Teen-Time: Für Katharinas Sohn steht ein Schulwechsel an

Schulwechsel

Foto: Symbolbild Freepik

Ihr Lieben, Berlin ist ja in vielen Hinsichten speziell und hier ticken die Uhren oft anders als in den restlichen Bundesländern. Heute geht es um die Tatsache, dass der Schulwechsel auf die weiterführende Schule erst nach der sechsten Klasse ansteht. Ich selbst bin ja in Bayern aufgewachsen, dort ging und geht die Grundschule bis zur vierten Klasse und danach konnte man je nach Empfehlung der Lehrkräfte aufs Gymnasium, auf die Realschule oder die Hauptschule.

In Berlin geht, wie schon gesagt, die Grundschule in der Regel bis zur sechsten Klasse. In der Regel, weil es auch ein paar wenige Kinder gibt, die bereits nach der vierten Klasse aufs Gymnasium in sogenannte Schnelllerner-Klassen wechseln. Dort bleiben diese Kinder bis zum Abitur (nach 12 Schuljahren) zusammen, mischen sich also nicht mit den Kindern, die dann zur siebten Klasse aufs Gymnasium wechseln.

Da meine beiden Großen aber keine Kandidaten für die Schnelllerner-Klassen waren, steht und stand also der Wechsel nach der sechsten Klasse für uns an. In Berlin gibt es dann zwei Möglichkeiten: Gymnasium oder Oberschule. Der Unterschied besteht darin, dass man auf dem Gymnasium nach 12 Jahren, auf der Oberschule nach 13 Jahren Abi macht, die Kinder auf der Oberschule also mehr Zeit haben und ein Teil auch nicht bis zum Abi bleibt, sondern z.B. nach der zehnten Klasse mit dem Mittleren Schulabschluss (MSA) abgeht.

Schulwechsel: Welche Schule wird`s?

Meine große Tochter (9. Klasse) ist auf einer Oberschule und dort sehr glücklich. Mein Sohn, der jetzt in der sechsten Klasse ist, möchte auf ein Gymnasium, also nicht auf die gleiche Schule wie seine Schwester. Fürs Gymnasium müssen sich die Kinder mit dem Notendurchschnitt aus dem zweiten Halbjahr fünfte Klasse und dem ersten Halbjahr sechste Klasse bewerben. So richtig also mit NC und Angabe eines Erst-, Zweit- und Drittwunsches – und der Tatsache, dass es leider dann oft doch nicht die Wunschschule wird (außer, man hat einen 1,0-Schnitt, was bei uns nicht der Fall ist :-))

Das heißt also, dass gerade in ganz Berlin die Info-Abende der weiterführenden Schulen stattfinden, dass gerechnet wird, wie wohl der Notenschnitt sein wird, dass man strategisch auswählen muss – und sich das so anders anfühlt als bei mir damals (ich bin einfach auf das Gymnasium gegangen, zu dem ich hinradeln konnte und auf dem meine Geschwister waren).

So ungewöhnlich ich es früher fand, dass die Berliner Kinder bis zur sechsten Klasse auf der Grundschule bleiben, so gut finde ich es heute. Nach der vierten sind die Kinder doch noch arg klein und der Wechsel auf eine Schule mit so vielen Großen ist dann schon herausfordernd. Dazu kommt, dass ich es fraglich finde, die Kinder bereits nach der vierten Klasse leistungsmäßig aufzuteilen. Was, wenn ein Kind einfach etwas später Vollgas gibt und durchstartet?

Tatsächlich hätte ich den Wechsel für meine Kids nach der Vierten zu früh gefunden, bei meinem Sechstklässler dagegen merke ich nun, dass es Zeit wird für eine neue Umgebung und neue Impulse. Und dennoch zittere ich ein wenig vor der Umstellung. Bis jetzt war alles recht behütet, die Hausaufgaben und Arbeiten überschaubar – das wird sich definitiv ändern. Der Leistungsdruck wird höher und ich frage mich oft, wie mein Sohn das alles neben dem vielen sportlichen Training am Nachmittag schaffen soll.

Wie so oft war es Lisa, die mir hier Mut gemacht hat. Bei ihren Jungs lief die Umstellung zwar nicht komplett reibungslos und sie machten die Fünfte auf eigenen Wunsch auch zweimal (das hatte aber vor allem mit der verflixten Früheinschulung zu tun), aber der Wechsel brachte eben auch Chancen mit sich. Dadurch, dass auf der weiterführenden Schule jedes Fach durch einen anderen Lehrer*in besetzt ist, lastet nicht mehr ganz so viel Druck auf der Beziehung Klassenlehrer*in-Schüler*in. Zudem seien die Lehrkräfte auf den weiterführenden Schulen nochmal ein ganz anderer Schlag, es seien auch mehr männliche Lehrkräfte, was ja gerade für pubertierende Jungs wichtig ist…

Unserem Sohn war von Beginn an sehr klar, auf welche Schule er will. Notentechnisch wird es wohl eher ne Zitterpartie als ein Selbstläufer, aber wir wollen es probieren. Und vielleicht muss man sich auch immer wieder selbst beruhigen: Die allerallerallerwenigsten Dinge im Leben sind nicht veränderbar. Wenn etwas nicht funktioniert, muss man eben einen neuen Weg suchen (auch Lisas Söhne haben zur 7. nochmal dir Schule gewechselt, was ihnen total guttat).

Aber klar ist auch: Kinder wachsen an ihren Aufgaben und ich glaube, wir haben alle schon einmal erlebt, dass ein Kind plötzlich über sich hinausgewachsen ist, obwohl wir da grad gar nicht mit gerechnet hatten… Drückt uns also die Daumen, dass die Noten reichen und wir am Ende wirklich auf die Wunschschule kommen! Und ich bleibe dabei: So viel Druck in so jungen Jahren fühlt sich doch irgendwie schon ganz schön schräg an…

2a0cdb7d1df64bf99ea2700ff8df5e81


5 comments

    1. Ich komme tatsächlich eben vom Beratungsgespräch:)
      Wie erwartet hat die Lehrerin Realschule empfohlen, der Kompass zeigt in Deutsch Gymnasium, in Mathe nicht und wir werden uns nach Besichtigung der Realschule und der Gemeinschaftsschule (liegen beide ca. 5 km von uns entfernt) für eine entscheiden.

  1. Ich (Mutter von 3 Jungs aus BaWü) sehe das wie Sanne. wir hatten dieses Jahr den ersten Schulwechsel gehabt und mein Sohn hat sich für eine Gesamtschule entschieden, wo man bis zur 7. Klasse noch schauen kann, welches Niveau man letztendlich dort macht. Ich bin froh, dass er nicht aufs Gymnasium wollte. die Empfehlung hatte er seitens der Lehrerin, aber mir fehlte die persönliche Reife. In der Grundschule musste er nie lernen und war trotzdem immer zwischen 1 und 2. Aber das geht ja nicht immer so weiter.
    Ich bin totaler Realschulfan, zumindest wie es in BW gehandhabt wird. ich finde da lernt man einfach auch noch Sachen, die man später im Alltag braucht. Und wenn es am Ende dann doch das Abitur sein soll, kann man dies bei uns einfach on top nach der 10. Klasse drauf setzen. Man verliert nicht mal ein Jahr.
    Ich finde es schwierig, wenn Kinder schon so einen Druck in der Schule haben. Das möchte ich für meine Kinder nicht. Abitur, Studium, kann ja immer noch gemacht werden, wenn der/die Heranwachsende das möchte. aber dann weiß er/sie auch, wofür das Ganze ist. Ich kenne durch meinen früheren Job an einer Hochschule auch viele, die erst eine Ausbildung in einem Betrieb gemacht und dann nochmal studiert haben. Das waren die ehrgeizigsten Studierenden, weil sie genau wussten, warum sie hier sind und ein klares Ziel vor Augen haben und natürlich altersbedingt auch mehr Reife.

  2. I feel you! Wir sind grad in der gleichen Phase mit unserem viertklässler Kind in NRW. Die Schulform Empfehlung ist hier nicht bindend, aber bestimmte Schulen fordern doch eine sogenannte uneingeschränkte Gymnasialempfehlung und einen guten Notenschnitt. Von daher hat unser Kind nun auch Wochen mit viel Druck hinter sich. Jetzt hat es zum Glück geklappt und es darf auf die Wunschschule gehen. Ich finde es auch nicht richtig, dass die Kids schon so früh so viel Stress um den Schulwechsel haben. Allerdings ist ja bei uns auch hausgemacht, da wir möchten, dass es, wie die Geschwister, auf ein leistungsorientiertes kirchliches Gymnasium geht. Wie du bin ich auch immer noch etwas befremdet über die Schulwelt in anderen Bundesländern, da ich auch aus Süddeutschland komme und Gymnasium und Übertritt dort unproblematischer waren.

    1. Vielen Dank, Tess, dass du so reflektiert bist und zugibst, dass der Stress größtenteils von Elternseite kommt.
      Ich bin Lehrerin (und Mutter) und behaupte eigentlich schon immer, dass aller Schulstress größtenteils von den Eltern und nicht den Lehrern kommt. Wenn die Eltern ihr Kind und seine (Schul-) leistungen gelassen sehen könnten, wären die Kinder auch nicht so gestresst.
      Ich (in BaWü) habe immer wieder Kinder, bei denen ich den Eltern sage, dass ich dem Kind grundsätzlich ein Abitur zutraue, ich aber trotzdem aktuell (Stand Klasse 4) kein Gymnasium empfehlen würde. Es gibt soooooo viele Möglichkeiten das Abitur zu machen…warum zum Teufel sind alle so grässlich fixiert auf diese Gymnasialempfehlung?! Zumindest ist das mein Eindruck als aktuelle Viertklässlermutter und eben als GS-Lehrerin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert