Teen-Time: Manchmal wünsche ich unseren Kindern 1990/2000er-Vibes

Teen-Time

Ihr Lieben, eigentlich ist Lisa ja die Teen-Time-Expertin, aber auch meine Kinder sind ja mit fast 15 und fast 12 schon in oder kurz vor der Pubertät, deshalb gibt es heute mal wieder einen Beitrag von mir.

Bisher gibt es mit unserer Großen keine großen Pubertäts-Kämpfe. Alkohol, Rauchen und Liebeleien spielen noch keine Rolle und auch das Thema „Ausgehen“ ist bisher echt überschaubar. Tatsächlich würde ich unser Verhältnis als echt eng beschreiben und freue mich, dass sie viele ihrer Gedanken und Gefühle mit mir teilt.

In den letzten paar Wochen aber habe ich doch festgestellt, dass die Große nun mehr und mehr flügge wird. Ihr erstes Schulpraktikum hat sie komplett alleine organisiert und arbeitet nun in einer Konditorei mit angeschlossenem Café. Sie hat sich entschieden, eine Ausbildung zur Jugendleiterin zu machen (damit sie später mal Kinder-und Jugendgruppen als Betreuerin begleiten kann) und ist einfach so fünf Tage mit vielen neuen Gesichtern zu der Fortbildung gefahren. Und sie hat sich für den Spanienaustausch im Frühjahr angemeldet. Wow, dachte ich da, jetzt geht’s los, jetzt will sie die Welt erkunden.

Wie war meine eigene Teen-Time?

Da das ja alles für uns zum ersten Mal passiert, versuche ich mich dann immer daran zurückzuerinnern, wie ich in dem Alter war. Und da fällt mir immer (mit Schrecken) auf, dass ich nur ein Jahr später ausgezogen bin und bis zum Abi auf einem Internat war.

Und da das natürlich noch andere Zeiten waren und ich noch kein Handy hatte, hieß das, dass ich echt wenig Kontakt zu meinem Eltern hatte. Meistens habe ich einmal in der Woche zu Hause angerufen, immer von der Telefonzelle aus, weil es eben noch keine Handys gab. Nach Hause gefahren bin ich nur alle 4-6 Wochen, was ich damals gar nicht schlimm fand, heute aber ECHT krass finde…

Ich würde nicht sagen, dass ich mein Verhältnis zu meinen Eltern nicht als eng beschrieben hätte. Ich wusste vor allem, dass ich mit jedem Problem immer Hilfe von ihnen bekommen hätte, ich habe bis heute ein tiefes Urvertrauen in meine Eltern. Aber den ganzen alltäglichen Kram habe ich mit mir selbst und meinen Freundinnen vor Ort ausgemacht. Meine Eltern wussten nicht, wann ich welche Klausur schreibe, ob ich gelernt habe. Sie wussten nicht, mit wem ich gerade Zoff hatte und später auch nicht, dass ich hin und wieder doch mal das eine Getränk zu viel hatte und auf dem Klo übernachten musste.

Ich habe früh gelernt, mir mein Geld gut einzuteilen, meine Wäsche zu waschen, mein Zimmer sauber zu halten und mich irgendwie schulisch so zu organisieren, dass ich ohne großen Aufwand ein ganz gutes Abi geschafft habe. Ich habe mich ziemlich unbeobachtet ausprobieren können, manchmal über die Strenge geschlagen, aber auch sehr schnell aus dem Mist, den ich gebaut habe, gelernt. Ich konnte, ohne elterliche Einmischung, selbst erkennen, was mit gut tut und was nicht, wieviel Aufwand ich für was betrieb..

Der größte Unterschied war sicherlich, dass es eben nicht diesen Nonstop-Kontakt zwischen meinen Eltern und mir gab, weil es ohne Handys gar nicht möglich war. Wie oft kriege ich heute ein Foto von meinen Kindern, wenn ich sie einkaufen schicke, weil sie sich nicht sicher sind, ob es das richtige Produkt ist. Wie oft rufen sie schnell an, um mich was zu fragen. „Das Handy ist die verlängerte Nabelschnur und nimmt unseren Kindern die Möglichkeit, selbstständig Lösungen zu finden“, hat eine Freundin von mir mal ganz treffend gesagt. Ich musste schon ein ganz dickes Problem haben, bevor ich mich auf den Weg zur Telefonzelle gemacht habe, um meine Eltern anzurufen…

Das soll definitiv kein „Früher war alles besser“- Text sein. Weil früher natürlich nicht alles besser war. Aber manchmal wünsche ich meinen Kinder schon so ein bisschen mehr von meinem 1990/2000er Feeling. Mist bauen, ohne, dass es jemand auf Social Media online stellt. Mehr Unabhängigkeit von uns Eltern, mehr Selbst-Ausprobieren. Weniger Vergleiche über Instagram und TikTok, weniger Erreichbarkeit, mehr Selbstwirksamkeit.

Und ich wünsche mir für mich selbst auch ein bisschen mehr die Fähigkeit, die meine Eltern anscheinend ausgeprägt hatten: Loszulassen. Vertrauen zu haben, dass alles gut ist, auch wenn ich nicht einmal am Tag Bescheid gebe. Denn da, und das gebe ich zu – ist bei mir echt auch noch Luft nach oben!

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