Notaufnahme: Wann macht sie wirklich Sinn, lieber Kinderdoc Aaron?

Notaufnahme

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Ihr Lieben, immer wieder ist zu hören, dass die Notaufnahme im Krankenhaus aus allen Nähten platzt, wir haben jetzt einfach mal Kinderdoc Aaron gefragt, ob er uns nicht mal sagen kann, wann die Notaufnahme mit unserem Kind wirklich Sinn macht. Hier kommt seine Antwort.

Wann macht Notaufnahme wirklich Sinn?

Wenn das eigene Kind plötzlich krank ist, geht sofort das Gedankenkarussell los: „Müssen wir sofort ins Krankenhaus? Oder reicht es, morgen zum Kinderarzt zu gehen?“ Diese Unsicherheit kennen fast alle Eltern. Gerade nachts oder am Wochenende ist die Versuchung groß, direkt in die Notaufnahme zu fahren, aus Sorge, etwas zu übersehen. Doch viele Besuche dort wären eigentlich nicht nötig. 

Viele große Kliniken sehen über 80 000 Patienten jährlich in ihren Notaufnahmen. Damit sind die Notaufnahmen völlig am Limit. Leider geht das zu Kosten unserer kleinen Patienten, die wirkliche Notfälle sind. Denn oft zählt jede Minute, um das Leben unserer kleinen Patienten zu retten. In der Notaufnahme richtet sich die Behandlungsreihenfolge nach dem Schweregrad der Erkrankung (sogenannte Triage). Familien mit nicht akut bedrohlichen Problemen müssen oft stundenlang warten. Das führt zu großer Unzufriedenheit auf allen Seiten!

Deshalb habe ich als Kinderarzt mir die Aufgabe gesetzt, Eltern aufzuklären und durch ihr Wissen stark zu machen. Deswegen ist es mir so wichtig, zu erklären, wann die Notaufnahme für dein Kind wirklich Sinn macht, und wann dein Kinderarzt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst die bessere Wahl ist. So bleibt die Notaufnahme frei für die Kinder, die wirklich dringend Hilfe brauchen – und dein eigenes Kind bekommt genau die richtige Versorgung, wann und wo sie nötig ist.

 Grundsätzlich gilt: Die Notaufnahme oder der Notruf sollten nur bei sehr schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen in Anspruch genommen werden. Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind in Gefahr ist oder sich der Zustand rasch verschlechtert, zögere nicht, den Notruf (112) zu wählen oder direkt in die Kinder-Notaufnahme zu fahren.

Typische Gründe für einen Besuch in der Notaufnahme

Krankenschwester
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Hier einige Situationen, in denen dein Kind sofort ärztliche Hilfe braucht:

Atemnot & Kreislaufprobleme

  • Schwere Atemnot, pfeifendes Atmen, sichtbare Einziehungen an den Rippen
  • Bewusstseinsstörungen, extreme Blässe oder bläuliche Haut
  • Starker Schwindel, Kind reagiert nicht mehr normal

 Verletzungen & Unfälle

  • Stürze auf Kopf oder Rücken mit Bewusstlosigkeit, Erbrechen oder Verwirrtheit (<48h)
  • Tiefe Wunden, starke Blutungen oder Verbrennungen
  • Verdacht auf Knochenbrüche oder Gelenkverletzungen
  • Verschlucken von Fremdkörpern, Batterien oder Giftstoffen
  • Biss von einem Tier

Neurologische oder psychische Notfälle

  • Krampfanfälle
  • Plötzlich schlaffe Lähmungen oder Sprachstörungen
  • Suizidgedanken oder akute Selbstgefährdung (bei Jugendlichen)

Ein Spezialfall sind auch sehr kleine Babys. Bei Neugeborenen ist die Einschätzung der Erkrankungsschwere durch die Eltern oft schwierig. Wenn ihr unsicher seid, solltet ihr gerade bei Babys, die jünger als einen Monat alt sind, unbedingt ärztliche Rücksprache halten. Eine erste Einschätzung bekommt ihr aber oft telefonisch von eurem Kinderarzt. Sollte diese/r den Zustand eures Babys als kritisch einschätzen, wird er/sie euch in die Kindernotaufnahme überweisen. Ihr solltet also bei folgenden Punkten unbedingt zeitnah zum Kinderarzt:

Säuglinge <3 Monate 

  • Fieber über 38 °C 
  • Apathie, Trinkverweigerung

Wichtige Notfall-Nummern auf einen Blick:

  • Notruf: 112
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
  • Giftnotruf (je nach Bundesland): z. B. Berlin: 030 19240

Tipp: Speichert euch eine Giftnotruf-Nummer direkt in euer Handy ein! So spart ihr euch im Ernstfall das Suchen der Telefonnummer! Hier könnt ihr 24/7 anrufen, wenn euer Kind möglicherweise etwas Giftiges gegessen oder getrunken hat!

Wann du lieber zum Kinderarzt oder in den ärztlichen Bereitschaftsdienst gehst

Kinderarzt

Viele Krankheiten wirken zunächst dramatisch, sind aber nicht lebensbedrohlich (auch wenn die Behandlung erst am nächsten Tag erfolgt!). Hier hilft meist dein Kinderarzt weiter:

  • Fieber (auch über 39 °C), wenn das Kind sonst wach und trinkfreudig ist
  • Husten, Schnupfen, Ohrenschmerzen (ACHTUNG Ausnahme: abstehendes Ohr, Eiter läuft aus dem Gehörgang)
  • Magen-Darm-Infekte ohne starke Austrocknung
  • Hautausschläge (bei gutem Allgemeinzustand)
  • Leichte Stürze oder Prellungen, bei denen das Kind sich normal bewegt

Tipp: Kinderarztpraxen, die im Urlaub sind, müssen eine Vertretung benennen, die dann erste Ansprechpartnerin ist. 

Tipp: Außerhalb der regulären Öffnungszeiten der Praxen besteht die Möglichkeit, in eine kassenärztliche Notdienstpraxis (KV-Praxis) zu gehen.

 Wie du im Zweifel richtig handelst:

  1. Beobachte dein Kind genau – wirkt es schwer krank, benommen oder bekommt kaum Luft? Dann sofort handeln und einen Notruf setzen (112)!
  2. Vertraue deinem Bauchgefühl – Eltern spüren oft, wenn „etwas nicht stimmt“.
  3. Bei Unsicherheit: Ruf den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117  oder deinen Kinderarzt/Kinderärztin an. Dort bekommst du eine erste Einschätzung, ob du ins Krankenhaus musst.
  4. Im echten Notfall: 112 anrufen – lieber einmal zu viel als zu spät.

Fazit

Eltern kommen sehr oft mit Kindern in die Notaufnahme, die an banalen Infekten oder schon seit Wochen bestehenden Beschwerden leiden. Kinder, die nicht schwer erkrankt sind, gehören nicht in eine Notaufnahme! Dies geschieht meist aus Unsicherheit.

Ich kann daher allen Eltern nur einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder ans Herz legen. Hier erfahrt ihr nochmal ganz ausführlich, wann es sich um einen Notfall handelt und was ihr dann machen müsst! Findet ihr auch auf deinkinderdoc.de.

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