken meiner Oma mütterlicherseits und den Schmatzer von meinem Opa väterlicherseits. Es kann also gut sein, dass die Kinder möglicherweise andere Empfindungen zu der Art und Weise der Begrüßung haben als die Erwachsenen.

  2. Rückenkraulen steht bei meinen Jungs (fast 12 und 15 Jahre) abends auch noch hoch im Kurs!

    Küsschen geben vor den Kumpels eher weniger 😉

    Insgesamt hat der Körperkontakt mit dem Älterwerden der Kinder abgenommen. Das finde ich ganz normal. Umso schöner wenn er spontan zustande kommt und dann sogar ich geknuddelt werde. Für diese Momente bin ich dann jedesmal sehr dankbar und sie tragen mich durch die Phasen, die zwischendurch anstrengender mit zwei Teenies sind….

  3. Meine Kinder sind 5 Jahre (Mädchen) und 9 Jahre (Junge). Wir sind also sowieso noch viel am Kuscheln und Drücken. Aber mir ist es auch ganz bewusst wichtig, dass ich meinen Kindern auch dadurch zeige, dass ich sie liebhabe. Ich hoffe, dass sie es noch möglichst lange zulassen und dass sie das Gefühl für immer in sich tragen.

    In der Familie meines Mannes ist es auch so, dass sich alle mit Handschlag begrüßen und verabschieden, und für mich ist es sehr befremdlich. Und noch schlimmer finde ich, dass sie das auch bei meinen Kindern so durchziehen. Also auch der kleinen 5jährigen geben die Großeltern nur die Hand. Ich finde es gruselig, aber ich kann es nicht ändern, sondern nur zeigen, dass es bei uns anders ist.

  4. Unsere Kids sind 11 und 14 und werden beide mehrmals am Tag und gern gedrückt und geknuddelt. Ganz besonders, wenn der Tag doof war.

    Teenies tun nur cool, sie sind meistens unsicher und liebesbedürftig

    1. Meine Tochter wird demnächst 13 und Rücken und Arme kraulen kommt immer wieder vor, aber wenn ich ihr einen Kuss auf den Kopf geben möchte, wird geknurrt. 😉 Ich sag dann immer: Was soll ich machen? Du bist doch mein Kind! Dann kommt wenigstens ein: Ich hab dich lieb! zurück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert