Eine Lehrerin mahnt: Das Smartphone ist die Ursache für fast alle Schulprobleme!

Smartphone

Ihr Lieben, das Thema Mediennutzung, Smartphone und Co. ist einfach ein Thema, das in vielen Familien für viel Diskussionsstoff sorgt. Wir hatten ja neulich ein Interview mit Familiencoach und Medienexpertin Petra Trautwein bei uns, die sagte, dass die Ursache Nr. 1 für Schulprobleme die digitale Medien sind.

Auf dieses Interview hin meldete sich Diana bei uns, sie ist seit über 20 Jahren Lehrerin und stimmt der Aussage von Petra Trautwein zu 100 Prozent zu. Wir haben sie ebenfalls zu dem Thema befragt:

Liebe Diana, wie lange arbeitest du schon als Lehrerin und kannst du mehr über die Schule erzählen, an der du arbeitest?

Ich arbeite seit 20 Jahren im Schuldienst. Meine derzeitige Schule liegt in einem eher ländlich geprägten Umfeld. Unsere Schülerschaft ist sehr heterogen. Wir haben viele Kinder mit einem unterstützenden familiären Umfeld, aber durchaus auch viele Kinder, die in schwierigen Verhältnissen groß werden. Durch den Zuzug einiger Familien aus der Ukraine, aus Syrien und Afghanistan, haben wir auch Kinder mit Migrationshintergrund. In meiner derzeitigen 2. Klasse spricht die Hälfte der Kinder zu Hause eine andere Muttersprache.  

Lass uns mal über das Thema Smartphone sprechen. In welchem Alter haben die Kinder an eurer Schule eins und aus welchen Gründen werden sie angeschafft?

Ein eigenes Smartphone haben vor allem die Viertklässler, aber es gibt auch Kinder in den 1.-3. Klassen, die schon ein eigenes Gerät haben. Das Problem sehe ich darin, dass viele Kinder häufig die Geräte der Eltern oder „alte Handys“ bekommen und so oder auch über Tabletts Zugang zum Internet haben. Sie spielen Roblox, schauen YouTube Shorts oder sind auf Instagram unterwegs.

Häufig gibt es keine Kontrollen oder Kindersicherungen. Die Eltern wissen oft gar nicht, wo ihre Kinder unterwegs sind und was sie dort machen oder mit wem sie Kontakt haben. Wenn Eltern Gründe dafür angeben, warum ihr Kind ein Handy bekommt, so ist häufig die Erreichbarkeit ein Thema. Dies hängt sicher auch mit dem fehlenden Vertrauen und der kaum noch vorhandenen Bereitschaft, Kindern auch mal die Möglichkeit zu geben, in unbeaufsichtigten Räumen unterwegs zu sein, zusammen.  Wenn Kinder öffentliche Verkehrsmittel nutzen (die bei uns oft sehr unzuverlässig sind), tut es auch ein altes Tastenhandy; da muss es kein Smartphone sein.

Wenn es nach dir ginge: Ab welchem Alter findest du Smartphones sinnvoll und warum?

Wir sind Teil der Hamburger Elterninitiative Smarter Start ab 14. Das heißt, wir sind mit anderen Eltern vernetzt, die ihren Kindern ebenfalls erst ab 14 ein Smartphone zur Verfügung stellen. Ich denke, mit 14 haben die Kinder ein Alter erreicht, in dem sie schon vieles einordnen und verstehen können.

Aber auch dann ist es wichtig, mit ihnen im Gespräch zu sein und sich als Eltern aber auch selbst zu informieren. Auch mit 14 benötigen Jugendliche meiner Meinung nach noch externe Kontrollen (bspw. Ruhezeiten). Es gibt viele Erwachsene, die sich dem digitalen Sog nicht entziehen können; dies gilt für Jugendliche in der Pubertät erst recht. Wichtig ist hier auch die Vorbildfunktion der Eltern.

Du bist ganz nah dran. Berichte uns doch bitte mal, welche schulischen Probleme zu viel Handynutzung verursacht – du sagst ja, es sei das Hauptproblem für schulische Probleme…

Ich würde die Frage etwas erweitern, in dem Sinne, dass es nicht nur das Smartphone als Gerät ist, sondern insgesamt der Zugang zu Bildschirmen und der digitalen Welt.  Überall lese ich, dass in den letzten Jahren die Leistungen der Kinder dramatisch abgenommen haben, dass sie Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, bei der Sache zu bleiben, lesen zu lernen…. Die Liste ist lang. Und ich erlebe das ja selbst auch durchaus dramatisch. 

Ein Beispiel: Ich lese jeden Tag am Ende des Tages etwas vor. Meine Klasse war zu Beginn des 1. Schuljahres überhaupt nicht in der Lage auch nur zwei Minuten zuzuhören. Also habe ich Märchen auswendig und mit viel Einsatz von Körper und Stimme frei erzählt, damit nicht das Medium Buch zwischen uns steht. Nach und nach bin ich immer mehr zum Vorlesen übergegangen. Viele Kinder erzählen nach dem Wochenende, dass sie viele Stunden gezockt haben. Sie verlieren sich in digitalen Welten und es fällt ihnen erkennbar schwer, in die Realität zurück zu kommen. 

Und was beobachtest du – wie haben sich die Kinder in den letzten Jahren durch das Handy verändert?

Ich erlebe, dass die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit stark abgenommen haben. Dass Kinder abdriften und es schwer ist, sie zurück zu holen. Ich erlebe, dass Kinder in älteren Klassen in Sachunterrichtsprojekten sofort nach dem Tablett fragen, wenn sie zu einem Thema recherchieren sollen und ich ihnen ein Buch dazu in die Hand drücke. Dann sind sie erstmal überfordert mit der Handhabung des Inhaltsverzeichnisses und es erscheint ihnen zu mühsam.

Der schnelle Klick ist einfach so viel bequemer. Hier spielt auch die stark gesunkene Frustrationstoleranz eine Rolle. Unvergessen bleibt mir der Viertklässler, der mir erklärt hatte, er könne doch gar nicht lesen und müsste sich die Texte vom Tablett vorlesen lassen. Ich habe mich mit ihm gemeinsam hingesetzt und ganz intensiv an einem Text zum Thema Vulkane (was ihn sehr interessierte) gearbeitet. Am Schluss des Tages rief er beglückt (und ohne jede Ironie): „Ich kann lesen!“ 

Ganz konkret sind natürlich auch die Probleme, die sich aus den Klassen WhatsApp-Gruppen ergeben.  Die Eltern erlauben WhatsApp (hat ja jeder), überlassen es aber der Schule, die daraus resultierenden Konflikte zu lösen. Es wird nicht besprochen, wie man sich im digitalen Raum verhält und welche Regeln dort gelten. 

Was berichten dir die Eltern über den Handykonsum ihrer Kinder?

Ich erlebe es im schulischen Kontext eher selten, dass Eltern von sich aus über Bildschirmzeiten oder Handykonsum sprechen.  Für viele ist es selbstverständlich, dass Kinder diese Geräte nutzen und sie glauben, dass es wichtig sei, frühzeitig damit anzufangen, um nicht abgehängt zu werden.

Elternabende, die wir zu diesem Thema anbieten, werden nur von denen besucht, die sowieso schon kritisch und achtsam mit diesem Thema umgehen. Ich erlebe es eher so, dass ich mich als Lehrerin dafür rechtfertigen muss, dass ich Smartboard und Tabletts in meiner Klasse NICHT nutze.

Ich betrachte meine Klasse als analogen Schutzraum, in dem die Kinder sich intensiv mit der Sache und mit den anderen Menschen, die mit ihnen lernen, auseinandersetzen sollen. Ohne Ablenkung. Und dabei die grundlegende Medienkompetenz, die heute vielen fehlt, erlernen: Lesen. Verstehendes, begreifendes, kritisches Lesen. Dazu braucht man ein Buch und einen Menschen, der einen begleitet. Keine App und keinen Bildschirm. Die Liebe zum Buch zu entfachen, das sehe ich als eine meiner wichtigsten Aufgaben an. 

Was findest du die größte Gefahr, wenn Kinder ohne Aufsicht am Handy hängen?

Ich habe mal gelesen, dass jemand gesagt hat, Kindern unbeaufsichtigten Zugang zur digitalen Welt zu ermöglichen, sei vergleichbar damit, sie einfach allein, ohne jede Hilfe und Anweisung, am Frankfurter Hauptbahnhof abzusetzen. Ich denke, das ist ein sehr gutes Bild. 

Mit wenigen Klicks finden sie verstörende pornografische oder gewaltverherrlichende Inhalte, kommen über Plattformen wie Roblox mit gefährlichen Menschen in Kontakt (ich erinnere an das Sadistennetzwerk) oder sehen unzensierte Videos aus Kriegsgebieten.

Erwähnenswert ist auch, dass selbst Lernapps, die von Schulen empfohlen werden, mit Belohnungssystemen arbeiten, deren Auswirkungen auf das Gehirn noch kaum erforscht sind. Überhaupt macht ein Blick auf die Sicht der Gehirnforschung auf diese Themen immer viel Sinn, wenn man sich informieren möchte. Es ist auch nicht zufällig, dass Menschen, die im IT Bereich tätig sind, häufig die sind, die ihre Kinder am längsten von diesen Geräten fernhalten. 

Ab einem gewissen Alter heißt es ja dann: „Alle anderen aus meiner Klasse haben aber auch ein Handy!“ Wie hast du das mit deinen eigenen Kindern gelöst?

Eine gute Freundin sagte einmal zu mir, auf die Frage, wie sie es geschafft habe, ihre Kinder so lange handylos zu lassen: „Ganz einfach, ich kaufe sie nicht.“ Sobald ein Handy oder Ähnliches für das Kind im Haus ist, beginnen die Diskussionen und Tricksereien.

Ich spreche viel mit meinen Kindern, erkläre meine Gründe und höre ihnen zu. Mein Sohn hat sein 1. Handy und seinen PC mit 14 bekommen.  Bei uns gibt es keine Playstation, Switch oder Ähnliches. Für ihn war das in Ordnung, er hat unsere Beweggründe verstanden.  In IT ist er inzwischen einer der Besten seiner Klasse, was zeigt, dass es kein frühes Wischen und Scrollen braucht, um sich später in der digitalen Welt zurecht zu finden. 

Unsere Tochter ist 12. Hier haben wir das Glück, dass ihre beste Freundin auch kein Handy hat. Die beiden telefonieren sehr oft ganz old school mit dem Festnetz. Dennoch hadert meine Tochter mehr mit der Situation als mein Sohn. Aus diesem Grunde darf sie zwei ausgewählten Freundinnen von meinem Handy über WhatsApp schreiben.

Ich finde es wichtig, eine klare Haltung zu diesem Thema zu haben, auf jeden Fall aber auch mit seinen Kindern im Gespräch zu sein, ihre Sorgen ernst zu nehmen und Kompromisse zu finden, damit sie nicht ausgegrenzt werden und teilhaben können. Auch müssen Eltern den Weg ihrer Kinder in die digitale Welt unbedingt begleiten und hinschauen, was sie dort tun.

Da dies für viele Eltern in meinen Augen eine Überforderung darstellt, wäre es wünschenswert, dass grundlegende Dinge, wie ein Mindestalter für die Nutzung sozialer Netzwerke, unbedingt auch politisch durchgesetzt würde. Auch die Nutzung digitaler Medien in Kindergärten und Schulen sollte, unter Einbeziehung der Neurowissenschaften, kritisch betrachtet und eingeschränkt werden. Das Thema ist einfach zu wichtig um es allein den Eltern zu überlassen!

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19 comments

  1. Ich sehe hier ganz klar die Schulen in der Pflicht. Warum: Fakt ist, die digitalen Medien sind da und gehen nicht mehr weg. Fakt ist auch, dass es immer viele Eltern geben wird, die das ganze locker und ungefährlich sehen (oder aus bildungsfernen Familien stammen, die einfach nicht das Wissen aufbauen können), wenige Eltern, die total kritisch sind und alles verbieten und ganz viele Eltern dazwischen, die sich bemühen, so gut es geht, sich dann aber auch vom Gruppenzwang („alle haben ein Smartphone, nur ich nicht“) mitreissen lassen und nicht möchten, dass ihr Kind ein Außenseiter ist. Die „locker-flockigen“ Eltern wird man weder mit Büchern, noch mit Elternabenden oder sonstigen Bemühungen erreichen. Fakt ist auch, dass die Politik wenig bis gar nichts machen wird, einfach weil die Gründer dahinter mächtig sind und auch viel Geld dadurch generiert wird.
    Warum also nicht bei den Kindern ansetzen? Warum gibt es kein entsprechendes Schulfach, gerne ab Klasse 1, dass sich ausführlich mit dem Nutzen, den Gefahren aber auch mit der Technik dahinter beschäftigt, damit die Kinder von klein auf lernen, wie sie damit umgehen können? Seit 20 Jahren gibt es soziale Medien und ihre entsprechenden Algorithmen und der Lehrplan hat sich genau wieviel in der Richtung verändert? Null. Nur in der Schule können alle Kinder ein entsprechendes Wissen aufbauen. Auf uns Eltern zu zählen ist sehr kurzsichtig gedacht und aus meiner Sicht nicht ausreichend, zumal wir ja auch nie gelernt haben, damit umzugehen. Ich bin Softwareentwicklerin, ich kann meine Kids entsprechend schulen und ihnen erklären, was alles dahinter steckt. Aber darauf zu setzen, dass alle Mütter/Väter das können und wollen und ihre Kinder verantwortlich erziehen, würde ich als Gesellschaft nicht. Ich sehe, wie die KI auf dem Vormarsch ist und uns überrrollen wird, bzw. schon mitten dabei ist. Sie wird mehr und mehr Einfluss in unser Leben nehmen, aber die Mehrheit der Gesellschaft hat keine Ahnung, wie sie das macht oder was sich dahinter verbirgt. Da werden ganz andere Themen und Veränderungen auf unsere Kinder zukommen. Ich finde es einfach traurig, dass so ein wichtiges Thema keinen Platz im Lehrplan hat. Aus meiner Sicht müsste es in einem ähnlichen Umfang wie Mathe und Deutsch behandelt werden. Die Welt hat sich verändert, aber wir unterrichten unsere Kinder immer noch wie vor 50 Jahren. Und dann wundern wir uns, dass solche Probleme entstehen.

    1. Ich spüre bei dir viel Wut auf das System Schule. Du hast sicher deine Gründe und es gibt bestimmt viele Schulen, die deinem Bild entsprechen. Das Problem ist, dass die Schule nicht zu Hause bei dir auf dem Sofa sitzt und auf den Medienkonsum deines Kindes achten kann. Und darum geht es ja. Ich bin ausdrücklich FÜR eine sinnvolle Medienerziehung in der Schule. Die muss aber entwicklungsgerecht sein. Du kannst mit einem Erstklässler nicht auf kognitiver Ebene über Medien diskutieren. Die Aufgabe der Grundschule besteht zunächst hauptsächlich darin, den Kindern Lesekompetenz zu vermitteln. Das gelingt leider bei vielen Kindern nicht mehr.

    2. @Betty, ich bin auch Lehrerin und kann mit Deiner Meinung so gar nicht mitgehen. Die Äußerung, dass Schule noch so sei wie vor 50 Jahren, wird zwar gern und mantramäßig wiedergekäut, stimmt deshalb aber trotzdem nicht. In einigen Punkten vielleicht, z.B. 45-Minuten-Lerneinheiten und Fachunterricht, in anderen Punkten hat sich Schule aber gravierend geändert. Was sich aber auf jeden Fall in den letzten Jahren sehr verändert hat, ist die Erwartungshaltung der Eltern, was Schule alles zu leisten hat, und das ist einfach nicht zu erfüllen. Schule kann einfach nicht auffangen, was Eltern in der Erziehung versäumen, zum Teil, weil sie mit ihren Kindern nicht in Konflikt gehen wollen, deshalb soll die Schule das dann richten…
      Wenn ich mal überlege, was Schule heute alles vermitteln soll: Demokratiebildung, ethische Werte (Projekte gegen Rassismus, gegen Mobbing), kulturelle Vielfalt, Teambildung und soziales Miteinander, Medienerziehung, am besten auch noch Crash-Kurse in Steuerrecht und praktischer Lebensführung… Kein Wunder, dass für Lesen und Schreibenlernen keine Zeit mehr bleibt.
      Der Widerspruch wird deutlich, oder? Man kann nicht darüber jammern, dass gravierende Teile der Kinder nicht mehr Rechnen und Schreiben können, und andererseits immer mehr Erziehungsaufgaben aus dem Elternhaus an die Schule delegieren (und gleichzeitig bei der Bildung sparen und die Klassen immer größer machen, aber das steht nochmal auf einem anderen Blatt…)
      Außerdem, was nutzt es, wenn die Lehrer den Kindern theoretisch erklären, was schlecht ist an zu viel Medienkonsum, die aber zuhause viel zu spät ins Bett sind, weil Handy oder Computer im Kinderzimmer am Start waren bis Mitternacht? Da hat Schule doch gar keine Handhabe, da kommen Eltern nicht drumrum, die Verantwortung zu übernehmen. Dabei bin ich übrigens für Schule ohne Tablets und Handies, das trage ich als Lehrerin gern mit, aber die Erziehung der Kinder von anderen Leuten möchte ich nicht übernehmen (habe selbst drei, das reicht mir) – und genau diese Erwartungshaltung der Eltern heute macht den Lehrerberuf so unattraktiv.

      1. danke für eure Kommentare. ich verstehe eure Seite. Mir geht es nicht um den Erziehungsaspekt, das erwarte ich von der Schule auch nicht. Mir kommt aber die Wissensvermittlung bei diesem wichtigen Thema einfach zu kurz und ich denke, dass es schon Auswirkungen hat, wenn die Kinder entsprechend gebildet werden. Natürlich kann man keine Wunder erwarten und das Kind hängt unter Umständen trotzdem viel am Smartphone weil die Eltern es erlauben. Aber ich glaube langfristig wird sich dadurch vieles verbessern. Zumindest haben diese Kinder später als Erwachsene genug know how und vielleicht machen sie es bei ihren Kindern einfach besser oder lassen sich von Pädophilen nicht zu dummen Handlungen überreden. Ich kann verstehen, dass man sich da als Lehrkraft machtlos fühlt und möchte zu meinem Kommentar noch ergänzen, dass ich die Schule in der Mitpflicht (nicht alleinige Pflicht wie es oben rüber kam) sehe, eben weil sie zumindest für alle Kinder ein Grundwissen mitgeben kann und diese Möglichkeit sollten wir nicht ungenutzt lassen.

  2. Willkommen in der Welt der Digitalisierung und neuer Medien, die wir nicht aufhalten können und auch nicht sollten. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin auch gegen Social Media für Kinder
    (vorallendingen im Grundschulalter)und versuche meine Kinder über die Gefahren der Social Medien und dem Internet aufzuklären und Ihnen dabei zu helfen. Aber umso früher die Kinder allerdings z.B. Recherche im Internet zu bestimmten Themen lernen (auch gerne in der Grundschule) umso besser sind sie für die weiterführenden Schule vorbereitet! Dort sind Tablets, digitale Tafeln etc. (hoffentlich) Alltag und sollten es im Hinblick auf das spätere Berufsleben auch sein. Lieber sollten die Kindern den Umgang mit KI lernen (und auch die Grenzen davon) als zu wissen wie ein Inhaltsverzeichnis auszusehen hat.

    1. Ja, das alles müssen Kinder lernen. Aber eben dann, wenn es entwicklungsmäßig dran ist. Bitte mal entwicklungspsychologisch betrachten und auch mal hören, was die Hirnforschung sagt.

      1. Sehe ich genauso! Und der Mehrwert von digitalen Tafeln erschließt sich auch nur teilweise. Der Mensch ist mit fünf Sinnen ausgestattet und Schule sollte auch das stets im Blick behalten. Die Gestaltung von Unterricht hat sich durch den Einsatz von digitalen Endgeräten (IPads, Tafel etc.) in vielerlei Hinsicht verbessert und erweitert, an anderen Stellen jedoch auch extrem verengt und somit verschlechtert. Dadurch dass alles direkt miteinander verbunden und auch entfernt werden kann, entsteht keine Notwendigkeit mehr für Bewegung im Raum (Tafelanschrieb, -reinigung, Blickrichtung etc.) Vieles dauert überraschend länger, weil sich beispielsweise eine Tafel nicht einfach mal eben nach oben schieben lässt etc. Gerade wenn Kinder im häusliche. Umfeld viel vor digitalen Geräten sitzen, nur noch wischen und nicht gerne (auf Papier) schreiben, könnte Schule hier einen tollen Ausgleich durch Alternativen bieten. Von daher kann ich nur zu einem moderaten Einsatz, zu Abwechslung und vor klemmen nicht zur Glorifizierung raten.

  3. Mein Sohn ist vor ein paar Tagen 7 geworden und darf seit einigen Wochen in der Schule (1. Klasse) mit seinem dort eigenen Tablet arbeiten. Als Mutter finde ich das überhaupt nicht gut, wir hatten nicht umsonst keines für unseren Sohn zuhause. Auch unser Smartphone darf er nicht haben. Mittlerweile hat er ein eigenes nur für die Anton App, weil die Schule die für so unglaublich gut anpreisen. Die erste Woche damit war nervig, ich bin froh, dass er nun nicht ständig danach fragt. Wir hatten aber gesagt, dass das Ding sofort wieder wegkommt, wenn es für ihn das überragende Thema werden würde. Er hat es punktuell für Mathe und Deutsch benutzt und sich auch über diese Münzen gefreut. Was man damit machen kann, weiß er noch nicht. Mittlerweile biete ich es ihm vielleicht ein mal in der Woche an für ein paar Minuten. Aber nur, weil es für ihn kein großes Thema ist. Anderes ist wichtiger für ihn. Freies Spiel, verschiedene Sportarten, Vorlesen/ gemeinsames Lesen und ab und zu für ein paar Minuten ausgesuchte TV Sendungen finde ich nützlicher für die kindliche Entwicklung als ständig digital zu konsumieren. Es ist aber nicht leicht seine Kinder immer davon fern zu halten.

  4. Naja. Spätestens wenn in den Schulen die verpflichtenden Tablets kommen, bei uns in Klasse 3, braucht das Kind nicht mal ein Smartphone. Und bei mehreren Geschwistern verliere ich manchmal den Überblick, wer „noch eben schnell was für die Hausaufgaben“ am iPad machen musste. Da wird dann in der AntonApp irgend etwas einfaches gemacht, damit man Münzen zum Spielen hat und schon ist das Kind gut beschäftigt.

    1. Ja, das habe ich ja oben angesprochen, dass ich das sehr kritisch sehe. Wir haben auch vier Kinder und bei der Wahl des Kindergartens/ Grundschule tatsächlich auch darauf geachtet, dass keine digitalen Medien eingesetzt werden. Die weiterführende Schule meines Sohnes sieht dies ebenfalls sehr kritisch und betreibt eine sehr gute Medienerziehung. So haben die Kinder z.B. ihr eigenes Nutzerverhalten bezogen auf das Smartphone untersucht und reflektiert und ein Hacker hat zum Thema Sicherheit der Daten etc. mit ihnen gearbeitet.

  5. Unser Großer ist fast 6 Jahre. Ich kann absolut bestätigen, dass es einfacher ist, wenn man bestimmte Dinge einfach gar nicht kennt/hat. Ganz viele der Kita-Freunde spielen (Lern-)Spiele auf Tablets und Handys der Eltern und es erzeugt viele Konflikte über die erlaubte Nutzungsdauer innerhalb der Familie. Wir haben sowas einfach nicht (und er weiß auch gar nicht, dass es sowas gibt) und die Diskussionen fallen weg. Stattdessen gibt’s bei uns 30 min ausgewählte Kinder-Doku (Es war einmal das Leben, Anna und die wilden Tiere, o.ä.) am Tag und er freut sich auf diese TV-Zeit genauso sehr wie die anderen Kinder aufs zocken…

    Geschadet hat es ihm sicherlich nicht und von Nachteil war es aus meiner Sicht auch nicht, dass er bisher keine Lernspiele machen durfte, denn er hat im Bewerbungsverfahren gerade gegenüber 200 anderen Kindern überzeugt und einen von 22 sehr begehrten Plätzen an einer privaten Grundschule ergattert. Ab Sommer werden wir uns dann wohl einfach auf die Erfahrung der Lehrer:innen verlassen und an die Richtlinie der Schule halten.

  6. Vorab ich bin kein riesiger Medienfan und würde nie auf den Gedanken kommen meinen Kids unbegrenzt ohne Reflektion auf Medien zurückgreifen zu lassen. Im Gegenteil wir sind bei jedem Kind individuell jeden Tag dabei zu begrenzen und locker zu lassen, zu überprüfen wie viel müssen wir regulieren, wie viel und was können sie selbst. Das ist ein anstrengender Prozess mit viel vor und zurück. Trotzdem habe ich als Diplom-Psychologin momentan das Gefühl, dass die Mediennutzung von Kindern gerade vor allem bei Schulen und Politikern als Sündenbock für alles herhalten vielleicht sogar ablenken sollen. Viele Dinge laufen gesellschaftlich anders als früher und jedes für sich kann auch dazu führen, dass Kinder nicht mehr dieselbe Konzentrationsfähigkeit haben. Kinder werden früher außerfamiliär betreut und anderem Stress (Cortisol) ausgesetzt. Es braucht mehr Arbeit der Eltern um den Lebensstandard zu halten, es gibt mehr psychische Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen auch durch die Corona Pandemie, Lehrermangel, gesellschaftliche Krisen und Bedrohungen wie Klimakrise und Krieg, die die Erwachsenen verängstigen, etc. Der Erziehungsstil vieler Eltern im Vergleich zum relativ starren Schulsystem ist sicherlich auch nicht einfach zu bewältigen. Da alle Auswirkungen NUR auf die Mediennutzung zu schieben empfinde ich als wenig ganzheitlich. Natürlich haben Medien auch viele negative Effekte und es ist an uns Eltern sie zu regulieren und den besten Weg damit zu finden, wie mit den anderen Punkten auch, die Gefährdungen beinhalten können. Die extreme Fokussierung en auf die Gefahr Handy mit der Relativierung vieler anderer Punkte ärgert mich momentan aber zunehmend.

    1. Ich würde dem zustimmen, dass es sicherlich mehrere Faktoren für die Konzentrationsschwierigkeiten der der Kinder gibt und man die anderen Aspekte auch berücksichtigen sollte. Dass der medienkonsum dennoch eine sehr große Rolle dabei spielt, ist, denke ich, klar. Wenn man bei solchen Diskussionen immer sofort in den Ausgleich geht und sämtliche möglichen Ursachen mit heranzieht, ist das auch nicht verkehrt. Ich hab aber den Eindruck, dass man sich dadurch dann letztlich viel im Kreis geht statt eines der zentralen Probleme deutlich beim Namen zu nennen und sich zu überlegen, wie man hier ansetzen kann. Und das wäre meiner Meinung nach beim Thema Medien so dringend notwendig zum Schutz unserer Kinder!! Deshalb tue ich mir, so sehr ich differenzierungen schätze, doch manchmal auch schwer damit, dass dadurch vieles relativiert wird.

    2. Liebe May, ich gebe dir vollkommen Recht; solche Phänomene muss man immer ganzheitlich betrachten. Und die von dir genannten Punkt finde ich ebenfalls wichtig und beachtenswert. Wenn ich aber einen Grund für die Entwicklung der letzten 10 Jahre nennen müsste, fällt mir an 1. Stelle immer die Digitalisierung ein. Sie hat unser gesellschaftliches Leben und das der Familien so stark verändert wie nichts zuvor. Ich finde die Überschrift auch etwas vereinfachend; weiter unten schreibe ich ja, dass für mich nicht nur das Smartphone ein Problem darstellt, sondern generell Endgeräte, die Kindern einen Zugang zur digitalen Welt ermöglichen.

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